Data is the new black: Fashion @ Next 12

3D-Bikinis, strickende Omas und das Paralleluniversum StarDoll: Der Fashion Track der NEXT hat uns in seinen Bann gezogen.



Brave New Fashion WWWorld hat Kuratorin Anitra Eggler den Beginn ihres ganztägigen NEXT-Programms betitelt und Lennard Minderhoud von der Business to Business-Plattform Fashion United zeigt, wie diese aussieht. Konnte man sich vor 10 Jahren nicht vorstellen, Mode online zu verkaufen, da man fest davon überzeugt war, dass die Kundinnen die Kleidung anprobieren wollen und den Stoff fühlen, hat der Online-Modevertrieb heute 6% Marktanteil und 2020 werden es voraussichtlich 40% sein, glaubt man den Prognosen.

Was heute aber auf jeden Fall sicher ist, ist, dass die 20 vorherrschenden Online-Modefirmen, darunter Asos und Zalando, 2013 im Web mehr Mode verkaufen werden als der gesamte niederländische Markt, erklärt Minderhoud und breitet damit die Folie für die ganz unterschiedlichen Blicke in die Zukunft aus.

Der von Mary Huang aus New York ist auf jeden Fall dreidimensional, denn mit ihrem Modelabel Continuum Fashion produziert sie einen Bikini, Schuhe, Accessoires und demnächst auch Kleider, die in einem 3D-Printer »gedruckt« werden. Das Material ist Nylon, der Stoff ein Pulver, wie es auch in der Kosmetikindustrie in Pudern verwendet wird und der Produktionsprozess kommt komplett ohne Schneiderei oder Sweatshop aus.

»Data is the New Black«, sagt Huang und, dass »die Zukunft der Mode nicht im Style, sondern im Herstellungsprozess liegt – und zeigt, wie man durch Programmieren des Printers die Absatzhöhe der Schuhe individuell verändern kann oder per App das Muster auf dem gewünschten Kleid verwandeln.

Ein Paar aus der Schuh-Kollektion trägt sie selbst, sie könnten noch etwas weicher sein, sagt sie, aber natürlich leiden alle Frauen gerne, wenn es um Schuhe geht – und wunderbar futuristisch sehen sie sowieso aus.

In ein Universum, dass von 70 Millionen Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren weltweit bevölkert wird, entführt Chris Seth von Stardoll. In der virtuellen Welt kleiden sie sich ein, spielen Rollenspiele und designen ihre eigenen Modekollektionen, die sie dort auch für StarDollar verkaufen. Manche so erfolgreich wie Mikakatia, die in nur fünf Monaten auf der StarPlaza 1,9 Millionen StarDollar Umsatz gemacht hat. Und längst überschneiden reale und virtuelle Welt sich. Real World Brand wie Miss Sixty bieten ihre Kollektionen auf der StarPlaza an, das Uhrenunternehmen Lorus rief auf Stardoll einen Designwettbewerb aus und die Gewinner-Uhrenmodelle wurden schließlich in einem Londoner Kaufhaus präsentiert. Und auch Stardoll geht in die reale Welt: mit der ursprünglich virtuellen Kollektion Pretty n’Love, die in den USA jetzt bei JC Penny angeboten wird.

Anschließend stellt Katie Mowat ihren großartigen Online-Strick-Shop Grannie Inc. vor, in dem Großmütter die Designs der Kunden stricken – und Regine Harr von der Online-Shopping-Plattform nelou schaut in die Zukunft. Sie beschreibt, wie Modeblogger dem Markenwahnsinn der 90er-Jahre ihre eigene Individualität entgegengesetzt haben und den Wunsch geweckt, einzigartige und originelle Dinge zu tragen anstatt gelabelte Massenware und prophezeit, dass in Zukunft die ganze Welt zum Catwalk wird, dass man auf Vernissagen, Partys oder auf der Straße nach den Outfits der anderen schaut, nach einer besonderen Brosche, Bluse, einem speziellen Style, ihn scannt, identifizieren lässt und sofort bestellen kann.

Fashionporn gab es später von David Kurt Karl Roth, der seinen Dandy Diary mit Outfit-Posts startete und dabei durchaus auch schon mal zwischen Schweinehälften hing, um mit dem Schönheitsdiktat der Modeindustrie zu brechen und einen Porno drehte, den er zur Werbefläche für Modeaccessoires machte – und Adriano Sack, Mit-Begründer der Online Style Community »I Like My Style« und heute auch einer der Executive Editor des »Interview«-Magazin, zeigte wie aus dem Material der Online Community das großartige User Generated Content Print-Magazin »I Like My Style« wurde.

Zur geplanten Diskussion kam es aus Zeitmangel nicht mehr. Aber es war auch so jede Menge gesagt – und die NEXT 2012 zu Ende.


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