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Skills teilen auf YouTube, Patreon und Co

Workshops, Talks, Onlinekurse – das eigene Wissen weiterzugeben macht Freude und kann zu einer neuen Einkommensquelle werden: Wir sagen, wann es sich lohnt Vorträge und Masterclasses zu geben und geben Tipps für den Einstieg!

Rote grafische Sonne mit Strahlen auf weißem Hintergrund. Davor ist zu lesen "Share Your Skills!"

Wir alle sind darauf angewiesen, von anderen zu lernen. Deshalb besuchen wir Kreativkonferen­zen, buchen Onlinekurse und nehmen an Seminaren teil. Aber habt ihr schon mal darüber nachgedacht, selbst euer Wissen weiterzugeben? Auch vor größerem Publikum? Die Möglichkeiten dafür waren nie so vielfältig wie heute!

Vor allem das Angebot an digitalen Lern­in­halten hat seit der Corona-Pandemie enorm zu­genommen. Egal ob kurze Snippets auf Instagram, ausführliche Tutorials auf YouTube, pro­fes­sionelle Webinare oder Onlinekurse auf Lern­plattformen: Kreative teilen ihr Know-how in zahlreichen Formen und auf den unterschied­lichsten Ka­nälen. Gar nicht so selten ergibt sich dadurch eine solide neue Einnahmequelle. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich das Skill Sharing lohnt.

Warum Wissen teilen?

Ganz einfach: Vorträge auf Kreativkonferenzen oder (Online-)Kurse sind ein unschlagbares Selfmarketing- und Networking-Tool. Man positioniert sich als Expertin oder Experte in diesem Bereich und bleibt sowohl Auftraggeber:innen als auch anderen Kreativen im Gedächtnis. Dazu kommt, dass einen das Konzipieren eines Vortrags oder Kurses dazu zwingt, das eigene Können und seinen Prozess zu reflektieren. Und es entfacht Ehrgeiz: »Wenn man anderen etwas beibringt, verkleinert man den Abstand zwischen ihnen und sich selbst. Das pusht einen, immer besser zu werden und sich nicht auf seinem Können auszuruhen«, sagt Stefan Kunz, Lettering Artist aus Zürich, der über die Plattform Teachable Masterclas­ses zu den Themen Typografie und Handlettering an­bietet.

Ganz abgesehen davon, dass es einfach ein tolles Gefühl ist, Menschen etwas beizubringen. »Andere darin zu unterstützen, kreativ zu sein – und dann zu sehen, wie sie damit erfolgreich sind und sich weiterentwickeln, ist total bereichernd«, so Stefan Kunz. Vor allem Vorträge und Talks auf Branchenevents ge­ben einem außerdem die Möglichkeit, Themen zu setzen und Aspekte der eigenen Arbeit zu vermitteln, die einem wichtig sind – sagt zum Beispiel Lettering-Expertin Chris Campe.

Teilnehmende aus dem Kurs von Birgit Palma sitzen mit Laptop und Zeichentabletts um einen Tisch herum und arbeiten mit einem Grafikprogramm.

Wo und wie anfangen?

Auf Instagram oder YouTube kann im Grunde jede oder jeder einfach mit einem eigenen Tutorial los­legen. Vorher soll­te man sich aber natürlich darüber im Kla­ren sein, was genau man teilen will und wie man es am besten rüberbringt. Hier hilft zum Beispiel, zu recherchieren, was gerade im Trend liegt, oder zu überlegen, welche Fragen einem vielleicht zu den eigenen Arbeiten gestellt wurden (»Welchen Stift hast du da benutzt? Wie hast du diesen Effekt hingekriegt?«). Und natürlich sich einen Überblick zu verschaffen, welche Lehrformate andere anbieten. Wobei man sich von der schieren Masse an Online-Lerninhalten nicht abschrecken lassen darf. »Auch wenn bereits Kurse zu deinen Themen exis­tieren: Es gibt immer Raum für neue Stimmen!«, ermutigt Brand-Designerin Liz Mosley, die unter anderem Sessions bei Adobe Live sowie einen eigenen Branding-Kurs anbietet.

