Utopische Plakate

»Hallo Utopia« heisst eine Plakatkampagne von Fons Hickmann m23 im Berliner U-Bahnhof »Platz der Luftbrücke«. 



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»Hallo Utopia« heisst eine Plakatkampagne von Fons Hickmann m23 im Berliner U-Bahnhof Platz der Luftbrücke. Dazu schreibt Imke Siefkes:

»Die Utopier machten sich nichts aus Gold. Das Leben in Utopia funktionierte auch ohne. Es war dafür gesorgt, dass alle Bewohner auf demokratischer Grundlage gleichwertig und abgesichert existieren konnten. Damit wurden ideale, irreale Zustände beschrieben, Utopien nämlich, gleichzeitig sozialpolitische Missstände hervorgehoben und kritisiert. Thomas Morus schuf Utopia vor beinahe fünfhundert Jahren. Er liess eine perfekte Welt entstehen und wieder untergehen, indem er gleichermassen subtil übertrieb und ironisierte und so selbst den Gedanken an die Möglichkeit ihrer Realisierung wieder aufhob. Wie gesagt: Den Utopiern war die Anhäufung materieller Werte egal. Im 21. Jahrhundert kaum denkbar.

Vom 25. August bis 6. September 2009 hat das Grafikbüro Fons Hickmann m23 Berliner U-Bahnfahrer mit in sein Utopia genommen. Im Rahmen der ›CODE Berlin‹ Ausstellung, initiiert von Create Berlin, plakatiert Fons Hickmann m23 acht Grossflächen im U-Bahnhof Platz der Luftbrücke zwischen Kreuzberg und Tempelhof.

Hickmanns Statements entstanden auf einem sehr langen Nachtflug. Das stundenlange zeit- und konturlose Dasein ohne Kontakt zu Alltag und Normalität bot die leere Leinwand für utopische, idealisierende Gedanken. Wie sollte es sein? Und wäre es dann wirklich ideal? Bringen wir, angetrieben von unseren desillusionierenden politischen wie individuellen Realitäten, endlich die Kraft auf, an Utopien zu glauben, wenigstens an ihren Kern?

Die Poster erinnern formal an Wahlplakate. ‘Bildung ist ‘Menschrecht’ mit der Unterschrift HALLO UTOPIA oder die Aufhebung aller Religionen sollen den Betrachter, den denkenden Rezipienten nicht überzeugen: die idealen Zustände, Änderungen und Versprechungen sind ironische Übertreibungen eines Visionärs. Die abschwächende Wirkung unseres gleichgültig- eiligen Alltags kalkuliert er gleich mit ein. ‘Eine träge Gesellschaft braucht extreme Manifeste.«


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