Baldauf in Meissen

Auf höchst ungewöhnliche Weise hat Fotograf Joachim Baldauf Meissner Porzellan in einer Reihe von Fotos inszeniert, die noch bis 31. Oktober in einer Ausstellung an einem ebenso malerischen wie geschichtsträchtigen Ort zu sehen sind: der Albrechtsburg Meissen.



 

Auf höchst ungewöhnliche Weise hat Fotograf Joachim Baldauf Meissner Porzellan in einer Reihe von Fotos inszeniert, die noch bis 31. Oktober in einer Ausstellung an einem ebenso malerischen wie geschichtsträchtigen Ort zu sehen sind: der Albrechtsburg Meissen.

 

Es ist keine Kleinigkeit, 300jähriges Firmenjubiläum zu feiern. Die Porzellan-Manufaktur Meissen kann sich rühmen, das »weiße Gold« in Europa eingeführt und einst Könige, Kaiser und Päpste zu seinen Kunden gezählt zu haben. Heute gilt es, eine große Tradition zu bewahren – aber auch zeitgemäß aufzutreten. So beauftragte das Unternehmen anläßlich des Jubiläums einen der bekanntesten deutschen Mode- und Lifestylefotografen mit einer Fotoserie, die ein ganz neues Licht auf die Marke wirft. Die Ausstellung »Meissen Macht Ikonen« wird nun in der Albrechtsburg Meissen präsentiert, wo sich August der Starke vom Erfinder des europäischen Porzellans Johann Friedrich Böttger erstmals das Geheimnis der Porzellanherstellung zeigen ließ. Das Bild oben heisst übrigens »Unvorgreifliche Gedanken, 17. November 1709« und bezieht sich auf einen Bericht mit dem Titel »Unvorgreifliche Gedanken über meine theils denen Ausländern nachgeahmte theils durch mich selbst erfundene Manufacturen«, den Böttger 1709 einer von August dem Starken einberufenen Kommission vorlegte. Die Frau mit der Porzellanhaut auf dem Foto lässt an den Kuss einer Muse denken, der dafür die Eingabung war. Wir stellten Joachim Baldauf einige Fragen zum Projekt. 

 

 

Was war Ihr Grundgedanke bei der Konzeption der Bilderserie »Meissen Macht Ikonen«?

Der Grundgedanke meiner Fotografien für Meissen war zunächst die Frage, wie es möglich ist, ikonische Motive zu schaffen, die auch Vergangenheit und Gegenwart in ein einziges Bild verdichten können. Auch war es mir wichtig, mit den teilweise geschichtsträchtigen Porzellanen so umzugehen, dass ihre Darstellung etwas überraschendes, ja, auch in Fachkreisen noch nicht Gesehenes besitzt.

 

 

Jedes der 31 Motive ist extrem durchdacht und steckt voller historischer Bezüge. Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen? Was gab es für Quellen und Vorlagen?

Zunächst wurde mir die Meissner Porzellan-Manufaktur in einem ausführlichen Rundgang gezeigt und die Geschichte des Hauses erläutert. In den Wochen danach begab ich mich auf Erkundungsreise in und um die Stadt Meißen, parallel habe ich mich von der Geschichten und der Legendenwelt Sachsens inspirieren lassen. Bei der Recherche zu den einzelnen Porzellanen stand mir die Kunsthistorikerin Claudia Seidel zu Seite, die auch die Ausstellung auf der Albrechtsburg betreut und den Katalogtext verfasst hat. Eine Arbeit in diesem Ausmaß erfordert ein gutes Team, viel Geduld und einen langen Atem.

 

 

Auf welche Weise verbinden sich Tradition und Moderne in Ihren Bildern?

Tradition und Moderne verbinden sich auf experimentelle und spielerische Art, ohne wesentliche Konstanten auszublenden. Für mich war es wichtig, Tradition als etwas Lebendiges anzunehmen, etwas, das auch mitten ins Leben gehört und der Faktor Tradition bedeutete für mich auch eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit dem Porzellan. Deswegen sind die Motive auch nicht im Studio als Stills entstanden, sondern mit Menschen in der Natur oder in Verbindung mit Architektur aus unterschiedlichen Zeiten.

 

 An welchen Locations sind die Bilder entstanden und mit was für Models haben Sie gearbeitet?

Alle Motive sind in und um die Stadt Meißen entstanden, in der atemberaubenden Landschaft des Elbtals sowie in den Wäldern und an den Seen. Auf der Albrechtsburg, im Dom, aber auch in einer Plattenbausiedlung der 1970er Jahre. Die Models sind Veza Wollenberg, Ned Shatzer, Asimakis Alfa Pagidas und Maurice Emmerich. Models, mit denen ich auch schon andere Projekte verwirklichen konnte. Dazu noch junge Menschen aus Meißen, die ich auf der Strasse angesprochen habe, und Axel Schwemmer, ein Tänzer aus Leipzig. Asimakis Alfa Pagidas, der Schauspieler und Filmemacher, ist dabei der wohl markanteste Kopf der ganzen Serie.

 

Was bedeutet für Sie die Marke Meissen nach diesem Projekt?

Die sehr intensive Arbeit an diesem Projekt hat mein Interesse an der Marke verstärkt sowie meine eigene Sichtweise auf Porzellan und die damit über die Jahrhunderte hinweg geführte Gestaltung vertieft. Und es ist natürlich spannend zu beobachten, wie sich eine derartig traditionelle Manufaktur auf den Weg in die Zukunft macht.

Das Erbstück 2009/2010

(Die weiße Beilegschale war ein Stück aus dem über 2200 Teile umfassenden Schwanenservice des Grafen Brühl aus dem Jahr 1737)



Neuzeit, 2009/2010

(Das erstmals 1732 modellierte Nashorn wurde zum 300jährigen Bestehen der Manufaktur in die Jubiläumskollektion aufgenommen)

Kabale, 2009/2010

(Erotisch angehauchte Schäferszenen gehörten im Rokoko zu den klassischen Motiven des Meissner Porzellans – hier umgesetzt in aktueller Bergbauszenerie) 


Ninette, 2009/2010

(Eine Liebeserklärung an das Porzellan fürs Leben…)



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