Lingua

Eric Olsens Lingua zeigt jede Menge Ligaturen.



Eric Olsen, Schöpfer der außerordentlich populären Klavika (siehe »Programmwechsel«, PAGE 12.10) ist auch für Überraschungen gut: Sein Font Lingua bietet eine Vielzahl von so genannten »Ermessens-Ligaturen«. Ligaturen sind ja häufig ein Merkmal hochqualitativer Schriften. Eigentlich beim Schreiben entstanden, um im Schriftbild größere Löcher zu auszuschmücken, wurden diese bei variablen Satzschriften dazu entworfen, um unschöne Überschneidungen – etwa beim Tropfen des f und des i-Punktes – zu vermeiden oder ästhetisch angenehme Anschlüsse bei kollidierenden Lettern zu schaffen. Aber Ligaturen sind auch dort möglich, wo man sie bisher gar nicht kannte.

Das OpenType-Format hat es möglich gemacht hat, dass die Anwendung alternativer Lettern grundsätzlich sehr viel einfacher geworden ist.  Die schon 2003 entwickelte Lingua kann erst in neuerer Zeit ihr Potential ausschöpfen, weil die Anwendungsprogramme und Plattformen OpenType zunehmend unterstützen. Die knapp 200 Ligaturen der Lingua orientieren sich an den häufigsten Buchstabenpaaren des Englischen. Die Form der Lingua basiert auf einem einfachen Grid-System mit Senkrechten, Waagerechten und 45°-Diagonalen – unter Verzicht auf jegliche Kurven. Bei entsprechend kurzen Schrägen fällt dies in kleinen Geraden zunächst gar nicht groß auf. Die Verbindungen der potentiellen Ligaturen folgen den Richtungen der betreffenden Buchstabenteile wie auf unsichtbaren Pfaden. So begegnen  sich z.B. a und l oder t bei einer imaginären Oberlänge, während a und d , b und e oder S und e sich mittig treffen. Fürs Deutsche interessant sind mindestens die Ligaturen für ng, io oder den logoartigen Kombinationen mit dem versalen E.

Die Ligaturen funktionieren wie ein zweiter Zeichensatz. Man braucht sie nicht wirklich. Wer einer spröden Schreibschrift nicht abgeneigt ist, kann mit ihr ein recht ungewöhnliches Schriftbild erzeugen. Oder sich von ihr einfach inspirieren lassen für die typografische Arbeit mit anderen Fonts. Die Lingua ist einer von vielen interessanten Fonts, die Olsen über seine in Minneapolis (USA) begründete Process Type Foundry mittlerweile von Reading (England) aus vertreibt.

Links

PTF / MyFonts
http://processtypefoundry.com/fonts/lingua/
http://new.myfonts.com/fonts/processtype/lingua/



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