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Die besten Portfolio-Tipps von Art Buyern und Kunden

Der eigene Anspruch und die ewige Zeitknappheit sind die größten Hindernisse bei der Zusammenstellung eines guten, aktuellen Portfolios. Wir haben Art Buyer, Agentur-Kunden und einen Portfolio-Coach nach ihren Tipps für eine aussagekräftige und effiziente Selbstdarstellung befragt.

Ob für Berufseinsteiger, Kreative wie Fotografen oder Agenturen – ein gutes Portfolio ist unerlässlich bei der Jobsuche oder die Auftragsakquise. Darum zeigen wir in Teil 1 unseres Artikels Portfolio Design: Tipps und Tools auch nicht nur überzeugende Portfolios von Illustratoren, UI Designern, Konzep­tern und Agenturen und geben Tipps, wie sich Making­-ofs und Case Studies effizient neben dem Tagesgeschäft realisieren lassen, sondern sagen hier, was Art Buyer, Kunden und Personaler tatsächlich interessiert.

Portfolio-Tipps von André Hennen

Portfolio-Tipps von André Hennen, Texter

Kreativdirektor und Portfolio-Coach an der Hamburg School for Ideas. Nicht nur, aber vor allem für Berufseinsteiger.

1 Daten sammeln. Für ein Portfolio braucht man Inhalte. Schön, wenn man sie auch gesichert hat. Gerade wäh­rend Ausbildung, Studium und den ersten Jahren im Job wechselt man häufiger die Agentur, und wer nicht aufpasst, lässt Daten zurück und vergisst sie womöglich. Besser: ein Ordner, in den man immer aktuelles Material sichert.

2 Kein Material aus laufenden Pitches ins Portfolio. Es kann richtig Ärger geben, wenn jemand in seiner Mappe Bilder aus laufenden Pitches zeigt. Zum einen geht es da natürlich um Lizenzfragen, vor allem aber um noch nicht realisierte Produkte. VW wird es nicht freuen, wenn Designer XY in seinem Portfolio das Bild eines Autos zeigt, das noch gar nicht auf dem Markt ist.

3 Credits sauber angeben. Eine Kampagne, die Preise gewonnen hat, macht sich in jedem Portfolio gut. Allerdings sollte man genau dazu schreiben, worin der eigene Part bestanden hat, etwa wenn man nicht die Bildidee hatte, sondern »nur« die Typo gemacht hat.

4 Social Media nutzen. Auf Business-Portalen wie XING oder LinkedIn sollten Kreative auf jeden Fall ein Pro­fil haben. Dort sind alle Personaler, Headhunter, Art Buyer und Einkäufer unterwegs. Der eigene Account lässt sich so ausbauen, dass er ein gutes Portfolio abgibt. Auf Facebook präsent zu sein, kann auch nicht schaden. Dort erreicht man eher die etwas ältere Generation, sprich die Agenturleitung.

5 Hilfe holen. Wenn es so gar nicht vorwärtsgeht mit dem Portfolio, kann man Unterstützung suchen. Sich als Texter etwa von einem Grafiker ein Layout machen lassen und dann nach einem passenden WordPress-Theme suchen. Oder als visueller Mensch nach einem Texter Ausschau halten, der einen beim Schreiben der Projekt-Cases unterstützt.

Buchtipp: »Kunst, Kommerz und Kinder­kriegen«. André Hennen widmet in seinem Buch dem Thema Portfolio ein ganzes Kapitel. Mainz (Hermann Schmidt), 2. Auflage 2016, 244 Sei­ten. 29,80 Euro. ISBN 978-3-87439-874-9

 

 

 

 

 

Portfolio-Tipps von Kerstin Mende

Portfolio-Tipps von Kerstin Mende, Head of Art Buying bei Scholz & Friends. Nicht nur, aber vor allem für Fotografen

1 Kontakt per E-Mail aufnehmen. Wer zu einem per­sönlichen Treffen eingeladen werden möchte, schreibt mir zunächst eine Mail mit einem Portfolio-PDF. Oder, noch besser, einem aussagekräftigen Teaserbild direkt in der Mail und einem Link zur Website und zum Instagram-Account – beides ist heute Pflicht.

2 Website übersichtlich halten. Effekte um der Effekte willen kann ich überhaupt nicht leiden. Für mich muss die Seite vor allem schnell funktionieren und selbsterklärend sein. Wenn ich erst die Navigation verstehen muss, steige ich aus. Schön finde ich auf der ersten Seite eine Kombina­tion von Fotos und Bewegtbild. Letzteres weckt mehr Aufmerksamkeit, aber ein gutes Foto bleibt länger hängen. Wichtig ist mir auch ein kurzer Lebenslauf plus Foto.

