»Unsere Kreativität wird schon lange nicht mehr nur dafür gebraucht, Formvarianten herzustellen«

Was erwarten Unternehmen heutzutage von Designern? Wie muss man sich positionieren, um als Gestalter ernst genommen zu werden? Philipp Thesen, Professor für Mensch-System-Interaktion, gibt Antworten.



Was ist Design wert – und in welche Richtung bewegt sich das Berufsbild? Damit beschäftigen wir uns in PAGE 05.19.

Dafür sprachen wir unter anderem mit Philipp Thesen, seit 2018 Professor für Mensch-System-Interaktion im Studiengang Industrie-Design an der Hochschule Darmstadt. Parallel ist er als Strategieberater tätig und hilft Unternehmen, Design in ihrer Organisation effektiv zu füh­ren und für die Transformation von Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen zu nutzen. Davor war er Designchef bei der Deutschen Telekom und verantwortete in dieser Posi­tion die Gestaltung aller Produkte und digitalen Dienste des Unternehmens. Wir sprachen mit ihm über die Potenziale von Design in Unternehmen und darüber, wie sich die Rolle des Designers ändern muss, um diese zu entfalten.

Welchen Beitrag leistet Design zu geschäftlichem Erfolg?
Philipp Thesen: Der Beitrag von Design ist jetzt und in Zukunft höher als je zuvor. Das liegt vor allem daran, dass durch die Digitalisierung die Ansprüche an das Kundenerlebnis und die Ver­gleichbarkeit von Angeboten enorm gestiegen sind. Durch den globalen Wettbewerb ist Differenzierung unglaublich wich­tig. Früher habe ich nebenan im Laden gekauft, was es dort gab – und hatte keine Ahnung, was es am anderen Ende der Welt zu kaufen gibt. Heute weiß ich das und kann die Preise auf Knopfdruck vergleichen. Damit das ganze Erlebnis mit einem Produkt oder einem Service positiv bewertet wird, braucht es Design. Nur darüber lässt sich Wertschöpfung für die Nutzer erzielen.

Und was ist mit der Wertschöpfung für Unternehmen?
In dem Moment, in dem man Wert für den Kunden schafft, tritt auch Sinnstiftung ein. Design hilft Unternehmen dabei heraus­zufinden, wofür sie stehen – und wo sie hinwollen.

Design wirkt universell – das ist Fluch und Segen zugleich, weil man schwer mit dem Finger auf den konkreten Beitrag zeigen kann

Das klingt etwas schwammig. Manager wollen Zahlen sehen.
Design wirkt universell – das ist Fluch und Segen zugleich, weil man schwer mit dem Finger auf den konkreten Beitrag zeigen kann. Ich habe 2017 gemeinsam mit dem Rat für Formgebung einen Arbeitskreis zum Thema Design und Digitalisierung ­in­i­tiiert, in dem unter anderem Unternehmen wie SAP, Volkswagen, Lufthansa, Deutsche Bahn, Siemens und die Commerz­bank vertreten sind. Auch dort hat sich ziemlich schnell her­ausgestellt, dass die Unternehmen sich eine Systematik wünschen, mit der sich der Beitrag von Design zur digitalen Transformation messen lässt.

Wo könnte man hier ansetzen?
Zum Beispiel bei einer gemeinsamen Betrachtung von Kun­den­erlebnis, Prozessen, Unternehmenskultur, Geschäftsmodell und Strategie. Das Kundenerlebnis hat ja nicht allein mit dem Produkt oder dem Service zu tun, sondern ist das Ergebnis der Struktur dahinter. Um ein ganzheitliches, positives Nutzungs­erlebnis zu schaffen, müssen Konzerne entsprechend aufgestellt sein – also keine Silos, Designer in hohen Positionen et cetera.

Wieso tun sich viele Unternehmen so schwer damit?
Viele haben gewachsene Strukturen, und solange das Kerngeschäft gut funktioniert, wirft kein CEO diese über den Haufen. Dazu kommt, dass Design langfristig wirkt, die meisten Unternehmen aber nach kurzen Zyklen wie Quartalen arbeiten. Kreativität sehen sie häufig als Risiko, weil man sie so schlecht planen kann. Das kann man nur dadurch aushebeln, dass man neue Geschäftsmodelle entwickelt. In dem Moment, in dem das Geld von einer anderen Seite reinkommt, muss man die ­alten Machtverhältnisse nicht mehr weiter stützen und kann die Unternehmenskultur verändern.

Das komplette Interview lesen Sie in PAGE 05.19, die Sie hier erwerben können.

[7479]

Schlagworte: , ,




Eine Antwort zu “»Unsere Kreativität wird schon lange nicht mehr nur dafür gebraucht, Formvarianten herzustellen«”

  1. Alte Designvorstellungen sollen über Bord geworfen werden und als Beispiel wird Dieter Rams und Braun angeführt? Vielleicht sind die alten Designvorstellungen die neuen. Gutes Design hat auch im Design-Altertum (Stichwort Bauhaus) nie nur an der Oberfläche gekratzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren