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Serifenlose Sukoon: Gleichgewicht statt Kraft

Die Ästhetik von Ruhe und Klarheit vermittel Sukoon, eine neue Schrift des Künstlers, Typedesigners, Software-Entwicklers und Font-Engineers Yanone.

In einer abgelegenen Waldhütte erlebte der multidisziplinäre Künstler Yanone, mit bürgerlichem Namen Jan Gerner, einen Zustand tiefer Entspannung und geistiger Klarheit, ein nahezu heiliger Moment, in dem er einen Buchstaben zeichnete. Es war keine fertige Idee und erst recht kein fertiges Alphabet – sondern eine Empfindung, die im Verlauf der nächsten zehn Jahre (!) zu einer besonderen Schrift wachsen sollte. Jetzt ist die Schrift fertig und bei der Berliner Foundry Fontwerk erschienen.

Die Familie heißt Sukoon, ein Wort, das im Arabischen, Persischen, Türkischen und Urdu Stille, Klarheit, Ruhe und Inneren Frieden bedeutet. In Südostasien steht der Name für den Brotfruchtbaum, der wiederum als Symbol für Genügsamkeit, Dankbarkeit, die tiefe Verbundenheit mit der Natur und den Zusammenhalt der Gemeinschaften gilt.

Sukoon lässt sich als eine dynamische, beziehungsweise humanistische Serifenlose charakterisieren. Dank der im Vergleich zu statischen und geometrischen Grotesk-Schriften offeneren und deutlich voneinander unterscheidbareren Buchstabenformen (etwa doppelstöckiges g) und der leicht nach links geneigten Achse der Rundungen (zum Beispiel im o) gilt der Stil als der leserlichste im Sans-Serif-Genre und gewinnt damit gerade im Hinblick auf die steigenden Forderungen nach Barrierefreiheit an Bedeutung.

Trotzdem ist Sukoon keine typische dynamische Serifenlose. Die Buchstaben M, g, y und j stechen aus dem Standard-Formenkanon dieser Schriftklasse heraus, aber auch die leicht tiefhängende Taille und das unterschiedliche Verhältnis von großer Ober- und kleiner Unterlänge stellen Besonderheiten dar – Zutaten, die Yanone aus dem Konzept der Stille zog und die entscheidend für die ruhige und klare Wirkung der Schrift sind. 

Das heimliche Highlight der Schrift ist jedoch ihr Sprachausbau. Über 400 lateinische, arabische, kyrillische und griechische Sprachen sind enthalten, wobei bereits der Name einen Schwerpunkt auf den arabischen Teil erahnen lässt. Nach FF DIN Arabic (mit Albert-Jan Pool) und FF Amman Sans/Serif ist die Sukoon bereits die dritte arabische Schrift Yanones – und seine persönlich wichtigste.

Sukoon Arabic wartet mit einigen gestalterischen und technischen Innovationen auf, etwa dem großen Strichstärkenumfang von Thin bis ExtraBlack, der im Arabischen noch immer außergewöhnlich ist. Weitere Features wie Swashes, kurvige Kashida-Verbindungen oder einzeln zuschaltbare Ligaturen der traditionellen Naskh-Kalligrafie entfalten nach und nach ihre Magie, je mehr man sich mit der Schrift auseinandersetzt. Sie sind im Schriftmuster-PDF und auf kashida.fyi genauer erläutert.

 

Aber auch der lateinische Teil lebt von einer selten gewordenen Freundlichkeit, Leichtigkeit und nicht zuletzt Leserlichkeit. Sukoon ist keine laute Schrift, sie behauptet sich nicht durch Kraft, sondern durch Gleichgewicht. Sie nimmt Raum, ohne ihn zu füllen. Sie spricht, ohne zu drängen.

Einzelschnitte der Sukoon gibt es für rund 70 Euro, die komplette lateinische Familie mit zehn Schnitten plus Variable Font gibt es für 360 Euro bei Fontwerk. Wer sie erstmal ausprobieren möchte kann Trial Fonts herunterladen.

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