Let’s talk about money! Teil 5

Für unsere anonyme Gehaltsserie haben wir Designer und Designerinnen gefragt, wie viel sie im Monat verdienen. Mit Tipps für Honorarverhandlungen, Versicherungen und Finanzen.



UX Design, Gehalt, Gehalt Grafikdesigner, Freelancer

N.N. Teamleiter UX Design, fest angestellt in einer Agentur, 35 Jahre, Frankfurt am Main

»Ich bin mit einem Bachelor- und Mas­ter­abschluss und sehr viel Praxiserfahrung, die ich neben dem Studium gesammelt hatte, ins Berufsleben gestartet – dennoch stieg ich vor etwa acht Jahren in meiner jetzigen Agentur als unterbezahlter Trainee ein. Seit 2016 habe ich eine leitende Position. Damals bekam ich eine Gehaltserhöhung von 1000 Euro brutto monatlich, was auch nötig war. Mittlerweile verdiene ich 4500 Euro brutto im Monat, das sind 2780 Euro netto.

»Diese Stunden, die ich laut Vertrag weniger arbeite und weniger bezahlt werde, kommen allerdings meist an den anderen Tagen als Überstunden wie­der drauf«

Ich arbeite in Teilzeit, um einen Nachmittag in der Woche mit meinen beiden Kindern ver­bringen zu können. Diese Stunden, die ich laut Vertrag weniger arbeite und weniger bezahlt werde, kommen allerdings meist an den anderen Tagen als Überstunden wie­der drauf. Mindestens. Es ist eine ziem­liche Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die meisten Arbeitgeber haben noch nicht verstanden, dass Eltern in Teilzeit oft besonders effiziente Mitarbeiter sind.

In Gehaltsgesprächen habe ich über die acht Jahre ein paar Vorteile ausgehandelt: Die Agentur zahlt monatlich meine Fahrkarte (circa 70 Euro) und einen Kita-Zuschuss, außerdem übernimmt sie Zuzahlungen zur betrieblichen Altersvorsorge. Am Jahresende habe ich einige Male einen erfolgsorientierten Bonus bekommen, der bei 2000 Euro brutto lag (netto: circa 800 Euro). Insgesamt finde ich mein Gehalt für eine leitende Position zu gering, da ich für mehrere Bereiche und viele Mitarbeiter die Verantwortung trage.

Meine Frau arbeitet momentan wegen der Kinder nur 16 Stunden, sodass wir einen Großteil der Ausgaben für die Familie von meinem Einkommen zahlen. Pro Kind bekommen wir 194 Euro Kindergeld im Monat. Auch durch den Zuschuss meiner Agen­tur haben wir gegenwärtig keine Kos­ten für die Kinderbetreuung. Wir können uns alles leisten und brauchen uns keine finanziellen Sorgen zu machen. Es bleibt allerdings derzeit am Monatsende so gut wie nichts übrig. Dadurch, dass wir bei beiden Kindern in Elternzeit waren und uns letz­tes Jahr ein Auto gekauft haben, mussten wir auch an unsere Reserven gehen. Das ist aber nicht schlimm, da wir wissen, dass es demnächst eher wieder mehr wird.

»Es ist sehr wichtig, gut vorbereitet in Personalgespräche reinzugehen und vorher genau über die vergangene Zeit zu reflektieren«

Bei mir steht bald ein Personalgespräch an, in dem es auch um mein Gehalt gehen wird. Es ist sehr wichtig, gut vorbereitet in solche Gespräche reinzugehen und vorher genau über die vergangene Zeit zu reflektieren und Situationen anzuführen, die den Weg zu einem attraktiveren Komplettpaket ebnen: Neben mehr Geld können etwa Konferenzen, neue Arbeitsmittel oder weitere Kostenübernahmen interessant sein. Man sollte aufzeigen, welche Perspektiven man für sich selbst sieht, in welchen Bereichen man sich weiterentwickeln möchte und ob man neue Felder abdecken kann, die es bisher in der Agentur nicht gibt.«

Das war unser Teamleiter UX Design aus Frankfurt am Main. Schauen Sie nächste Woche wieder rein und lesen Sie weiter, wenn es wieder heißt: »Let’s talk about money!«

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Hier geht’s zu den anderen Folgen unserer anonymen Serie zum Thema Honorare und Gehälter …



Mehr über die Einkommensverhältnisse in den kreativen Berufen lesen Sie im PAGE eDossier »Designwirtschaft in Zahlen«. Mit Gehaltstabellen und Honorarübersichten aus den Bereichen Illustration, Fotografie, Digitale Werbung, Projektmanagement, Text etc. (Stand 2016), die Sie bei der Neukundenakquise und Stundensatzkalkulation unterstützen.



Steckt in mir ein Freelancer? Fest ange­stellte Designer, die eine Selbstständigkeit erwägen, lesen weiter in PAGE 10.2018.



Honorare & Gehälter verhandeln von A bis Z und wie Sie sich darauf vorbereiten, lesen Sie in PAGE 11.2018.



Versichert euch!

»Wer gar nichts macht, wird fast gar nichts haben. Spätestens mit 35 Jahren sollte jeder Kreative mit einer privaten Vorsorge starten, um den Faktor Zeit für sich zu nutzen«, sagt Christian Büning vom Berufsverband BDG. Wie umfassend Kreative sich absichern sollten – von Rente über Arbeitsunfähigkeit und Berufshaftpflicht bis Rechtschutz, erklärt er in unserer Rubrik zum Thema Versicherungen.


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