Farbtrends für Corporate Design und Usability

Warum Designer Farbentscheidungen nicht ins Blaue hinein treffen sollten



Blau, blau, blau … genau: Wenn es ein univer­sel­les, geschlechtsneutrales Faible für eine Farbe gibt, dann für Blau! Das mag evolutionsbiologisch bedingt sein, denn ein blauer Himmel und ein blaues Meer signalisieren schönes Wetter, sprich Sicherheit. Aber natürlich ist Blau nicht gleich Blau. So wollte es auch Sag­meis­ter & Walsh im Rahmen ihres »Beauty«-Pro­jekts ­genauer wissen. Und siehe da, die unter ihren Instagram-Followern durchgeführte Umfrage för­der­te Hellblau als die schönste Nuance zutage. Ob es sich dabei um die beliebteste Variante überhaupt handelt, ist damit allerdings nicht bewiesen. Auf dem Display werden Farben anders wahrgenommen als in gedruckter Form.

Dennoch, auch Top-Marken präferieren Blau. Da­runter IT-Größen wie Facebook, Samsung und HP. Aber warum Blau? Weil es ein Gefühl von Zuverlässigkeit und Stärke vermittelt? Diese Frage ließe sich bei Facebook freilich auch ganz lapidar beantworten: Mark Zuckerberg hat eine Rot-Grün-Sehschwäche. »Blau ist die reichste Farbe für mich – ich kann alle Blautöne sehen«, sagte er dem »New Yorker«. Doch im Ernst: Warum? Während Banken und Versicherungen, die Sicherheit und Ruhe ausstrahlen wollen, noch immer dem Blau vertrauen, setzen Fintechs längst auf andere Farben, um mit einem stimmi­gen, zeitgerechten Erscheinungsbild dem Nachwuchs auf Augenhöhe zu begegnen und den Fokus noch stärker auf die Marke und ihr Produkt zu lenken.

Tradition hin, Trend her, auch wenn sich Farben nicht unbedingt auf die Funktion eines Objekts oder Designs auswirken, sie beeinflussen unser Verhalten: Microsoft zum Beispiel hat für die Links ihrer Suchmaschine Bing diverse Blaus getestet und mit dem Hexadezimalwert #0044CC den Ton gefunden, bei dem der User deutlich häufiger klickt. Zusätzli­che Werbeerlöse in Höhe von über 80 Millionen Dol­lar versprach man sich. Ja, Farben haben einen Wert, der sich auch in Geld ausdrücken lässt. Vielleicht nicht immer rational, wie Yves Klein mit seinem einzigartigen Ultramarin, das er als International Klein Blue patentieren ließ, vor Augen führte: Er legte für elf absolut identische Bilder elf unterschiedliche Preise fest – sie fanden ihre Abnehmer! Heute erzielen seine Monochromien zweistellige Millionenbeträge.

Bis zu 80 Prozent können Farben bei einer Kaufentscheidung ausmachen. Darum treffen auch wir unsere Farbwahl nicht ins Blaue hinein: Obwohl Blau die Kreativität steigert, wie kanadische Wissenschaftler in Hirnleistungstests feststellten, haben wir die Artikel zum Thema Farbe im Inhaltsverzeichnis von PAGE 06.2019 mit der Signalfarbe Rot gekennzeichnet! Rot, rot, rot …

 


Schlagworte: ,




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sieben − fünf =

Das könnte Sie auch interessieren