Digitale Vernetzung für Peer Steinbrück

Wir sprachen mit Prof. Gesche Joost über ihre Arbeit in Peer Steinbrücks Wahlkampfteam.



Bild Gesche Joost

Foto: © SPD

 

Die Neuigkeit, dass Prof. Dr. Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der UdK Berlin und Leiterin des Design Research Lab, den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in seinem Wahlkampfteam unterstützen wird, machte Schlagzeilen. Die Designexpertin soll für Netzpolitik zuständig sein, hieß es. Wir sprachen mit ihr über ihre Mission und Pläne.

PAGE: Frau Joost, was ist Ihre Aufgabe im Kompetenzteam von Peer Steinbrück?

Gesche Joost: Ich vertrete im Kompetenzteam das Thema vernetzte Gesellschaft, als Querdenkerin in der Politik, könnte man sagen. Im Forschungsbereich, zum Beispiel im Design Research Lab, befasse ich mich schon länger mit der Vernetzung als Schnittstelle für Menschen – und dieses Thema möchte ich jetzt auf die politische Ebene bringen.

Sie haben unter anderem zu partizipatorischen Formen der Gestaltung geforscht. Welche Rolle wird dieses Thema im Wahlkampf spielen?

Das Thema partizipatorisches Design in der Politik reizt mich total. Man erlebt heute oftmals, speziell bei jungen Menschen, eine gewisse Politikverdrossenheit. Partizipatorische Gestaltungsansätze können da ein Bindeglied darstellen zwischen den Menschen und der Politik. Sie können zeigen, dass Politik nicht nur etwas Abstraktes, weit Entferntes ist, sondern etwas, das jeder mitgestalten kann. Ich möchte in Peer Steinbrücks Kompetenzteam verschiedene Online-Beteiligungsplattformen ausprobieren und sie nutzen, um mit vielen Menschen zusammen Themen zu entwerfen.

Welche Kanäle werden Sie dabei nutzen?

Modelle und Ideen wie das von Neighborhood-Labs und von Adhocracy, mit denen ich mich schon von der Forschungsseite aus beschäftigt habe, wollen wir aufs Politische übertragen. Dabei ist es wichtig, vielfältige, breite Zugänge zu schaffen – also nicht nur die netzaffinen Menschen einzuschließen, die eh schon online aktiv sind, sondern auch Menschen, die noch nicht so sehr im Internet unterwegs sind. Bestehende Plattformen schließen viele Menschen aus, weil sie nur die online-affinen Menschen ansprechen. Insofern wird auch digitale Bildung eine wichtige Rolle spielen: Von Kindern bis zu Senioren müssen Medienkompetenzen vermittelt werden, um den Menschen deutlich zu machen, dass das Netz etwas Positives ist. Ich möchte mit den Menschen gemeinsam darüber sprechen, welche Ängste es gegenüber dem Internet gibt, aber auch, welche Potentiale es bietet. In den Anfangsjahren des Internets hat man ihm ein hohes partizipatives Potential zugeschrieben. Ich habe jetzt den Eindruck, dass sich dieses Potential langsam einzulösen beginnt.

Können Sie etwas zu Peer Steinbrücks digitaler Politik sagen?

Wir definieren Netzzugang als Bürgerrecht und setzen uns für einen flächendeckenden Breitbandaufbau mit definierter Mindestqualität ein. Es kann nicht sein, dass Menschen auf dem Land allein durch mangelhaften Internetzugang von politischen Diskursen ausgeschlossen werden. Außerdem wollen wir, dass Medienkompetenz schon im Kindergarten vermittelt wird. Dazu ist natürlich auch eine Weiterbildung und spezielle Schulung von Lehrern notwendig. Zudem möchten wir Rahmenbedingungen für ein offenes Internet definieren: Das Internet soll ein freier, geschützter Raum sein. Dabei spielen auch Themen wie Netzneutralität und Urheberrecht eine Rolle.

Welchen Stellenwert nimmt Ihrer Meinung nach Design in der Politik ein?

Design ist für mich ein Schlüsselelement zur Vermittlung, es nimmt die Rolle eines Übersetzers ein. Zudem lassen sich viele Prinzipien aus dem Design auf die Politik übertragen. Zum Beispiel das Prinzip des Entwurfs: Vernetzung bedeutet auch, Ideen und Themen zusammen zu entwerfen.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Im Moment versuche ich, unterschiedliche Leute zu partizipativen Designwerkstätten einzuladen, in denen wir dann daran arbeiten wollen, in der Bevölkerung ein größeres Verständnis dafür zu entwickeln, was das Netz kann.


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6 Kommentare


  1. Michael Kania

    Meint sie etwa im Ernst, dass es hinreichend ist den “Netzzugang als Bürgerrecht” zu definieren und sich für einen “flächendeckenden Breitbandaufbau mit definierter Mindestqualität” einzusetzen ?

    Ich kann torben keerschges nur zustimmen: Gefälligkeitsinterview…


  2. PAGE-Redaktion

    Lieber Torben,
    nur zur Info: das Interview wurde nicht per Mail, sondern telefonisch geführt und die Pressestelle hat keine Korrekturen am Text vorgenommen.


  3. torben keerschges

    Ödes Gefälligkeitsinterview, dem man von vorne bis hinten anmerkt, dass es nicht nur per Mail geführt wurde, sondern auch noch 100%ig nach Freigabe durch die Pressestelle übernommen wurde. Schändlich.


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