Lernplattformen wie Dome­s­tika und Skill­share haben kla­re Vorgaben für die Kursgestaltung, bieten aber auch Unterstützung, wenn es an die Konzeption und Um­set­zung geht. Den Ar­beitsaufwand sollte man allerdings nicht unterschätzen, sagt Illustratorin Birgit Palma (siehe weiter unten). Und nicht erwarten, damit reich zu werden. Neben einer Einmalzahlung erhält man einen Prozentsatz von jedem verkauften Kurs. In den meisten Fällen braucht es viele Anmeldungen, bis sich das Engagement finanziell auszahlt – vor allem, da etwa bei Domestika Dauer-Sale herrscht und Kurse oft nur 9,99 Euro kosten. Die Vorteile sieht Birgit Palma deshalb vor allem darin, dass sie dabei viel über die Konzeption von Workshops gelernt und sich eben als Expertin positioniert hat. Bei beiden Anbietern kann man sich auf der Website mit Proposals bewerben. Domestika, ursprünglich vor al­lem stark im spanischsprachigen Raum, fragte zuletzt auch gezielt Kreative in Deutschland direkt an.

Daneben gibt es weitere Anbieter, wie Udemy oder LinkedIn Learning. Je nachdem, welchen Content ihr im Sinn habt, bieten sich manche Plattformen mehr, an­dere weniger an. So sind Domestika und Skillshare vor allem für kreative Hands-on-Workshops bekannt, Udemy ist im Bereich Coding stark und LinkedIn bei Bu­sinessthemen. Ein anderer möglicher Kanal ist die Mem­bership-Plattform Patreon, über die man seiner Commu­nity nicht nur (digitale) Produkte anbieten kann, sondern auch Tutorials und Onlinekurse – so wie 3D De­signer Nick Medukha, für den diese Art der Content Creation mittlerweile die Haupteinnahmequelle ist (sie­­he rechts oben). Dabei muss man allerdings beachten, dass Patreon ein Abomodell ist und man entsprechend regelmäßig neuen Content posten sollte.

Vorträge geben: Traut euch!

Und was Vorträge angeht: Probiert es aus! Am bes­ten fangt ihr bei kleineren Events wie Meetups, Barcamps oder Talk-Abenden in Agenturen oder Cowor­king-Spa­ces an. Sobald ihr euch fit für größere Bühnen fühlt, fragt bei Veranstaltern nach, ob Bedarf an Beiträgen aus eurem Themengebiet besteht und was die Anforderungen sind. Ganz wichtig: Vorträge zur reinen Eigenwerbung will niemand hören. Achtet auf persönliche Einbli­cke oder überraschende Perspektiven und fragt euch, was das Publikum aus eurem Talk mitnehmen soll.

Auch hier sind keine hohen Honorare zu erwarten – die meisten Events bezahlen, je nach Größe, »nur« Reisekosten und Verpflegung. Dafür gibt es unmittelbares Feedback vom Publikum, und ihr könnt im Anschluss Kontakte knüpfen – ganz zu schweigen vom Adrena­linschub, den man auf der Bühne bekommt.

Also gebt euch einen Ruck! Je mehr unterschiedli­che Stimmen und Themen zu hören und zu sehen sind, desto besser. Als kleine Inspiration stellen wir euch hier einige Kreative vor, die ihr Wissen online und in Person weitergeben und uns ein paar wertvolle Tipps verraten haben.

Skills teilen: Die besten Tipps von Kreativen

»Ich will Kreative motivieren, Neues auszuprobieren«

Birgit Palma, Illustratorin und Lettering Artist, Barcelona 

  • Plattformen: Domestika, Kreativkonfe­renzen wie Forward Festival, Adobe Live, Designhochschulen
Skillsharing: Foto von Birgit Palma auf einem roten Sofa für die Lernplattform Domestika
Lettering Artist Birgit Palma hat einen Kurs bei Domestika, gibt Workshops in Unternehmen und in Hochschulen und spricht auf Kreativ­konferenzen wie dem Forward Festival

Ihren ersten Gig vor größerem Publikum hatte Illustratorin Birgit Palma 2017 auf dem Forward Festival in Wien, wo sie gemeinsam mit Daniel Triendl einen Typo-Workshop gab. Darauf folgten zum einen Anfragen von Unternehmen für interne Workshops, zum anderen wurde Adobe auf die beiden aufmerksam und heuerte sie für Adobe Live an. Seit­dem hat Birgit mehrere Vorträge auf Kreativkonferenzen ge­halten, gibt regelmäßig Workshops und unterrichtet an Hochschulen. »Am Anfang habe ich nur mich selbst und meine Arbeit präsentiert, aber mit der Zeit habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welche Message ich eigentlich rüberbringen möchte. Am wichtigsten ist es mir, Menschen zu motivieren – so wie mich früher Vorträge von weiblichen Vorbildern wie Paula Scher motiviert haben.« Außerdem achte Palma darauf, deutlich zu machen, wie viel Arbeit in ihren Projekten steckt: »Wenn man immer nur das perfekte Endergebnis zeigt, entsteht ein falsches Bild – vor allem bei Be­rufsanfänger:innen.«

