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G wie Glossar: Spannendes neues »Magazin« – und viel mehr

Drei Gestalterinnen beleuchten gemeinsam und geradeheraus was ihnen wichtig ist. So entstand »G wie Glossar«, dessen erste Ausgabe sich um die Missbrauchsskandale der Kirche dreht – inhaltlich und in der Gestaltung.

Sie sind drei Gestalterinnen aus NRW und Berlin: Kimberly Maasz, Ulrike Bruchhaus und Tatjana Blechert haben sich im Studium bei einem Projekt über Demokratie und Globalisierung kennengelernt und entwickeln seither als Side Projects gemeinsame freie Arbeiten.

Sie beschäftigen sich mit gesellschaftspolitischen, kulturellen und sozialen Themen, die sie umtreiben. Und so ist auch G wie Glossar entstanden, eine »Reihe unterschiedlicher Wort-Sammlungen zu verschiedenen Themen«. Diese reichen von zeitgemäß über brisant bis gesellschaftsrelevant und entstehen ganz subjektiv, wie sie sagen.

Die erste Ausgabe ihres »G wie Glossar« heißt »Über Verantwortung« – und beschäftigt sich mit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche.

Missbrauch beleuchten

Das Glossar beleuchtet pro Buchstaben einen Begriff der Thematik und definiert ihn. Diese 26 Buchstaben ergeben den Rahmen von »G wie Glossar«. Und bestückt ist dieser mit »kritischem Hinterfragen, Beleuchten verschiedener Sichtweisen, Meinungsäußerung, Öffnen von Gedankenräumen«.

Wichtig ist, dass »G wie Glossar« keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit oder politische Neutralität erhebt, aber auf die Freiheit zu Humor und Zynismus.

Auch in ihrem Umfeld ist den Gestalterinnen aufgefallen, dass die Missbrauchsskandale für viele Menschen ein Anlass waren, sich mit der Kirche und mit dem persönlichen Glauben zu beschäftigen. Und da die Prozesse rund um die Vergehen nicht abgeschlossen sind, bleibt es ein aktuelles Thema.

Demokratisch zusammenarbeiten

So interessant wie das Projekt selbst ist, so beeindruckend ist das Engagement der drei Kreativen neben ihrer Arbeit in den unterschiedlichsten Gewerken und Gestaltungsbereichen. Sie alle drei arbeiten im Bereich visuelle Kommunikation und Exhibition Design, sowohl als Selbstständige als auch in Zusammenarbeit mit Agenturen. Dabei haben sie jeweils folgende Schwerpunkte:

Kimberly Maasz: UX/UI, Illustration, Grafik;
Tatjana Blechert: Fotografie, Text, Gestaltungskonzept;
Ulrike Bruchhaus: Typografie, Gestaltungskonzepte, Layout.

Ihre gemeinsame Arbeitsweise beschreiben sie als demokratisch, ob im unternehmerischen oder in der Gestaltung und als lebendig und voller Ideen. Die Rollen sind nicht festgelegt und finale Entscheidungen werden immer gemeinsam getroffen.

Buchstaben mit Einschnitten

So entstand ein Gestaltungskonzept, dessen Grundlage der Inhalt ist. Deswegen werden die jeweiligen Glossare, von denen bereits folgende geplant sind, auch unterschiedlich aussehen können. Der einzige Rahmen sind die 26 Buchstaben.

Bei der Recherche sind die drei auf Begriffe wie »Vertuschung«, »Deckmantel« oder auch »Blinder Fleck« gestoßen und haben die Verletzungen, die durch das Wegsehen der Verantwortlichen entstanden sind, in den Buchstaben visualisiert.

Sie arbeiten mit Unschärfen und mit Einschnitten, von denen sie sagen, dass sie die Anatomie des Buchstabens aufbrechen. »Sie bilden also gleichzeitig die Verletzungen der Betroffenen ab sowie das Nicht-Hinsehen-Wollen des Systems der katholischen Kirche.«

Zukunft Print

Farblich haben die Gestalterinnen sich an dem Violett/Lila des Kirchenjahres orientiert. Sie stehen für Einkehr, Buße und Stille und ziehen sich als Farbcodes durch die drei Perspektiven, die das Glossar aufmacht: die Betroffenen, das System Kirche und das Recht.

Die erste Ausgabe von »G wie Glossar« haben die Gestalterinnen digital veröffentlicht und auf Instagram die einzelnen Buchstaben nach und nach vorgestellt.

Zu Weihnachten (und als die Kirchen so leer blieben wie nie zuvor zum Fest) gab es das Finale der Ausgabe.

An der nächsten Ausgabe, die wieder laut, nackt und bunt werden soll, wie sie sagen, arbeiten sie bereits. In Zukunft aber möchten sie das Glossar auch in gedruckter Form veröffentlichen. Es soll ein Designprojekt mit Sammleranspruch sein, sagen sie. Und, dass sie dafür gerade Partner:innen suchen …

 

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