Tipps fürs Portfolio Design

Ein aussagekräftiges und auffindbares Portfolio zu gestalten, ist für viele Kreative eine hohe Hürde. Worauf kommt es bei der Darstellung der eigenen Arbeit an und was überzeugt Art Buyer und Agenturkunden?



 

»Coming soon« ist ein dehnbarer Begriff, der sich auf Portfolio-Websites von Kreativen nicht selten monate-, manchmal sogar jahrelang hält. Dabei ist die Notwendigkeit einer aktuellen Selbstdarstellung eigentlich jedem klar. Für Michael Bierut, Partner bei Pentagram, gibt es vor allem zwei Gründe: »Erstens dient sie als Archiv, und die Pflege dieses Archivs erlegt dem Entwurfsprozess eine gewisse Disziplin auf. Zweitens hilft sie potenziellen Mitarbeitern und Kunden zu verstehen, wie man arbeitet.«

Es ist wohl ein bisschen so wie mit der Buchhaltung. Man weiß genau, dass man sie machen muss und sie bleibt trotzdem immer liegen. Zumindest so lange, bis das Finanzamt einen unsanft erinnert. Ans Portfolio erinnert einen keiner, Kundenjobs haben immer Priorität. . . Hinzu kommt, dass sich Designer selten mit einer 08/15-Lösung zufriedengeben und ihr Portfolio möglichst perfekt umsetzen wollen. Die Wiener Gestalterin Lisa Fleck schloss deshalb mit sich selbst einen Kompromiss: Sie entschied sich, auf ihrer Website erst mal von ausgewählten Projekten jeweils nur ein Bild und wenige Informationen zu präsentieren.

 

Jede Menge Herausforderungen

 

Fast acht Jahre arbeitete Lisa Fleck bei der renommierten Agentur Stockholm Design Lab, vor gut zwei Jahren kehrte sie in ihre Heimat Österreich zurück. Die ursprüngliche Idee, in Wien einen Ableger des Stockholmer Büros zu gründen, zerschlug sich, und Lisa Fleck stand vor einem ganzen Haufen Herausforderungen: »Plötzlich hatte ich keine Agentur mehr im Rücken, gleichzeitig aber keinerlei geschäftliches Netzwerk in Österreich, und meine Website war seit gefühlt 100 Jahren under construction«, erzählt sie. Um überhaupt erst mal an Jobs zu kommen, schrieb sie interessante Kunden an und hängte ein jeweils individuell zusammengestelltes PDF mit Arbeiten an – mit Erfolg. Und so blieb fürs Portfolio erst mal wieder keine Zeit. »Zugleich wusste ich, dass ich unbedingt eins brauche, um gesehen zu werden«, sagt die 33-Jährige. »Ein paar Zeilen Text auf der Website reichen in unserer visuellen Branche nicht, Bilder sind nötig, damit die Leute sich vorstellen können, was sie von mir bekommen.« Neben den bezahlten Aufträgen war es vor allem ihr eigener Perfektionismus, der sie bremste. »Meine Standards sind nach acht Jahren bei einer exzellenten Designfirma hoch. Ich möchte die Cases gut darstellen und auch die Texte so gut schreiben, dass jeder sofort versteht, worum es bei dem Projekt ging.« Sie schloss zunächst mit sich selbst einen Kompromiss: Sie suchte ihre schönsten und spannendsten Projekte aus und stellte von jedem nur ein Bild und ein paar Stichworte auf die Website. So sieht man ihr Spektrum und ihren Stil.

 

 

Viele gute Templates

 

Dankbar ist Lisa Fleck auch dafür, dass es so viele gute Templates gibt, die sich individuell anpassen lassen. Auch als Nicht-Coderin hatte sie keinerlei Schwierigkeiten, mit dem Lay Theme für WordPress zurechtzukommen. Dass sie weder auf Instagram noch auf Behance Arbeiten zeigt, liegt übrigens nicht nur an fehlender Zeit. »Für mich ist das nicht das richtige Format, mir ist es wichtig, auch etwas erklären zu können.« Inzwischen arbeitet Lisa Fleck zu 50 Prozent für die Werbeagentur Obscura, sie soll dort eine Designabteilung aufbauen und schaut sich daher selbst jede Menge Portfolios an. Wichtiger als eine große Anzahl von Projekten ist es ihr, eine überlegt getroffene Auswahl an Arbeiten zu sehen. »Ob auf einer Website oder als PDF ist mir egal, doch es muss klar werden, wie diePerson arbeitet.« Ab und an bekommt sie auch ein gedrucktes Portfolio zugeschickt – und findet das äußerst charmant. »Weil ich auf Print stehe, aber auch, weil ich die Mühe dahinter sehe – und das große Interesse des Absenders, sich gut zu präsentieren.«

 

 

Andere Portfolio-Strategien von Kreativen, etwa vom Texter Maori Kunigo, Tipps von Art-Buyern und Agenturkunden sowie eine Auswahl von Portfolio-Tools und -Templates finden Sie in der Titelgeschichte der PAGE 12.2019. Außerdem sagen wir dort, wie sich Case Studies effizient neben dem Tagesgeschäft erstellen lassen. PAGE 12.2019 können Sie hier bestellen.

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