Skillsharing: Foto von Birgit Palma während ihres Vortrags auf der Bühne des Forward Festivals

Gleichzeitig gehe es selbstverständlich auch um Eigenwerbung: »Ich habe anfangs unterschätzt, wie gut das funktioniert. Man bleibt den Menschen einfach besser im Gedächtnis, wenn sie einen auf der Bühne gesehen haben. Oft bekomme ich noch Jahre später Aufträge aufgrund eines be­stimmten Talks oder Workshops.« Auf Domestika bietet Birgit den Kurs »Illustrated Digital Lettering« an, den bis heute über 2300 Leute gebucht haben. Sie hat in Spa­nien gute Erfahrungen mit der Lernplattform gemacht: »Die Be­­treuung war sehr intensiv. Sie haben darauf geachtet, dass der Kurs gut aufgebaut und die Inhalte gut recherchiert sind. Dadurch ist es natürlich auch sehr viel Arbeit. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber ich habe dabei unheimlich viel gelernt.« Reich werde man damit nicht, aber als passives Einkommen lohne es sich schon – und für die persönliche Erfahrung sowieso.

Birgits Tipps

  1. Es klappt nicht immer alles. Mal ist man zu nervös, mal vergisst man etwas. Aber mit der Zeit wird man ruhiger und gelassener. Nicht aufgeben!
  2. Wenn man einmal auf einer Kreativkonferenz gesprochen hat, wird man danach oft von anderen Veranstaltungen angefragt – vorausgesetzt, der Inhalt und die Qualität stimmen.
  3. Ein bisschen Schauspielern gehört dazu – vor allem bei Vorträgen. Denk nur an Profis wie Stefan Sagmeister, der genau weiß, wann er eine Pause für Lacher oder Applaus einbauen muss.
  4. Kurse für Plattformen wie Domestika kosten Zeit und Arbeit – aber es lohnt sich, weil man dabei selbst viel lernt.

»Online-Tutorials sind heute meine Haupteinnahmequelle«

Nick Medukha, 3D Designer und Content Creator, Riga

  • Plattformen: YouTube, Patreon, Gumroad
Portrait von Nick Medukha, dem 3D Designer und Content Creator aus Riga
3D Designer Nick Medhuka entwickelt detaillierte Tutorials für die 3D-Software Houdini, die er über seinen Patreon-Kanal anbietet. Auf YouTube sind kürzere Videos und Trailer zu sehen

Nick Medukhas Tutorial-Karriere begann vor an­derthalb Jahren auf YouTube. Damals wollte er vor al­lem die eigene Sichtbarkeit erhöhen: »Ich wollte mit den Videos zeigen, was ich kann, und so Jobs an Land ziehen.« Nick ist Spezialist für die 3D-Software Hou­dini. Auf dem Online-Marktplatz Gumroad verkauft er dazu passende Design-Assets – anfangs eine nette zusätz­liche Einnahmequelle neben seinen Auf­trags­arbei­ten. Nachdem ein paar seiner Reels auf Instagram viral gegangen waren, stieg seine Abonnentenzahl auf YouTube massiv an und Nick entschied sich, es mit ei­nem Account auf der Membership-Plattform Patreon zu versuchen. Und siehe da: Die drei Kanäle pushten sich gegenseitig – mittlerweile hat Nick über 13 000 Abonnent:innen auf YouTube, über 27 700 Followers auf Instagram und mehr als 300 Supporters auf Patreon.

Skillsharing: Screenshot eines Online Tutorials von Nick Medukha

Die Tutorials sind heute seine Haupteinnahmequelle. »Ich habe mich darin verliebt, Dinge zu er­klä­­ren! Es motiviert mich, immer wieder Anwen­dun­­gen zu finden, die noch niemand gezeigt hat. Das ist das Tolle an Houdini: Es gibt viele unterschiedliche Wege, einen Effekt zu kreieren.« Mit seiner Commu­­nity hält er über einen separaten Discord-Channel Kon­takt – das Messaging-System von Patreon eigne sich dafür nicht so gut. Jede Woche filmt Nick Me­du­kha ein neues Tutorial oder ein Break-down eines Effekts. Demnächst will er umfangreichere, komple­xere Kurse anbieten sowie einen Livestream, in dem er Fragen beantwortet. Auf Plattformen wie Skill­share oder Domestika ist er nicht vertreten. »You­Tube bietet mir mehr Reichweite, weil es meinen Con­­tent allen Leuten vorschlägt, die irgendein Interesse an 3D haben«, so der Designer.

