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Circular Design im Metaverse

Was hat das Metaversum mit Circular Design zu tun? Designer und Innovationsberater Karel Golta klärt in seiner Kolumne auf.

Karel GoltaBild: klaus heinzler

Ist es nicht immer wieder erstaunlich, wie lange es braucht, bis eine Idee, deren Zeit gekommen ist, sich wirklich richtig manifestiert? In diesem Fall spreche ich vom Metaverse. Ja, genau, richtig gelesen: Metaverse, diesem virtuellen Layer verschmolzen mit der physischen Welt, den wir aus Filmen wie »Bladerunner« und »Tron« (beides aus den 1980er Jahren), den Matrix-Filmen aus den 90er und 2000er Jahren, und so vielem mehr kennen. Das Konzept kannten eigentlich sogar bereits die Chinesen in der Antike. Und gewisse Philosophen behaupten, dass wir schon immer im Metaversum existiert haben. Schlagt ruhig mal »Simulationshypothese« nach …

Das Wort »Metaversum« werdet ihr jedoch nicht im klassischen Wörterbuch finden. Weil es noch nicht definiert ist. Dies zumindest behauptet die »Godmother« des Metaverse Cathy Hackl. »Und es ist auch nicht Facebook!«, so die US-amerikanische Futuristin. Sie beschreibt das Metaverse als eine Art Web 3.0 mit Menschen, Räumen und Gütern. Dezentralisiert und mit der eindeutigen Möglichkeit zu co-kreieren und zu kollaborieren. Also unsere Welt – nur mit gesteigerten Mod-Packs.

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Metaverse Commerce

Der 18-jährige Krypto-Künstler FEWOCiOUS hat im März diesen Jahres 600 von ihm designte, virtuelle Turnschuhe für über drei Millionen Dollar in nur sieben Minuten verkauft. Wozu? Nun, wer möchte schon barfuß und ungestylt im Metaversum wandern? Was in der Steinzeit mit Schmuck aus Muscheln und Tierknochen begonnen hat, wird sich doch wohl auch in virtuellen Zeiten durchsetzen?

Und das ist nur der Anfang. Mehr und mehr Kinder geben ihr Geld eher dafür aus, ihre virtuellen Avatare auszuschmücken, als sich bei Amazon neue Klamotten zu kaufen. Und auch Taschengeld ist endlich und kann nur einmal investiert werden. Selbst wenn den meisten Eltern die Haare zu Berge stehen dürften: Könnte der Umstand, dass Kinder zuerst ihre Protagonisten in Fortnite mit neuen Skins und Fähigkeiten ausstatten, als ihre Zimmer mit realen Gütern vollzustopfen, die Welt retten?

Was, wenn wir es schaffen könnten, unser Bedürfnis nach immer Neuem ins virtuelle Reich zu verlagern? Auf Fast-Fashion, Möbel und andere ressourcen-intensive Güter müsste nicht verzichtet werden. Getreu Pippi Langstrumpf: Ich mach mir das Metaversum, wie es mir gefällt. Dazu gehört auch das Erlebnis, darin zu wohnen und es mit anderen zu teilen. Mit dem Vorteil, dass diese »Güter« nicht per Containerschiff um die ganze Welt transportiert werden müssen, nur um am Ende doch unserer kapitalistischen Linearität zum Opfer zu fallen.

Das bedeutet: Keine Abnutzung, keine damit eingehende Entwertung und auch kein Mangel an Holz, Autos oder Chips. Das Metaversum entkoppelt die Endlichkeit unserer planetaren Materialität vom Drang des sesshaften Menschen immer mehr besitzen zu wollen. Bleibt nur der enorme Energiebedarf zum Betreiben der Server und aller Zugangsgeräte. Doch zumindest in der Theorie ist Energie durch die Sonne unendlich vorhanden und somit der zukünftige Betrieb einer phygitalen Welt möglich.

Utopie? Nicht wirklich. Clinique hat schon NFT basierte Kosmetik für das Metaversum entwickelt. Upland.me verkauft virtuelles Land gegen harte Währung. Und die coolsten Musik-Acts kann man schon länger ganz nachhaltig und trotzdem live auf Gaming-Plattformen erleben.

Das Metaversum als ultimatives Circular Design?

Somit wäre ein Axiom des Circular Design mittels Upstream Innovation erfüllt. Denn das verlangt, dass wir uns zuerst mit den Ursachen möglicher Emissionen und entstehenden Abfalls beschäftigen. Also zum Beispiel zuerst hinterfragen, ob es das physische Produkt so überhaupt braucht oder für ein Bedürfnis oder Problem eine völlige andere nachhaltig kreislauffähige Lösung möglich ist. Das Metaversum und dessen Design verhindern maximal das Entstehen von irdischem Abfall.

