Traumjob: Wie ist es, als Art-Direktor für das Magazin »GOOD« zu arbeiten?

PAGE hat nachgefragt und stellt in einer Miniserie Inhouse-Gestalter vor, die für nur ein Unternehmen arbeiten. Das hier ist Teil 2 mit Tyler Hoehne, Art-Direktor bei GOOD …



»Good« – der Name ist Programm bei dieser gesellschaftlich engagierten Medienplattform aus den USA. Art-Direktor Tyler Hoehne berichtete uns von seinem Job:

»Das glamouröse Leben eines Artdirektors besteht an vielen Tagen ja bloß aus E-Mails und Meetings … Aber es gibt auch aufregende Momente! Mein bisher bestes Projekt war die erste Ausgabe unseres Magazins nach der Trump-Wahl. Am Tag danach hatten wir eine Konferenz, die Stimmung war unglaublich emotional. Das Heft war eigentlich fast fertig für den Druck. Da beschloss unsere Chefredakteurin Nancy Miller, 27 Seiten rauszuwerfen und von vorn anzufangen. Schnell kam die Idee zu einem »Survival Guide« auf, weil wir uns alle selbst fragten, was wir im Moment gern lesen wollten. Ich stellte mir etwas durchdacht Rebel­li­sches vor, also nicht wütend, aber doch mit einer gewissen, angemessenen Aggressivität. Wir arbeiteten mit der phä­nomenalen, sehr smarten Illustratorin Ariel Roman zusammen, die einen perfekten Punk-Look einbrachte. Das Tüpfelchen auf dem i war dann, dass unser »Survival Guide« im Februar bei den National Magazine Awards preisgekrönt wurde.

Zu GOOD kam ich vor etwas mehr als fünf Jahren. Ich hatte das Magazin während der Ausbildung kennengelernt und war beeindruckt von Design und inhaltlicher Substanz. 2011 gab es eine Stellenausschreibung für GOOD Corps, einen Teil der Firma, der für Kunden Werbeprojekte realisiert. Inzwischen arbeite ich aber meist im redaktionellen Bereich.

Vor GOOD war ich Designer bei der Rockharbor Church in Orange County – lustig, von so einem Arbeitgeber in die Medien zu wechseln! Studiert habe ich an der California Baptist University, einer religiösen priva­ten Hochschule, und das eigentlich nur, weil mein Bruder dort hinging und ich ihm blind folgte. Dort entschied ich mich für den neu gestarteten Studiengang Design. Besonders gut auf die Arbeitswelt vorbereitet war ich durchs Studium nicht, aber bei Rockharbor habe ich alles fix gelernt: Print- und Digitaldesign, Illustration, Layout … mit echten Deadlines!

Auch bei GOOD tue ich recht unterschiedliche Dinge. Mal arbeite ich für das Heft, mal für digitale Medien, mal für Kundenprojekte oder unser eigenes Marketing. Entweder gestalte ich selbst, oder ich übernehme die Artdirektion und heuere Designer oder Fotografen an. Meine Briefings formuliere ich möglichst soft, denn je besser die Kreativen sich mit ihrer Stimme ins Projekt einbringen können, desto mehr Spaß macht es – sie sollen Partner und keine Dienstleister sein.

Die Trump-Wahl hat deutlich mehr Chaos und Stress in unsere Arbeit gebracht, aber sie hat uns auch enger mit­­einander verbunden.

Ich glaube, dass die Leser sich ehrlichen, hoffnungsvollen Content wünschen, der unterschiedliche Sichtweisen einbringt und zudem praktische Wege aufzeigt, wie man sich für wichtige Anliegen einsetzen kann. Es ist eine aufregende Zeit, um in den Medien zu arbeiten. Ich hoffe, GOOD bleibt ein Ort, an dem man sich immer wieder verge­wissern kann, dass es noch Menschen gibt, die versuchen, die Welt ein wenig besser zu machen.«

Tyler Hoehne war zunächst etwas nervös, als er für das Cover ­der ersten nach der Wahl von Donald Trump erschienenen Ausgabe von »GOOD« einfach ­die Buchstaben des Logos umstellte. Aber ­das Team liebte es.


Anfangs war »GOOD« für seinen infografischen Stil bekannt. Tyler Hoehne rückt vom inflationären Gebrauch der Diagramme allmählich ab. Der »Survival Guide« entstand spontan nach dem überraschenden Sieg ­von Donald Trump zusammen mit der Illustra­torin und Gestalterin Ariel Roman.


»GOOD«
Magazin für Weltverbesserer

GOOD Worldwide Inc ist ein Unternehmen mit Sitz in Los Angeles und New York. Es gibt das vierteljährlich erscheinende Magazin heraus und betreibt die vielbesuchte Website  www.good.is  . Außerdem besitzt es mit GOOD Corps ­eine Beratungsfirma sowie mit GOOD Studio eine Kreativagentur, die Marken wie PayPal, Levi Strauss, Starbucks oder die United Nations Foundation bei sozial ausgerichteten Kampagnen unterstützen. Im Januar übernahm GOOD Worldwide Inc die erfolgreiche sozial und politisch engagierte Plattform Upworthy. Gemeinsam erreichen beide ­Unter­­nehmen nun 276 Millionen Menschen auf Facebook.


Teil 1 mit Cécile Chavepayre, Artdirektorin bei ARTE

 


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