Im Tutorial von Adobe-Design-Evangelist Marcus Rentsch entsteht aus einer einfachen Skizze Schritt für Schritt ein fertiges Sammelkarten-Set. Wir haben den Workflow mit den KI-Tools in Adobe Photoshop, Adobe Illustrator und Adobe Firefly Boards getestet.
Bild: AdobeDer Weg von einer ersten Idee zu einem fertigen Design besteht in der Regel aus vielen einzelnen Schritten: von der Skizze über die Ausarbeitung bis hin zur finalen Gestaltung. Gerade in kreativen Prozessen wechseln Tools, Formate und Denkweisen ständig, weshalb ein durchgängiger Workflow eher die Ausnahme ist. Design-Evangelist Marcus Rentsch von Adobe zeigt daher in einem Tutorial, wie sich dieser Prozess strukturieren lässt: von der ersten Skizze bis zum fertigen Sammelkarten-Set inklusive Moodboard und Animation. Der besondere Fokus liegt dabei auf der Verbindung von KI-gestützten Funktionen und klassischen Design-Tools.
Gerade vor dem Hintergrund neuer generativer Möglichkeiten wird dieser Ansatz zunehmend relevant. Anstatt einzelne Tools isoliert zu nutzen, präsentiert das Tutorial einen durchgehenden Workflow, der kreative Kontrolle mit der Geschwindigkeit von KI vereint. Für Designer:innen wird somit weniger die Frage wichtig, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie sinnvoll in bestehende Prozesse integriert werden kann.
Im Mittelpunkt steht daher das Zusammenspiel mehrerer Tools, in diesem Fall Photoshop, Illustrator und Firefly Boards. Während Photoshop für die visuelle Ausarbeitung und KI-gestützte Bildgenerierung genutzt wird, übernimmt Illustrator das strukturierte Kartendesign. Firefly Boards fungiert anschließend als zentrale Arbeitsfläche, auf der alle Inhalte zusammengeführt, erweitert und weitergedacht werden.
In rund 12 Minuten lernst du:
00:27–03:20: wie du mithilfe von Generative Fill in Adobe Photoshop aus einer groben Skizze Schritt für Schritt einen ausgearbeiteten Charakter entwickelst, mit Hilfe der KI Formen interpretierst und diese visuell weiterdenkst.
03:20–07:48: wie du in Adobe Photoshop auf Basis einer einfachen Skizze komplette Bildwelten entwickelst. Du lernst, wie du Elemente wie Bäume, Gras oder Pilze definierst und sie mit Prompts steuerst, damit die KI sie gezielt an den vorgesehenen Stellen umsetzen kann. Außerdem erfährst du, wie sich Lichtstimmungen, Farblooks und Tiefenwirkung mit KI-Funktionen und klassischen Werkzeugen wie Smart-Filtern weiter ausarbeiten lassen.
07:48–08:19: wie du in Adobe Illustrator ein strukturiertes Sammelkarten-Layout mit Typografie, Rahmen und festen Gestaltungselementen entwickelst, das als Grundlage für die finalen Karten dient.
08:19–11:30: wie du in Adobe Firefly Boards Inhalte aus Photoshop und Illustrator zusammenführst, weiterentwickelst und sogar animierst. So entsteht ein konsistentes, visuelles Gesamtbild aus einzelnen Assets.
Die wichtigsten Learnings aus dem Tutorial
Von der Skizze zum Charakter mit Generative Fill
Der Einstieg erfolgt klassisch mit einer groben Skizze in Adobe Photoshop. Ausgangspunkt sind mehrere einfache Zeichnungen von Monstern, aus denen anschließend ein Motiv ausgewählt wird. Die Skizze bildet die Grundlage für den weiteren kreativen Prozess und liefert der KI erste Informationen zu Form, Aufbau und Charakter des Motivs.