Nicks Tipps

  1. Wenn du etwas wirklich durchdringen und für immer im Gedächtnis behalten willst: Mach Tutorials dazu!
  2. Willst du ernsthaft Geld mit Tutorials verdienen, musst du richtig viel Marketing betreiben und regelmäßig auf Social Media dafür trommeln.
  3. Menschen haben unterschiedliche Vorlieben, was Lehrstil, Geschwindigkeit oder Ästhetik der Beispiele angeht. Du wirst dein Publikum finden. Mach einfach die Art von Tutorial, die du selbst gerne anschauen würdest.

Mehr über die Plattformen Patreon und Co. und alternative Einnahmequellen für Kreative erfährst Du hier!

»Menschen lieben es, von anderen Kreativen zu lernen«

Liz Mosley, Brand-Designerin, Cardiff

  • Plattformen: Learn von ThriveCart, Adobe Live, Adobe MAX, eigener Podcast
Porträtfoto von Brand Designerin Liz Mosley
Designerin Liz Mosley ist »Adobe Ambassador« für das Programm Express und gibt unter anderem Videoworkshops in der Reihe Adobe Live. Außerdem bietet sie einen eigenen Onlinekurs zum Thema Branding an

Es begann mit einem einstündigen Virtual Fieldtrip, den die Creative-Mornings-Community seit Beginn der Pandemie als Ersatz für ihre lokalen Treffen veranstaltet. Liz Mosley zeigte dort, wie man eigene animierte GIFs erstellt, nachdem eines von ihr auf Instagram viral gegangen war. »So bin ich auf den Geschmack gekommen, online zu unterrichten«, sagt die Brand-Designerin. Knapp 300 Leute nahmen an ihren Fieldtrip teil. Das motivierte sie, einen kleinen Onlineworkshop daraus zu machen. Danach konzipierte sie größere Formate wie ihren zwölfwöchi­gen digitalen Branding-Kurs für kleine Unternehmen, den sie über die Plattform Learn von ThriveCart hostet.

Ihr anfängliches Hauptanliegen war, ihr Einkom­men zu diversifizieren: »Ich habe zwar während der Pandemie nicht viele Kunden verloren, aber ich woll­te mehr Sicherheit.« Zugleich halfen die Kurse ihr dabei, ihr Profil zu schärfen, ihren eigenen Prozess zu reflektieren und zu verbessern – und sie machen sie sichtbarer für Kunden. Seit Februar 2021 produziert sie zudem den Interview-Podcast »Building Your Brand«, über den Adobe auf sie aufmerksam wurde. Als »Adobe Express Ambassador« hielt sie bereits Talks im Rahmen des Adobe-Live-Formats sowie ei­ne Online-Session bei der Adobe MAX.

Screenshot von Liz Mosleys' Vortrag bei Adobe Live

Mittlerweile nehmen die Produktion und Betreu­ung ihrer Kurse rund 50 Prozent ihrer Arbeitszeit in Anspruch. Auch ins Marketing steckt sie viel Energie: »Instagram ist ein sehr wichtiger Kanal für mich, aber ich versuche, mich nicht allein darauf zu verlassen.« Neben ihrem Podcast – den sie als passion pro­ject bezeichnet – baut sie derzeit ihre Mailingliste aus und experimentiert mit TikTok, wo kürzlich eines ih­rer Videos ein Überraschungshit wurde. Außerdem will sie demnächst einen Kurs für Skillshare produzieren. »Dann muss ich zwar einen Teil der Einnahmen abgeben, aber die Plattform hat ein großes Marketingbudget. Und sie unterstützt einen beim Aufbau und der Erstellung des Kurses«, erklärt Liz.

Liz’ Tipps

  1. Gehe es wie ein Experiment an: Starte klein, risikoarm, ohne große Investitionen und schaue dann, wie es sich entwickelt.
  2. Achte darauf, welche Fragen die Leute stellen – etwa, wenn du deine Arbeit in Social Media postest. Das gibt dir ein Gefühl dafür, was sie interessiert und wo Bedarf für Workshops besteht.
  3. Hab Geduld! Du wirst nicht auf Anhieb viel Geld damit verdienen, sondern musst deine Community langsam und nach­haltig aufbauen.