Doch leider umfasst das Metaversum zum einen nicht nur die virtuelle Welt und zum anderen leben wir voraussichtlich noch länger in Abhängigkeit von Nahrung, Medizin, Kleidung oder AR-Kontaktlinsen. Wie groß ist somit das zukünftige Potenzial für Design?

Das Metaversum braucht Blockchain und NFT, um zu florieren. Genau da besteht eine weitere Chance für Circular Design in der materiellen Welt: Schon heute generieren wir gigantische Datenmengen über Materialien und deren Reise durch die Wertschöpfungskette. Doch wie könnte ein weiteres Axiom des Circular Design, Downstream Innovation – also Produkte kontinuierlich in Nutzung zu halten und Materialien zirkulieren zu lassen – mittels dieses enormen Datenfundus erreicht werden?

Wenn wir es schaffen, all diese Daten im Metaversum für alle sicher und nachvollziehbar nutzbar zu machen, entsteht das gigantische Potenzial, auch hoch komplexe und vielteilige Produktesysteme (ob Auto, Flugzeug oder Druckmaschine) nachhaltig und im Sinne der Circular Economy zu loopen. Wenn wirklich alles, was physisch ist – und ich meine explizit jede produzierte Schraube – auch virtuell für jeden Designer transparent, überall und jederzeit verfügbar ist, dann besteht die Möglichkeit, dass Designer mittels KI spielerisch virtuell völlig neue und systemische Lösungen aufzeigen können. Lösungen die zuerst mal nicht begrenzt durch nationalistische Politik und bürokratische Regularien sind. Noch hängen die physischen Hürden und die Komplexität der Zirkularität wie Bretter vor unseren Köpfen. Also lasst uns frei nach Buckminster Fuller eine neue Welt erschaffen, die, wenn sie Sinn ergibt, die alte überflüssig machen kann.

Mit dem Metaversum zu einer faireren Welt

Seid ihr gespannt, wie das Metaversum auch das Regenerieren von natürlichen Systemen unterstützen kann? Denn damit wären wir dann bei der Königsdisziplin der Circular Economy.

Der Klimawandel und der Kreislauf von Materialien betreffen alle Erdenbürger:innen. Das Bittere: Betroffen sind vor allem diejenigen hart, die kaum negativ dazu beitragen. Gleichzeitig sind aber genau diese Menschen der Schlüssel für nachhaltige Landwirtschaft, den Erhalt von Biodiversität und den Umgang mit Ressourcen. Denn die Geschichte von Volkswirtschaften hat gezeigt, dass ab einem gewissen Wohlstand, die Menschen sich auch um ihre Umwelt kümmern. Und für unser aller Zukunft heißt es: Wenn Entwicklungsländer zu uns aufschließen, müssen sie es besser machen als wir.

Über eine Milliarde Menschen haben keine anerkannte Form von Identität. Obwohl unbestreitbare Bewohner des blauen Planeten, sind sie für die globale Welt nicht existent. Sie dürfen beziehungsweise können weder Land kaufen noch ein Geschäft eröffnen. Wie bitte soll so ein Aufstieg in ein besseres und vor allem nachhaltigeres Leben möglich sein?

Im Metaversum könnte jeder Mensch über Distributed-Ledger-Technologie eine eindeutige Identität erlangen. Unabhängig von politischen Strukturen. Dezentralisiert und doch global plötzlich vereint, können sich neue Communities entwickeln und die Demokratie kann erstarken. Vielleicht hätte sogar das Revival der Almende eine wirkliche Chance. Umverteilung von Ressourcen, Neues erlernen und die gegenseitige Fürsorge müssten keine Grenzen kennen.

Ja, es mag absurd klingen, das Metaversum Menschen anzudienen, die kaum das Nötigste zum Überleben haben. Doch wer war schon mal in einem Flüchtlingscamp auf Lesbos oder in Syrien? Wer kennt die Herausforderungen im ländlichen Indien? Identität, Gemeinschaft und Umverteilung können dazu führen, dass Menschen nicht mehr nur ums Überleben kämpfen müssen, sondern sich um den Planeten sorgen wollen.

Schimpft mich blauäugig oder auch verträumt romantisch. Doch was, wenn Cathy Hackl Recht hat und wir im Metaverse alle zu Weltenbauern werden? Eine Welt, die dem Zeitalter der materiellen und datengetriebenen Ausbeutung ein Ende setzt.

Der Autor:
Karel Golta ist Founder und CEO der Hamburger Designagentur Indeed Innovation. Er tritt außerdem als Sprecher und Experte für Innovation im Digitalen Zeitalter auf.