Mithilfe der Generative-Fill-Funktion wird diese Skizze weiter ausgearbeitet. In diesem Tutorial wird Google Gemini, eines von Adobes Partnermodellen, in Firefly verwendet. Die KI interpretiert die vorhandenen Linien und ergänzt auf Basis eines Prompts passende Texturen, Farben und Details. Dabei können ausgewählte Bereiche gezielt verändert oder erweitert werden, während Photoshop die generierten Inhalte automatisch an die bestehende Komposition anpasst.
Ein einfacher Prompt verändert die Skizze in ein farbiges Monster mit verschiedenen Texturen.
So entsteht aus einer einfachen Zeichnung ein deutlich ausgearbeiteter Charakter. Besonders interessant ist dabei der iterative Ansatz: Photoshop erstellt mehrere Varianten, aus denen die passendste Version ausgewählt oder weiter angepasst werden kann. Dadurch bleibt die gestalterische Kontrolle erhalten, während die KI als Werkzeug zur schnellen Visualisierung und Weiterentwicklung von Ideen dient.
KI-gestützte Szenenentwicklung in Adobe Photoshop
Im nächsten Schritt wird die Umgebung des Charakters entwickelt. Dafür wird zunächst eine grobe Skizze für den Hintergrund angelegt, in der Elemente wie Bäume, Gras oder Pilze bereits angedeutet sind. Diese visuelle Vorgabe dient dazu, der KI nicht nur den gewünschten Inhalt, sondern auch die Positionierung und Komposition der einzelnen Elemente vorzugeben.
Diese Skizze dient als Orientierung für die KI. Durch entsprechende Prompts erkennt Photoshop, in welchen Bereichen welche Inhalte dargestellt werden sollen, und generiert darauf basierend eine passende Szene. Die Platzierung der Elemente bleibt dabei weitgehend erhalten. Pilze erscheinen beispielsweise genau dort, wo sie zuvor skizziert wurden, wodurch die ursprüngliche Bildidee erhalten bleibt und gleichzeitig durch KI-generierte Details erweitert wird.
In Adobe Firefly Boards können Inhalte frei angeordnet und eingefügt werden.
Ergänzt wird das Motiv durch die Anpassung von Lichtstimmung, Farblook und Tiefenwirkung, welche mit klassischen Photoshop Werkzeugen und Smart Filtern eingefügt werden. So wird die Szene durch die Anpassung von Farben und Kontrasten weiter verfeinert. Dadurch entsteht ein stärker ausgearbeiteter Look, der die einzelnen Elemente räumlicher miteinander verbindet.
Das Zusammenspiel aus Skizze, Prompt und manueller Nachbearbeitung zeigt, wie sich KI und klassische Gestaltungsmethoden sinnvoll ergänzen. Die KI übernimmt dabei nicht den gesamten kreativen Prozess, sondern unterstützt einzelne Schritte, die anschließend weiter kontrolliert und verbessert werden können.
Strukturiertes Kartendesign in Adobe Illustrator
Nachdem die Bildwelt steht, wechselt der Workflow zu Adobe Illustrator. Hier wird das eigentliche Sammelkarten-Layout aufgebaut. Dazu gehören typische Elemente wie Rahmen, Typografie, Platzhalter für Illustrationen sowie Vorder- und Rückseite der Karte. Illustrator wird in diesem Schritt bewusst für die strukturierte Gestaltung genutzt, da sich Layouts, Formen und Texte hier präziser kontrollieren lassen als in Photoshop.
Adobe Firefly Boards als zentrale Arbeitsfläche
Im letzten Schritt werden alle Inhalte in Adobe Firefly Boards zusammengeführt. Die Arbeitsfläche funktioniert ähnlich wie ein visuelles Whiteboard, auf dem sich Assets aus verschiedenen Quellen kombinieren lassen.
In Adobe Firefly Boards können Inhalte frei angeordnet und eingefügt werden.
Im Tutorial wird deutlich, wie Inhalte aus Photoshop und Illustrator in einem gemeinsamen Kontext zusammenkommen. Firefly Boards erkennt dabei anhand der hinterlegten Content Credentials die Herkunft, sodass nachvollziehbar bleibt, aus welchem Tool ein Asset stammt und ob es KI-generiert ist.