»Mentoring von Mitarbeitenden ist eine gute Vorbereitung für Webinare«

Daniel Kränz, Director User Experience bei Mutabor, Hamburg

  • Plattform: PAGE Academy
Aufwendiges Set-up mit zwei Laptops und einem externem Bildschirmen Daniel Kränz für die PAGE Academy
UX Director Daniel Kränz gibt in der PAGE Academy ein Webinar zum Thema UX/UI. Dafür hat er sich ein ausgeklügeltes Set-up gebaut

UX Director Daniel Kränz sammelte seine wichtigsten Erfahrungen in der Wissensvermittlung bei der Leitung von Kundenworkshops. Dafür beschäftigte er sich intensiv mit den Methoden und dem Auf­bau von interaktiven Formaten. »Das hat sich dann verselbstständigt«, sagt er. Zuerst gab er Vor-Ort-Tagesseminare beim ADC, dann in unserer PAGE Academy. 2020 stellten wir seinen Kurs »UX/UI Design – Digitale Produkte gestalten« auf eine digitale Webinar-Week um, die seither zwei bis drei Mal pro Jahr stattfindet (siehe Seite 82 f.). »Aus den Erfahrungen und Einblicken in den Arbeitsalltag anderer Kreativer lernt man meiner Meinung nach am meisten«, sagt Daniel. Um Webinare geben zu können, müsse man nicht nur das Thema gut durchdrungen haben, sondern es auch in eigenen Worten erklären können. Dabei helfen dem UX Director auch seine Erfahrun­gen aus der Führung und dem Mentoring von Mit­arbeitenden: »Menschen mit dem Ziel anzuleiten, dass sie etwas irgendwann mindestens genauso gut können wie man selbst, ist eine gute Grundlage für eine Lehrtätigkeit.«

Besonders am Anfang sei die Kursvorbereitung viel Arbeit, sagt Daniel. »Was will ich erzählen? Welche Struktur soll das Webinar haben? Wie baue ich das didaktisch auf? Et cetera.« Steht dieser Grundstock erst einmal, gehe es im Folgenden hauptsächlich um die Instandhaltung: »Sind die Inhalte noch aktuell? Welche neuen Entwicklungen gibt es? Wel­ches Feedback gab es aus dem letzten Kurs?« Bei den Webinaren sei die Interaktion zwar nicht so unkompliziert wie bei Vor-Ort-Seminaren, dafür könnten die Teilnehmenden die einzelnen Sessions aber bes­ser in ihren Arbeitsablauf einplanen – und natürlich von überall aus teilnehmen. Mit seinem Webinar po­sitioniert er sich nicht nur selbst als Experte im Bereich UX/UI – auch sein Arbeitgeber Mutabor profitiert von der Außenwirkung.

Daniels Tipps

  1. Überlege dir eine gute Struktur und mach die Inhalte nachvollziehbar. Ich arbeite gerne mit Key Takeaways am Schluss, um das Wichtigste noch einmal zusammenzufassen.
  2. Splitte Webinare am besten in einen Input- und einen Q & A-Teil, um dein Timing besser im Griff zu haben.
  3. Achte auf ein gutes Technik-Set-up, also die Qualität von Ton und Bild, Hintergrund und Präsentation. Und immer in die Kamera schauen!
  4. Lass die Teilnehmenden zu Wort kommen, höre ihnen zu und geh auf sie ein.
  5. Am besten fragst du vorab den Wissensstand der Angemeldeten ab. So weißt du, wo du sie abholen musst, und kannst sicherstellen, dass alle etwas mitnehmen.

Wie man erfolgreiche Mentoring-Beziehungen aufbaut und vieles mehr: Hier geht es zu unserem Ratgeber Mentoring!

