Let’s talk about money! Teil 7

Was verdienen selbstständige Designer und Designerinnen? Im siebten Teil unserer anonymen Gehaltsserie verrät ein Berliner Designer, was er als geschäftsführender Gesellschafter im Bereich Branding & Interaction Design einnimmt und wie er seine Fixkosten organisiert.



Designer Gehaltsreport: Agenturchef für Branding und Interaction Design
Gehaltsreport: N.N., Agenturchef für Branding und Interaction Design, 33 Jahre, Berlin

»Nach meiner Ausbildung zum Mediengestalter habe ich Kommunikationsdesign studiert. Ich arbeite seit etwa sieben Jahren selbstständig. Seit 2016 bin ich kein Freelancer mehr, sondern als geschäftsführender Gesellschafter Angestellter einer GmbH, die ich selbst gegründet habe. Das habe ich zum einen gemacht, um nach außen als Studio aufzutreten. Zum anderen war es eine perspektivische Entscheidung: Jetzt kann ich in der Struktur einer GmbH arbeiten, ohne bereits feste Mitarbeiter zu haben – was auf längere Sicht geplant ist. Hinzu kommt, dass manche Konzerne nicht gern mit Freelancern arbeiten, sondern lieber GmbHs beauftragen. Derzeit arbeite ich regelmäßig mit acht Freelancern aus dem Kreativbereich zusammen, die ich als Subunternehmer beschäftige. Wir funktionieren wie eine Agentur und stemmen mit diesem Set-up gemeinsam größere Aufträge.«

Gehaltsreport: Geschäftsführendener Gesellschafter statt Freelancer

»Durch die GmbH-Struktur zahle ich mir jeden Monat ein festes Gehalt aus, das bei 2000 Euro brutto liegt. Die Agentur hat zwei Einnahmequellen: Einmal die Arbeit, die ich mit dem Freelancer-Team verrichte, außerdem vermiete ich in unseren Räumen zusätzliche Arbeitsplätze, teils auch an die jeweiligen Freelancer. Dafür musste ich erst mal einiges ins Büro investieren.

»Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich mir gesagt: Wenn ich mit Mitte dreißig noch nichts fürs Alter zur Seite legen kann, gehe ich in eine Festanstellung. Dabei bleibe ich auch«

Das Geld hatte ich zum Teil aus Rücklagen meiner vorherigen Tätigkeit als reiner Freelancer, die andere Hälfte habe ich mir geliehen und der GmbH als Darlehen gegeben. Neben meinem Geschäftsführergehalt hat die Agentur weitere Kosten von etwa 3000 Euro: Miete, Strom, Firmenauto, Versicherung, Softwarelizenzen, Technikequipment und eine Reinigungskraft, dazu noch jährliche Ausgaben, etwa für die Nebenkostennachzahlung oder den Jahresabschluss. Nach gut zweieinhalb Jahren macht die GmbH mittlerweile auch Gewinn.«

Fixkosten und Vorsorge des Gründers

»Als geschäftsführender Gesellschafter zahle ich keine Sozialabgaben. Versichern muss ich mich privat, was monatlich circa 500 Euro kostet. 250 Euro gehen als Einkommensteuer ans Finanzamt. Von den übrigen 1250 Euro muss ich dann leben. Das geht nur, weil ich immer noch lebe wie ein Student. Meine Wohnungskosten sind mit 400 Euro relativ günstig – unter anderem deswegen habe ich mich auf die Gründung eingelassen. Mein Konto ist jeden Monat circa 50 Euro im Minus, wenn nichts Größeres dazwischenkommt. Ich fühle mich eingeschränkt, da ich zum Beispiel nicht in den Urlaub fahren kann und mich bisher auch nicht um meine Altersvorsorge kümmern konnte. Das wusste ich aber vorher – man muss als Gründer einfach langen Atem beweisen. Ab 2019 werde ich mein Gehalt entsprechend anpassen und auch in Richtung Vorsorge aktiv werden. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich mir gesagt: Wenn ich mit Mitte dreißig noch nichts fürs Alter zur Seite legen kann, gehe ich in eine Festanstellung. Dabei bleibe ich auch.«

So kalkuliert der Berliner Designer Aufwand und Tagessatz

»Wenn ich als Einzelperson gebucht werde, liegt mein Tagessatz bei 560 Euro. Für Berliner Verhältnisse ist das für einen Designer überdurchschnittlich, im Digitalbereich (Interaction Design) eher die Regel. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass es bundesweit ein guter Satz ist. In Berlin ist die Wirtschaftskraft, trotz steigender Zahlen, noch vergleichsweise gering und die Konkurrenz hoch – also ein extrem hartes Pflaster für Neueinsteiger. Um mir die Erhöhung des Tagessatzes offen zu halten, spreche ich immer vom ›aktuellen Satz‹, um zu unterstreichen, dass dieser im Wandel ist.

»Wenn ich als Einzelperson gebucht werde, liegt mein Tagessatz bei 560 Euro. Für Berliner Verhältnisse ist das für einen Designer überdurchschnittlich, im Digitalbereich (Interaction Design) eher die Regel.«

Wenn wir im Team arbeiten, kalkuliere ich nach Gesamtaufwand. Die Einnahmen gebe ich anteilig an meine Subunternehmer weiter, ohne etwas abzuziehen. Demnächst sollte ich allerdings einen Anteil für Akquise und Projektmanagement einbehalten, was beides normalerweise bei mir liegt. Bestimmt drei oder vier Tage im Monat sitze ich an Kalkulationen und schreibe Angebote, auch die Buchhaltung kostet Zeit. Insgesamt fünf Tage monatlich arbeite ich dadurch unbezahlt. Meist kommen fünf weitere unbezahlte Tage pro Monat hinzu, da es eher selten gelingt, punktlandungsmäßig von Job zu Job zu springen. Aktuell ist die Auslastung bei uns jedoch sehr hoch und die Ausfälle liegen quasi bei null.«

Wie viel verdienen Kreative?

Ob Art-Direktorin, UX-Designer, Software Engineer oder Illustratoren – in unserer mehrteiligen Gehaltsserie haben wir Designer und Designerinnen der Kreativbranche nach Honoraren und Gehältern befragt. Unsere Interviewpartner verraten anonym, wie sie mit Honorarverhandlungen, Versicherungen oder Altersvorsorge umgehen. Mehr zum Thema »Was verdienen die kreativen Berufe?« lesen Sie im PAGE eDossier »Designwirtschaft in Zahlen«. Hier finden Sie Honorarübersichten und Gehaltstabellen aus Bereichen wie Fotografie, Illustration, Digitale Werbung, Projektmanagement oder Text (Stand 2016), die Sie bei der Kalkulation Ihrer Stundensätze und bei Ihrer Kundenakquise unterstützen.

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