3 Portfolio aktuell halten. Je mehr Jobs, desto weniger Zeit, die Webseite zu pflegen. Unter Umständen kann es sinnvoller sein, sie stillzulegen und nur den Instagram-Account zu bespielen. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn die letzte Aktualisierung anderthalb Jahre her ist.

4 Kunden recherchieren. Vor einem persönlichen Ge­spräch sollte man unbedingt die Kunden der Agentur checken. Wir haben zum Beispiel aktuell keine Modekunden. Wenn mir ein Fotograf dann lauter Mode­fotos zeigt, frage ich mich, was da schiefgelaufen ist. Noch nerviger: zu fragen, was für Kunden man überhaupt betreut. Das zeigt, dass sich jemand nicht vorbereitet hat.

5 Analog und digital präsentieren. Ich mag es, wenn Fotografen auch eine analoge Mappe dabeihaben. Vielleicht in Kombination mit einer digitalen Präsenta­tion für die bewegten Bilder. An einer gedruckten Mappe kann man viel erkennen: Verfügt jemand über Geschmack und Stil, hat er ein Feeling für Storytelling, legt er Wert auf gutes Papier. Aber egal, ob analog oder digital, vor allem möchte ich sehen, dass derjenige nachgedacht und sich Mühe gegeben hat.

6 Mit Bewegtbild beschäftigen. Die Konkurrenz unter Fotografen ist wahnsinnig hoch, ohne Bewegtbild geht heute nichts mehr. Man muss nicht zwingend selbst die Kamera führen, aber jemanden an der Seite haben, den man bei Bedarf dazubuchen kann.

Portfolio-Tipps von Gregor Schilling
Portfolio-Tipps von Gregor Schilling, Director Corporate Design bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Nicht nur, aber vor allem für Agenturen.

1 Kanalübergreifend denken. Es überzeugt uns nicht, wenn Agenturen in ihrem Portfolio, aber auch im Pitch zu kanalisiert denken. Bei der Markenführung geht es heute immer um vernetzte Zusammenhänge. Die wollen wir von Agenturen auch sehen. Schön ist, wenn die Agentur uns überrascht oder sogar herausfordert.

2 Repräsentatives Teaserbild wählen. Wir bekommen regelmäßig E-Mails von Agenturen, die uns ihr Port­folio zeigen wollen. Es hilft, wenn auf den ersten Blick die Ausrichtung der Agentur und ihre besonderen Kom­pe­ten­zen klar werden. Ein Teaserbild mit Link auf die Website ist mir lieber als ein umfassendes Portfolio-PDF. Das Teaser-­bild sollte allerdings auch repräsentieren, was ich auf der Webseite vorfinde – und nicht nur das Highlight der letzten zehn Jahre sein.

3 Filme ja, aber bitte kurz. Ein Imagefilm kann eine gute Übersicht über die Arbeiten der Agentur geben. Er sollte aber allerhöchstens zwei bis drei Minuten lang sein. Bei einem fünfminütigen Clip fange ich möglicherweise gar nicht erst an, zu schauen.

4 Aktuelle Projekte nach vorne. Beim Blick auf eine Agenturwebsite gehe ich davon aus, dass die aktuellen Projekte oben stehen. Uralten Kram sollte man lieber von der Seite entfernen oder ihn in eine spezielle Sektion »Historische Projekte« packen.

5 Kunden deutlich nennen. Bosch ist ein Konzern mit welt­weit über 400 000 Mitarbeitern. Bin ich auf der Suche nach einer Agentur, möchte ich sehen, dass diese mit so einer Unternehmensgröße und Komplexität umgehen kann. Deshalb schaue ich je nach Aufgabenstellung auch, ob die Agentur schon einmal für größere Kunden gearbeitet hat.

6 Keine aufwendigen Printpublikationen. Immer wieder bekommen wir von Agenturen aufwendigst gestaltete und produzierte Selbstdarstellungen mit der Post. Oft im Überformat, sodass das Porto auch noch mal extrateuer ist. Das ist zu viel des Guten. Ich habe nichts gegen einen ge­druckten Portfolioauszug, der bestenfalls einige Zeit auf meinem Schreibtisch liegt. Aber der Grat zwischen einer kleinen, gut gemachten Zusendung in Papierform und unangenehmer Selbstbeweihräucherung ist schmal.

Portfolio: Tipps, Tools und Case-Studies

Dieser Beitrag ist Teil unserer großen Selfmarketing-Geschichte aus der PAGE 09.2018. Tipps für Selfmarketing in Social Media findet ihr bereits online. Als P+-Abonnent könnt ihr direkt auf die komplette Ausgabe zugreifen und damit auch auf unsere Tipps rund um erfolgreiches Selfmarketing von Social Media über Pressearbeit bis SEO:

PDF-Download: PAGE 9.2018

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