»Ich halte Vorträge, damit mehr Frauen auf der Bühne stehen«

Chris Campe, Designerin, Autorin und Lettering-Expertin, Hamburg

  • Plattformen: eigener Kurs via Zoom und Vimeo, Kreativkonferenzen wie Adobe MAX, Lehraufträge an der HAW Hamburg
Portraitfoto von Chris Campe vor ihrem Hamburger Atelier
Lettering-Expertin Chris Campe gibt ihr Wissen unter anderem in eigenen Onlinekursen weiter – und setzt Themen auf den Bühnen von Kreativkonferenzen (Bild: Polina Alexandra) Bild: Alexandra Polina

Lettering Artist Chris Campe hat sich ihre heu­ti­ge Souveränität auf der Bühne systematisch erar­bei­tet – an­gefangen bei kleineren Pecha-Kucha-Ver­an­staltun­gen über Vorträge an Hochschulen bis hin zu Talks auf großen Kreativkonferenzen wie der TYPO Berlin sowie 2022 bei der Adobe MAX in Los Ange­les. »Ich wollte in der Lage sein, vor Leuten zu sprechen«, berichtet sie. »Das ist nichts, das man entwe­der kann oder nicht kann. Sondern etwas, das man üben muss. Ich bin immer noch aufgeregt, jedes Mal. Aber genau das gibt auch die richtige Energie auf der Bühne.« Dabei geht es Chris nicht vorrangig um Self-Promotion, sondern vor allem darum, Raum einzunehmen und Themen zu setzen: »Es ist wichtig, dass Frauen und queere Menschen auf der Bühne stehen und sprechen.«

Chris bringt in ihre Talks oft autobiografische As­pekte ein, ebenso Themen, die ihr persönlich wichtig sind – »zwei Drittel Lettering und ein Drittel Femi­nismus«. Die Gelegenheit, auf der Adobe MAX über experimentelles Lettering zu sprechen, führt sie auf ein Community-Programm des Konzerns zurück, an dem sie zu Beginn der Pandemie teilgenommen hatte. Es lohnt sich also, die Augen offenzuhalten und sich an Aktionen zu beteiligen – man weiß nie, was daraus noch werden kann.

Skillsharing: Foto von einer Handletteringarbeit von Chris Campe, auf dem sie mehrere Pinsel ausprobiertBild: Chris Campe, Hamburg

Auch im (Online-)Kurs-Business kennt sich Chris aus. Begonnen hat es mit einem kleinen Lettering-Workshop im Bekanntenkreis. Aus dem Überhang der Anmeldungen haben sich immer wieder neue Kurse ergeben – auch dann noch, als sie die Preise anhob. Irgendwann konzentrierte sie sich auf professionelle Gestal­ter:innen und rief entsprechende Teilnahmegebüh­ren auf. Bis zur Corona-Pandemie machten diese Workshops einige Jahre lang rund ein Drittel ihres Einkommens aus. Nach einem Jahr Pau­se bot Chris bislang zweimal einen umfangreicheren, sechswöchigen Online-Live-Kurs an, den sie über Zoom, Vimeo und ihre eigene Mailingliste organisierte. »So musste ich keine Prozente an irgendwelche Plattformen abtreten. Bei einer überschauba­ren Kursgröße von 15 Personen ist das gut machbar«, er­klärt Chris. Workshops auf Online-Lernplattfor­men wie Skillshare oder Domestika kann sie sich auch vorstellen, hat das aber bisher nicht weiterverfolgt. Vor allem der technische Aufwand der Videoproduktion ist für sie eine Hürde.

Zu tun hat Chris Campe ohnehin genug: Im kommenden Semester gibt sie erneut einen Grund­la­genkurs in Typografie für Studierende im Fach Illus­tration an der HAW Hamburg, wo sie selbst studiert hat. Das sei zwar sehr aufwendig und nicht sonderlich gut bezahlt, aber sie gebe einfach gerne ihr Wissen weiter: »Das ist die Art von Kurs, die ich damals selbst gerne gehabt hätte.«

Chris’ Tipps

  1. Vorträge halten kann – und muss – man üben! Fang am besten mit kleinen Forma­ten an und entwickle dich langsam weiter.
  2. Warte nicht, bis du gefragt wirst, sondern kontaktiere die Organisator:innen von Veranstaltungen, die dich interessieren, und stell dich als Sprecher:in vor. Wenn du als Frau freiwillig öffentlich sprechen willst, rennst du dort wahrscheinlich offene Türen ein.
  3. Zeig in deinem Vortrag, wer du bist – Portfolio-Talks mit Kunden-Name-dropping gibt es schon genug.

Vorträge halten. Schauspieler und Coach Ole Tillmann gibt Tipps

Dieser Artikel ist in PAGE 04.2023 erschienen. Die komplette Ausgabe können Sie hier runterladen.

PDF-Download: PAGE 04.2023

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