Die Rolle des Gestalters im Innovationsprozess

Ab sofort im Handel: PAGE 05.2015



Editorial: Starthilfe

Dass sich die Welt verändert, steht außer Frage. Dass sich damit die Aufgabe des Designers wandelt, ebenso. Wie sie sich verändert, das ist das Spannende. Und da kommt Peter Glasers Frage »Warum schafft es eigentlich kein Automobil-Sounddesigner, einen Motor zu bauen, der wie eine Katze schnurrt?« gerade recht. Auf Facebook folgte ein einziger Lobgesang auf die Automobilindustrie – »Porsche«, »Jaguar«, »750i«, »911«, »BMW« – bis Stefan Höltgen intervenierte: »Das liegt nicht an den Motoren, sondern am hierzulande ja immer noch katzenlosen Treibstoff.« Ein Zeitungsausriss mit süßem Kätzchen und der Schlagzeile »Deutscher Erfinder kann aus Katzen Benzin machen« tat ein Übriges. Und Peter Glaser? Er konterte: »Von wegen« – und setzte mit der altbekannten Esso-Anzeige aus dem Jahr 1965 »Pack den Tiger in den Tank!« noch mal einen drauf.

Auch dass die vom Aussterben bedrohte Großkatze noch immer als Werbefigur für ein Mineralölunternehmen herhalten muss, entbehrt einer gewissen Ironie nicht: Plakativer könnten die Markenverantwortlichen wohl kaum das Ende einer Ära vor Augen führen. Nun ja, es ist höchste Zeit, dass ein zukunftsgewandter Geist das Steuer übernimmt. Schon heute, so Larry Burns, einst Vice President bei General Motors, komme eine Kleinstadt dank intelligenter Mobilitätskonzepte wie GPS und Carsharing mit 80 Prozent weniger Autos aus. Und von den verbleibenden 20 Prozent werden mehr und mehr mit erneuerbarem Strom fahren – zu Grenzkosten nahe Null. Da reicht es auch im Marketing nicht mehr aus, mit Design lediglich einen Unterschied auf sym bolischer Ebene zu erzeugen und höhere Gewinnspannen zu rechtfertigen.

Angesichts der totalen Vernetzung und Transparenz müssen wir uns von alten Denkmustern verabschieden. Von dem, was wir uns mühsam angeeignet haben, mit dem wir uns einen Ruf erarbeitet haben und Geld verdienen. Aber auch der hehre Ansatz, mit Design die Probleme von heute lösen zu wollen, führt in die Sackgasse. Die Realität ist nun mal kompliziert, und es ist utopisch zu glauben, dass sie durch Design einfacher würde. Stellen wir uns also der Frage, wie wir mit Komplexität umgehen und diese gestalten können. Vielleicht ja mit zugkräftigen Services und User Interfaces für Connected Open-Source-Cars, die schnurren wie ein Kätzchen. – Die neue Rolle des Gestalters und neue, an den Fragestellungen der Zukunft orientierte Qualifizierungsangebote für Kreative, dem widmen wir uns in PAGE 05.2015.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher




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