Der Traum vom Fliegen: Wie Ausstellungsdesign und VR sich perfekt ergänzen

Mit der Virtual-Reality-Anwendung Birdly fliegt man wie ein Vogel durch das historische Ulm. Perfekt ergänzt wird das Erlebnis von einer analogen und wunderbar haptischen Schau.



Spätestens nachdem Simon Boucherie und Stefan Vollmert vom Berliner Atelier Boucherie & Vollmert mit der VR-Anwendung Birdly selbst einen Flug gemacht hatten, war den beiden klar, dass sie in der begleitenden Ausstellung erst gar nicht den Versuch machen wollten, mit dem virtuellen 3D-Erlebnis zu konkurrieren.

Ganz im Gegenteil konzentrierten sie sich statt dessen darauf, mit der Ausstellung einen analogen und haptischen Kontrapunkt zu schaffen, der statt auf Technik auf natürliche Materialien, auf Wärme und einen Wohlfühlfaktor setzt.

Diese Prämissen bildeten die Grundlage zu der Ausstellung, die die Besucher der VR-Anwendung »Der Traum vom Fliegen« in Ulm empfängt.

Ohne zu viel von dem 3D-Flug vorwegzunehmen, soll die Schau diejenigen, die nur einen Blick werfen, neugierig auf das Erlebnis machen und denjenigen, die auf den Flug warten, die Zeit vertreiben – und darauf vorbereiten.

Dabei setzen Boucherie & Vollmert, die beide aus der Filmbranche stammen und ein besonderes Gespür nicht nur für szenische Inszenierungen, sondern auch für das Erzählen haben, auf ein Erlebnis, das ganz auf Materialien wie Stoff, Holz, Stein und malerische Oberflächen basiert, in dezentes Licht getaucht ist und zum Entdecken einlädt.

Ermöglicht ein Stadtplan, der mit der Hand auf Nesselstoff gemalt wurde und mit kleinen Hausmodellen versehen ist, eine erste Orientierung für den anschließenden virtuellen Flug, bietet Anhaltspunkte, wohin man fliegt und welche historischen Gebäude man sieht, führen Zeichnungen, Texttafeln und Erlebnisstationen in die Ulmer Stadtgeschichte ein.

Dafür hat zum Beispiel ein Theatermaler plastisch den Stein des Ulmer Münsters mit dem weltweit höchsten Kirchturm imitiert, steht eine originale Kirchenbank aus dem Kirchenschiff in der Ausstellung, die zu einer Hörstation mit Geschichten über das Münster umgestaltet wurde, gibt es eine Kinderhöhle mit iPad-Inhalten – und wird des berühmten Ulmer Schneiders Berblinger besonders gedacht.

1811 startete dieser auf besonderen Wunsch des Königs mit seinem selbst erfundenen Fluggerät, wurde jedoch von einem Polizisten angerempelt, bekam nicht genug Aufwind und landete unter dem Gejohle der Menge in der Donau. Als Lügner verspottet, blieb die Kundschaft anschließend aus und der Berblinger verarmte. Umso tragischer ist, dass Experten später heraus fanden, dass sein Fluggerät unter besseren Bedingungen durchaus abheben hätte können.

In der Ausstellung des Ateliers Boucherie & Vollmer ist der Berblinger jetzt auf die Wand gezeichnet, kühn mit der Schneiderschere in der Tasche und dem Fluggerät auf den Schultern und dient als Messlatte. Stellen Kinder sich auf einen alten Holzsockel, kann kontrolliert werden, ob sie die benötigte Mindestgröße für einen Flug mit Birdly haben. Denn mit der VR-Brille liegt man dabei auf einer speziellen Vorrichtung.

Mehr zu der 3D-Flugsimulation Birdly, die neue Standards im Bereich Virtual Reality setzt, hier – und in PAGE 10.2017.


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