Mehr zum Thema:
Circular Design: Prozess und Projekte – Das Fortschrittsdenken kommt an seine Grenzen. Zeit für eine neue Art, die Welt zu denken – und zu gestalten. Und hier geht es zum ersten Teil von Karel Goltas Kolumne: Design for Circularity!

Dieser Beitrag ist erstmals am 15.12.2021 erschienen.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Karel,

    für mich ist das ein sehr interessanter Artikel. Mir ist dabei bewusst, dass wir mit all dem noch so was von am Anfang stehen. Aber ich sehe das Ganze als einen weiteren Beitrag zur philosophischen Überlegung, wie ein Metaversum entstehen, und vor allem nützlich sein kann. Und gerade den Punkt, dass die menschliche Gier nach Besitz sich hier in etwas weitaus Harmloseres, da Ressourcenschonenderes verwandeln kann, teile ich. Das ist ein ähnlicher Effekt, wie man sich als Bitcoiner 10 mal überlegt, ob man die ein oder andere Neuanschaffung wirklich benötigt oder den Wert seiner Arbeit nicht lieber speichert. Interessante Ansätze. Einzig bei der Utopie mit den Flüchtlingen würde ich eine andere Meinung vertreten, aber sei`s drum.

    Es grüßt der Markus

  2. Leider ganz schlimmer Artikel und wie immer in diesem Meta-bla an der Realität vorbei: “Wenn alle an die Matrix angeschlossen sind, dann machen die Menschen keine Probleme mehr”.
    In Bezug auf übermässigem Konsum sind es die Medien und das Metaverse, dass jeden Konsum hochjazzt. Hier wird der Bock zu Gärtner gemacht und ja das ist auch irgendwie circular. Nur möchte ich nicht da drinn sein. Und den Kindern das Taschengeld aus der Tasche ziehen ist ja wohl unterirdisch.

  3. Hallo Karel,
    ich habe tatsächlich Geld übrig und Zeit. Aber ich bin nicht an Buzzwords interessiert. Dass Gemeinschaft und Dazugehören für den Menschen ein wichtiger Faktor sind, bezweifle ich nicht. Ich bezweifle allerdings, dass NFTs oder Bitcoin irgendwie dem Ganzen helfen.

    Ich glaube dir gern, dass du es gut meinst. Aber der gesamte Artikel besteht einfach nur aus einem Buzzword nach dem Anderen. Wie NFTs und die Blockchain sich in ein Modell von Circular Design einfinden, hast du nicht erklärt. Wir könnten, mit erheblichen Kosten für die Umwelt, jede Schraube katalogisieren. Okay, aber dann? Dir ist bewusst, dass man Schrauben nicht einfach aus dem Internet runterladen kann, oder?

    Und jeder Mensch hat bereits eine Identität, auch ohne Blockchain.
    Die Vorteile rund um ein dezentrales Geldsystem ohne Banken sind verständlich, jedoch steuern wir auf eine sehr zentralisierte Version davon zu – dank solchen Buzzwords wie das Metaverse.

    Im Endeffekt gibt es in ihrem Artikel keinen einzigen konkreten Beispiel, wie das Metaverse der Umwelt oder den Menschen helfen könnte. Es sind nur Beispiele da, wie man neue Technologie kostspielig nutzt. Schrauben mit NFTs zu katalogisieren, oder virtuelle Turnschuhe (die zudem künstlich veknappt sind) herzustellen, hat nichts mit Circular Design zu tun. Das weißt du sehr genau. Aber natürlich lässt sich eine neue Technologie an große Firmen besser verkaufen, wenn man sie hypt.

  4. Lieber Robin, viele Dank, dass du meinen Artikel gelesen hast! Du hast vielleicht noch nicht genug gelesen. Schau mal hier:
    https://www.unhcr.org/innovation/connectivity-for-everyone/
    Ja, da wird noch nicht aufs Metaversum eingegangen (Artikel ist aus 2016) aber das Zitat von Nicholas Kourtzis, Connectivity for Refugees Coordinator for Greece: “Can you undo smart phones? Can you undo computers? Can you undo the Internet? The world is moving in that direction. The challenge for us as the humanitarian sector, and UNHCR as its leader, is to actually lead this, not be dragged by it.” Er erzählt ganz viel darüber wie wichtig das “Dazugehören” und mehr für die Camp-Bewohnerinnen ist.
    Wenn du mir dann noch ein bisschen Geld anstatt B***s*** gibst, dann “verkaufe” ich dir auch gerne noch ein paar Bücher zum Thema. Aber so dumm wirst du ja nicht sein, oder?

  5. Lange nicht mehr so einen Bullshit gelesen. Laut zu proklamieren das Metaverse und NFTs würden Geflüchteten in Camps helfen ist mindestens dumm. Blockchain und NFTs sollen gegen dem Klimawandel helfen? Was will der Autor uns hier verkaufen?

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