Fallstricke beim Arbeiten im Netzwerk

Christian Büning, Gründer von Büro Büning visuelle Kommunikation und Vizepräsident des BDG, im Gespräch …



Es spricht ja viel dafür, als Freelancer in 
einem Netzwerk zu arbeiten. Auftraggeber sehen das aber nicht so gern, oder?
Christian Büning: Mir sind früher öfters tolle Projekte durch die Lappen gegangen, weil ich diese im Alleingang nicht stemmen konnte. Deshalb habe ich mich mit anderen zu einem losen Netzwerk zusammengeschlossen, in dem wie in einem agilen Team sämtliche Kompetenzen vertreten sind. Auftraggeber arbeiten wegen der Haftung zwar eigentlich lieber mit einer GmbH zusammen, aber da haben wir eine gute Lösung gefunden: Wenn ich den Auftrag bekomme, bin ich der Generalunternehmer. Das heißt, ich koordiniere die Korrespondenz mit dem Kunden, Anfragen, Änderungswünsche und so weiter. Die Kommunikation muss an eine Person gebunden sein – das ist sonst für Auftraggeber ein Killerkriterium. Die wollen nicht mit sieben Leuten telefonieren, sondern einen Ansprechpartner, der das Projekt im Griff hat.

Und wie läuft die Abrechnung?
Die Mitglieder des Netzwerks schicken mir ihre Vorstellungen, und ich formuliere daraus ein Angebot des gesamten Netzwerks für den Auftraggeber, das transparent alle Posten jedes Freiberuflers ausweist. Die Honorierung läuft aber getrennt direkt über den Auftraggeber. Meine Partner im Netzwerk sind quasi Subunternehmen in der Kommunikation und im Projektmanagement, aber nicht in der Abrechnung. Auf diese Weise gefährde ich nicht meinen Status als Freiberufler und damit meine Zugehörigkeit zur Künstlersozialkasse.


Design, Kreativbranche, ProjektmanagementMehr zum Thema »Fehler, die sich Creative Professionals sparen können« lesen Sie in der Titelstory in PAGE 10.2017:


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Welche Fallstricke gibt es noch?
Jeder trägt die Haftung selbst, das ist also eigentlich klar geregelt. Für das Projektmanagement hafte ich, denn das berechne ich auch separat. Ansonsten besteht zwischen jedem einzelnen im Netzwerk eine Geschäftsbeziehung zum Auftraggeber. Problematisch ist zudem, dass das Netzwerk nicht wirklich »belastbar« ist, wenn zum Beispiel einer der »Partner« auch nach drei Wochen einfach nicht aus dem Quark kommt. Das hatte ich bereits zweimal, und es ist wirklich ärgerlich, weil ich meinen Namen dafür riskiere. Einmal habe ich Ersatz gesucht, das andere Mal mit Engelszungen geredet. Bei so etwas gehen auch mal schnell dreißig Telefonstunden drauf. Solche Leute braucht man im Netzwerk nicht.

Was würdest du jungen Kommunikationsdesignern empfehlen?
Erkennt, dass eure Kompetenz auch ein Ende hat. Manche denken ja wirklich, sie könnten alles. Aber wenn man Sachen nur halb kann, wird man auch nur halbe Qualität abliefern, das ist unredlich. Macht euch klar, worin ihr gut seid und was ihr besser dazukauft. Das Im-Netzwerk-Arbeiten würde ich erst einmal mit einem kleinen Projekt trainieren. Da können mitunter heftige Egos aufeinanderprallen, und wenn man dann ein sechsstelliges Projekt im Nacken hat, ist das sehr riskant.

 

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