Wie man FBI-Profiling im Design Thinking einsetzt

Auf der Design Research & Design Strategy Conference #3 in der Hamburger Hafencity haben wir von einem Profiler des FBI gelernt, wie Designer dessen Methoden nutzen können.



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Mark Safarik ist ein FBI-Mann, wie man ihn aus dem Kino kennt: grauer Bürstenhaarschnitt, dicker Siegelring, donnernde Stimme – und sehr feste Überzeugungen. Und er ist einer, der so ziemlich alle menschlichen Abgründe gesehen hat. Er ermittelte im Mordfall OJ Simpson ebenso wie gegen den bestialischen Frauenmörder David Parker Ray.

Folgte man seinem packenden Vortrag über seine Arbeit als FBI-Profiler, war man dennoch dankbar, dass das Team der Innovationsberatung Indeed, Initiator der Design Research & Design Strategy Conference #3, ihn bei der Vorbereitung immer wieder dazu angehalten hatte, allzu drastische Bilder daraus zu entfernen.

Auch so ging es durchaus blutig zu – aber vor allem lernte man, wie ein Profiler dabei vorgeht, ein Verbrechen zu rekonstruieren und das Bild eines Täters zu entwickeln.

Die Fragen »Warum diese Person?« und »Warum zu dieser Zeit?« sind dabei genauso wichtig wie diese Frage »Was treibt den Mörder an?«, das Allerwichtigste aber ist: Lege dir nie als erstes eine Theorie zurecht, sondern bleibe immer offen für alle Möglichkeiten.

Doch was hat das FBI mit Design zu tun? Und wie wendet man diese Methoden auf Design Thinking an?

Entwickelt man im Profiling das Bild eines Mörders, von dem man einzig seine Tat kennt, evoziert man im Design Thinking eine Persona, die potentieller Kunde eines Produktes ist.

Mit Schere, Kleber, Zeitschriften, Edding-Stiften, auf großen Pappen und mit diversen Infos aus Kundenbefragungen ging es in einem der anschließenden Workshops darum, Personas zu entwickeln, die potentielle Kunden für Fitness-Wearables sind.

  • die Crime Scene (Tatort) des FBI Profiling wurde im Design Thinking zum Context of Use.
  • die Physical Evidence (Beweise) zu Preferred Products and Brands (bevorzugte Produkte und Marken)
  • das Motive (Motiv) zu Values (Werte)
  • Purpose (Absicht) zu Goals (Zielen)
  • die Behavioral Dynamics (Verhaltensdynamik) zu Needs (Bedürfnissen)
  • und der Crime Flow (wie das Verbrechen sich abgespielt hat) zur User Journey (Alltag des Benutzers)

Anhand dieser Punkte entstanden in Gruppenarbeit Personas wie Bradley, ein Businessman aus London, der ein Fashion Victim ist und immer ganz vorne bei allen Technologien dabei und für den das Wearable ein unbedingtes Statussymbol ist; Charlotte, die Trophy Wife, die ihr Fitnessarmband nicht im Sportladen, sondern in der Boutique kauft und dessen Design ihr besonders wichtig ist; oder Sebastian, der weiß, was angesagt ist, aber vor allem ein Poser ist, der das Fitness-Wearable auch anlegt, wenn er mit dem Hund Gassi geht …

Was immer man davon halten mag, wie gut FBI Profiling und Design Thinking wirklich zusammengehen, Spaß hat es gemacht und eines immer wieder gezeigt: dass nicht nur die Tools beider Disziplinen ähnlich sind, sondern vor allem auch das größte Problem dasselbe ist – sich nicht zu Stereotypen hinreißen zu lassen, sich nicht von eigenen Auffassungen beeinflussen zu lassen und sich eine größtmögliche Offenheit zu bewahren.

FBI-Profiler Mark Safarik, der heute als Berater arbeitet, beim Design-Workshop:

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Armin Kreiner-Norkunas von Indeed stellt die Persona Ann-Sophie vor:

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