»Gerade für Kommunikationsdesigner extrem unglücklich«

Friedrich Forssman, einer der renommiertesten deutschen Buchgestalter, über den offenen Brief seiner Kollegen an die Veranstalter des wichtigsten deutschen Buchdesign-Wettbewerbs



Foto: Gregor Baron

Kritik an den Kritikern der Stiftung Buchkunst … Führende deutsche Designer warfen der Stiftung Buchkunst in einem offenen Brief vor, im Wettbewerb um »Die schönsten deutschen Bücher« viel zu stark auf marktgerechte Gestaltung statt auf Buch-Kunst zu setzen. Friedrich Forssman sieht das anders.

 

Wir fanden die Ergebnisse des Wettbewerbs 2018 teils nicht so gelungen. Wurden da wirklich die schönsten deutschen Bücher gekürt?

Friedrich Forssman: Jury-Schelte ist generell schwierig, denn bei jeder Jurierung kann man sich fragen, ob die zwingendsten Arbeiten ausgezeichnet wurden. Der offene Brief bezieht sich ja nicht auf die Ausbeute dieses Jahres.

Richtig. Es hieß allgemein, die Stiftung lasse kritische politische und ästhetische Diskurse außer acht.

Friedrich Forssman: Ähnliche Wettbewerbe in anderen Ländern widmen sich auch dem gut gemachten, industriell gefertigten Verlagsbuch. Ziel der Stiftung Buchkunst war immer, herstellende Betriebe einzubeziehen. Druckereien und Bindereien auszuzeichnen, steigert das Qualitätsbewußtsein in der Branche. Die Kritiker kommen aus den Hochschulen, aber wir sprechen hier nicht von einem Innovationswettbewerb, der mit Objekten in sehr geringer Auflage außerhalb des Marktes stattfindet.

Gehören einfach mehr geschulte Designer in die Jury?

Friedrich Forssman: Es geht im Wettbewerb auch um Handwerk. Gute Gestaltung, die herstellerisch schlecht umgesetzt ist, dürfte nicht ausgezeichnet werden. Buchbinder und Drucker in der Jury können das beurteilen. Von inhaltlichen Aspekten abgesehen, stört mich aber vor allem die Form des offenen Briefs.

Aha?

Friedrich Forssman: Einen Angriff an den Beginn einer Kommunikation zu stellen, konsterniert mich. Gerade für Kommunikationsdesigner ist es extrem unglücklich, Kritik von Anfang an so zu äußern, dass sie nicht gut angenommen werden kann. Ich schätze die Verfasser als Kollegen sehr, aber der Text springt mit großen antikapitalistischen Worten als Tiger los und landet als Bettvorleger, nämlich ohne konkrete Vorschläge oder ein Zusammenarbeitsangebot.

Schön wäre, wenn beide Seiten konstruktiv aufeinander zugingen.

Friedrich Forssman: Dazu müsste die Kritik konkreter werden. Den nächsten Schritt müssen die Verfasser des Briefes tun.

 

In der gerade erschienenen Wettbewerbsdokumentation kann man sich einen Eindruck von den Gewinnern 2018 machen – an der gelungenen Gestaltung des Katalogs selbst gibt es jedenfalls keine Zweifel. Ansonsten kann es für die Gestalter-Community nur heißen: Mehr schöne Bücher einreichen! Ab Januar läuft der neue Wettbewerb

 


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