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»Wenn eine Idee ehrlich ist, kann sie den Zeitgeist überdauern.«

Patrick Amor, Executive Creative Director bei C3 und Vorstand der ADC Sektion Stuttgart, spricht über die ADC Design Conference, gestalterische Exzellenz und Interdisziplinarität. Außerdem stellt er seinen Pitch Survival Guide vor – ein Plädoyer für das Nein sagen.

PAGE: Du kuratierst die ADC Design Conference. Woran erkennst du welche Persönlichkeiten auf die Bühne gehören? Und dass ein Thema auch in einem Jahr noch relevant sein wird?  

Patrick: Am Anfang steht bei uns immer eine Wunschliste mit Gestalter:innen, die wir unbedingt auf der Bühne sehen möchten – auch wenn uns natürlich klar ist, dass wir nicht alle bekommen werden. Dann arbeiten wir uns Stück für Stück durch diese Liste. Uns ist eine gute Mischung wichtig – aus unterschiedlichen Designdisziplinen, verschiedener Generationen, mit einem ausgewogenen Verhältnis der Geschlechter. Am Ende suchen wir vor allem Persönlichkeiten, die Besonderes leisten und andere mit ihrer Arbeit inspirieren. Was die Frage nach der Relevanz angeht: Wirklich gute Gestaltung hat für mich kein Verfallsdatum.

Warum ist der Blick über die eigene Disziplin hinaus heute wichtiger denn je? 

Im Design gibt es für mich keine klaren Grenzen. Architektur, Film, Typografie oder Interior Design beeinflussen sich gegenseitig. Genau dieser Blick über den Tellerrand macht Gestaltung spannend – und manchmal auch so schwer zu greifen.

Woran erkennst du Design, das einen eigenen Charakter besitzt und über den aktuellen Zeitgeist hinaus Bestand haben wird? 

Für mich entsteht charakterstarkes Design immer dann, wenn es eine klare Haltung hat. Man merkt, wenn hinter einer Gestaltung eine echte Idee steckt und nicht nur versucht wird, einem aktuellen Trend zu folgen.

Gutes Design muss authentisch sein und eine eigene Sprache entwickeln. Genau diese Klarheit und Eigenständigkeit sind es, die dafür sorgen, dass Gestaltung auch nach Jahren noch relevant bleibt.

Die besten Arbeiten entstehen nicht aus der Frage »Was ist gerade angesagt?«, sondern aus der Frage »Was wollen wir wirklich erzählen und warum ist das wichtig?«. Wenn eine Idee ehrlich ist und Menschen emotional erreicht, kann sie den Zeitgeist überdauern.

»Wenn zu einem starken Design noch ein gutes Storytelling kommen, entsteht etwas Besonderes: eine Verbindung zu Menschen.«

Was kann exzellentes Design leisten, das Marketing oder Technologie allein nicht schaffen?  

Exzellentes Design schafft etwas, das weit über Funktion und Information hinausgeht: Es kann Menschen emotional erreichen. Das Erste, was wir wahrnehmen, ist oft die Gestaltung. Sie entscheidet darüber, ob uns etwas anspricht, neugierig macht oder im Gedächtnis bleibt. Genau darin liegt die Kraft von Design. Wenn zu einem starken Design noch ein gutes Storytelling kommen, entsteht etwas Besonderes: eine Verbindung zu Menschen.

In deinem neuen Buch Pitch Survival Guide setzt du nicht erst beim Gewinnen an, sondern bei der Entscheidung, überhaupt teilzunehmen. Warum fällt es Agenturen und Kreativen so schwer, einen Pitch abzulehnen? 

Ein Pitch gehört für viele Agenturen einfach zum Alltag. Es ist die Möglichkeit, neue Projekte zu gewinnen und mit der eigenen Arbeit zu überzeugen. Ich glaube, dieser Wunsch, zu gestalten, sich zu beweisen und am Ende vorne zu stehen, steckt ein Stück weit in unserer DNA als Kreative.

Woran erkennst du, dass ein Pitch strategisch sinnvoll ist – und wann sollte man konsequent Nein sagen? 

Meine Erfahrung hat mir gezeigt: Nicht jede Gelegenheit ist automatisch die richtige. Es braucht manchmal mehr Mut, Nein zu sagen und genau hinzuschauen: Wo können wir wirklich etwas bewirken? Wo passt unsere Haltung, unsere Erfahrung und unsere Stärke? Denn nicht jede Bühne muss unsere sein – und das zu erkennen, ist für mich ein Zeichen von Klarheit und Souveränität.

Viele Pitches scheitern nicht an der Idee. Was sind aus deiner Sicht die häufigsten Fehler, die Kreativteams machen?

Kein Pitch ist wie der andere. Wenn ich die drei häufigsten Fehler nennen müsste, wären es diese:

Erstens: Die Angst zu verlieren.
Zweitens: Persönliche Beziehungen zu unterschätzen.
Drittens: Sich zu stark an Vorgaben festzuhalten. Für mich geht es im Pitch nicht nur darum, die beste Idee zu präsentieren – sondern darum, Vertrauen zu schaffen und zu zeigen, warum genau dieses Team der richtige Partner ist.

Warum fällt Kreativen das Weglassen oft schwerer als das Entwickeln neuer Ideen?

Dafür muss man kreative Menschen ein bisschen verstehen. Mein Kopf ist oft wie ein endloses Feuerwerk – ständig entstehen neue Ideen, Bilder und Möglichkeiten.

Mit etwas Abstand merkt man manchmal, dass nicht alles Gold ist, was man sich ausgedacht hat. Aber genau das macht es so schwer: Jede Idee ist ein Stück von einem selbst. Wer trennt sich schon gerne von seinen eigenen »Darlings«?

Darin liegt für mich der Kern von guter Gestaltung: im Loslassen. Erst wenn man bereit ist, Ideen wegzunehmen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, entsteht echte Klarheit – und daraus entsteht Exzellenz.

Über Patrick

Patrick Amor ist Diplom-Designer und kreative Führungskraft bei C3 Creative Code and Content. Er entwickelt mit internationalen Teams Kommunikations- und Designkonzepte für Marken aus Automotive, Finance, Tech, Travel und IoT. Der studierte Designer lehrt und spricht regelmäßig an Hochschulen und Akademien und ist Mitglied des Präsidiums des Art Directors Club Deutschland. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Designpreisen ausgezeichnet.

Die Design Conference bringt die relevantesten Stimmen aus Design, Technologie und Kreativwirtschaft zusammen. Im Fokus stehen die Fragen, die die Branche gerade bewegen: Wie verändert KI kreative Prozesse? Welche neuen Rollen entstehen für Designer? Und wie kann Design Orientierung, Haltung und echten Mehrwert schaffen? Eine Konferenz für neue Perspektiven, konkrete Impulse und den Austausch darüber, wie wir die Zukunft gestalten.

05.10.26, Haus der Wirtschaft in Stuttgart

Infos zur Design Conference

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