Warum man Kunst und Kultur vor Ort und nicht in seinem Feed konsumieren sollte, das zeigt diese tolle Kampagne der Stockholmer Kreativagentur Save Our Souls.

Lange hieß es bei Magazinen, eine Fotografie ist wirklich gut, wenn sie auch in der Größe einer Briefmarke funktioniert.
Heute weiß man, dass das Quatsch ist. Richtiger Quatsch sogar. Das wurde schmerzlich klar, seit wir uns einen Großteil der Fotografie im Format eines Social-Media-Feeds anschauen. In zum Alltag gewordener Briefmarkengröße.
Da ist es kein Wunder, dass das Bedürfnis, die Welt analog zu genießen, wächst. Gerade auch unter Digital Natives, die sich darauf besinnen, wie schön es ist, seinen Blick auf einem Bild wandern zu lassen, sich auf verschiedene Ausschnitte zu konzentrieren, zurücktreten zu können oder sich darin zu verlieren.
Von diesem Genuss erzählt die Kampagne für das Fotografiska, das private schwedische Fotokunst-Museum mit Dependancen in Stockholm, New York City, Tallinn, Shanghai und Berlin, wo es im ehemaligen Tacheles untergebracht ist.

Kunst gibt es nicht im Feed
Entwickelt hat die Kampagne die Stockholmer Kreativagentur Save Our Souls, die sie ein kulturelles Statement nennt, das eine Diskussion über das Betrachten von Kunst selbst anregen soll.
Dafür hat Save Our Souls Fotografien des legendären Elliott Erwitt (1938-2023) in der Größe abgebildet, wie man sie in einem Social-Media-Feed sieht. Ober eben nicht sieht. Zumindest nicht viel.
Das haben die Kreativen in das Fotografiska-Blau getaucht – und auf den Punkt gebracht!
Man erlebt auf der Straße, wo die Kampagne auf mehr als 2.500 Plakatwänden zu sehen ist, was die Reduktion der Fotografie auf Social-Media-Größe bedeutet.
Gleichzeitig untermalt sie visuell, was Studien längst gezeigt haben: Dass analog betrachtete Kunst für ein tieferes Verständnis sorgt und zudem das Gehirn stärker stimuliert.
»Fotografie verdient mehr als Ihren Feed« heißt es dazu.

Reality Is The New Black
Gleichzeitig macht die Kreativagentur Save Our Souls darauf aufmerksam, dass allein in Schweden die Menschen durchschnittlich fast sieben Stunden an ihren Screens verbringen. 69 Prozent greifen direkt nach dem Aufwachen nach ihrem Handy und 44 Prozent bleiben länger als geplant wach, weil sie sich beim Scrollen verlieren.
Auch deswegen zeigen Daten, dass die Suche nach Rat und Tools, um weniger Zeit am Screen zu verbringen, in den letzten Jahren um 19 Prozent gestiegen sind.
Neben den mehr als 2.500 stark frequentierten Orten in Stockholm, an denen die Kampagne zu sehen ist, wird sie auch digital ausgespielt und ist dabei so animiert, dass sie zeigt, wie schnell Bilder beim Scrollen an uns vorbeiziehen.
Darüber hinaus bietet das Fotografiska Handytaschen zum Ausleihen, die das Signal verhindert und so für Screen-freie Zeit sorgt und zudem ist gemeinsam mit dem Künstler Jesper Waldersten das T-Shirt »Reality Is The New Black« entstanden und auch auf den Uniformen der Fotografiska-Mitarbeiter:innen ist die Kampagne zu sehen.
Neben der Aufmerksamkeit, die die Kampagne für Fotografiska selbst generieren möchte, wollen die Kreativen den Wert der Kultur jenseits von Algorithmen und Feeds unterstreichen. Und, wie schön es für den Einzelnen und für die Gesellschaft selbst ist, Kunst und Kultur physisch und vor Ort zu erleben.