Zusätzlich lassen sich Inhalte direkt im Board erweitern. Neben dem Zugriff auf Adobe Stock können weitere Bilder generiert oder bestehende Motive angepasst werden. Ein interessanter Aspekt ist die Möglichkeit, aus einem statischen Bild eine kurze Animation zu erzeugen. Im Beispiel wird das Monster als Video animiert, wodurch aus der ursprünglichen Skizze schließlich ein bewegtes Motiv entsteht.
Damit verschiebt sich die Rolle von Adobe Firefly Boards über ein klassisches Moodboard hinaus. Es dient nicht nur der Sammlung, sondern auch der Weiterentwicklung und Präsentation von Ideen innerhalb eines gemeinsamen visuellen Raums.
Unser PAGE-Fazit
Das Tutorial zeigt besonders gut, wie aus einer ersten kreativen Idee mithilfe verschiedener Adobe-Tools ein vollständiger Gestaltungsprozess entstehen kann. Von der groben Skizze über die Ausarbeitung einzelner Charaktere und Bildwelten bis hin zur fertigen Sammelkarte wird sichtbar, wie sich Adobe Photoshop, Adobe Illustrator und Adobe Firefly Boards sinnvoll miteinander verbinden lassen.
Besonders spannend ist dabei der Einsatz von Generative Fill in Photoshop. Dabei besteht die Möglichkeit auf unterschiedliche KI-Modelle zurückzugreifen, etwa Gemini oder OpenAI, oder die hauseigene Firefly KI, die speziell für den kommerziell sicheren Einsatz entwickelt wurde. Die KI ersetzt hier nicht den kreativen Prozess, sondern erweitert ihn.
Die Idee, die Skizze und die grundlegende Bildkomposition entstehen weiterhin durch den Menschen. Die KI unterstützt anschließend dabei, diese Gedanken schneller auszuarbeiten und visuell umzusetzen. Gerade die Möglichkeit, über eine einfache Skizze vorzugeben, wo bestimmte Elemente wie Bäume, Gras oder Pilze entstehen sollen, bietet dabei deutlich mehr Kontrolle als eine rein promptbasierte Generierung. Die KI erzeugt nicht einfach eine zufällige Umgebung, sondern orientiert sich an der eigenen gestalterischen Vorgabe und entwickelt diese gezielt weiter.
Auch der anschließende Schritt in Adobe Firefly Boards zeigt, wie sich KI-gestützte Workflows über einzelne Anwendungen hinweg verbinden lassen. Assets aus Photoshop und Illustrator können nicht nur zusammengeführt und weiterentwickelt werden, auch ihre Herkunft bleibt durch die Content Credentials nachvollziehbar. Damit entsteht ein transparenter Arbeitsprozess, in dem sich Inhalte klar zuordnen und dokumentieren lassen, etwa im Hinblick auf Urheberrecht oder den Einsatz generativer Technologien. Ein zusätzlicher Vorteil liegt in der flexiblen Erweiterbarkeit. Neben KI-generierten Inhalten lassen sich problemlos lizenzierte Assets, etwa aus Adobe Stock, integrieren.
Der größte Mehrwert liegt nicht darin, dass KI den kreativen Prozess übernimmt, sondern darin, dass sie ihn beschleunigt und erweitert. Kreative Entscheidungen, die Bildidee und die gestalterische Richtung bleiben beim Menschen. Die KI wird zum Werkzeug, um diese effizienter umzusetzen. Genau darin liegt die Stärke des gezeigten Workflows. Er macht deutlich, wie sich aus einer eigenen Idee schneller ein konsistentes, fertiges visuelles Ergebnis entwickeln lässt, ohne die gestalterische Kontrolle aus der Hand zu geben.
Über Marcus
Marcus ist Grafikdesigner und hat eine Leidenschaft für mutige Ideen und verspielte visuelle Gestaltung. In seiner Rolle als »Design Evangelist« bei Adobe vermittelt er in Vorträgen, Videos und bei Live-Events Inspiration und kreative Techniken – stets mit dem Ziel, in der Design-Community neue Denkansätze anzustoßen.