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»Skandalös«: Wieso nur Wenige die Pantone-Bibliotheken in Adobe vermissen

Bis hinter die Paywall von Spiegel Online hat es die News geschafft: In den Software-Updates ab November 2022 werden in Illustrator, Photoshop und InDesign nur noch drei Pantone-Bibliotheken verfügbar sein. Für alle weiteren der insgesamt 15000 Farben in Adobe müssen Nutzer:innen ab sofort das Pantone Connect-Plug-in nutzen und bezahlen.

Keine Schriften installiert, aber in InDesign 17.3 sind noch alle zehn Pantone-Bibliotheken verfügbar und wir haben ein altes, aber echtes Beispiel von 2009 aus dem Archiv gekramt – das erste Weave-Cover in Neon-Orange / Pantone 805 C. Screenshot 7.11.22

Dass in kommenden Versionen von Photoshop, Illustrator und InDesign nicht mehr alle Pantone-Bibliotheken vorhanden sein würden, hatte sich schon länger abgezeichnet, erste Berichte dazu erschienen bereits vor knapp einem Jahr und seitdem brodelte die Gerüchteküche.

Aber erst mit dem letzten Update und unter sehr speziellen Umständen, macht sich diese Tatsache inzwischen bei einigen Photoshop-User:innen bemerkbar – und die sind verständlicherweise erschrocken über das Vorgehen der beiden Service-Anbieter. Diese konnten sich offenbar nicht auf ein neues, umfassendes Lizenzmodell einigen, so dass Nutzer:innen der aktuellen Photoshop-Version nun vor einem Problem stehen.

Öffnet man alte PSD-Dateien, in denen man beispielsweise im Duplex-Modus einen Sonderfarben-Kanal mit Pantone-Farben angelegt hat, so zeigt die neue Version die gefärbten Flächen nicht in einer möglichst ähnlichen Farbe, sondern in Schwarz.

Wer sich an Zeiten erinnern kann, in denen die Pantone-Farben noch nicht in Grafik-Softwares implementiert waren, weiß natürlich, dass und wie man trotzdem in Sonderfarben drucken kann.

Was ändert sich ohne Pantone-Bibliotheken?

Nun ja, möglicherweise verstehen viele Menschen außerhalb der Design- und Kreativbranche den Sinn eines Farbsystems wie Pantone auch nur unzureichend, und dass es bei den Lizenzen für die Farbbibliotheken nicht um das Copyright auf bestimmte Farben geht, sondern um einen Standard (mit genau definierten Farbräumen und Mischverhältnissen der 18 Basistinten), den man benutzen möchte, um Farben zum Beispiel zwischen Grafikdesigner und Druckerei eindeutig zu kommunizieren.

Das ist für viele Designer aber auch nicht so wichtig, wie gesagt, betrifft es vor allem diejenigen, die Pantone-Farben nutzen wollen, um damit ein physisches Produkt zu gestalten. »Eine Verpackung, einen Stoff, vielleicht kommen die Sonderkanäle in Photoshop noch bei der Highend-Automobil-Bildbearbeitung zum Tragen, aber die meisten Nutzer:innen werden den Verlust kaum bemerken«, erklärt Kommunikationsdesigner und InDesign-Experte Rainer Klute.

Er setzt sich schon länger mit dem Thema auseinander und hat uns auf eine Umfrage seiner InDesign User Group Hamburg Anfang des Jahres hingewiesen. In nur rund 30 Prozent der Aufträge kamen Sonderfarben zum Einsatz.

»Unter Nachhaltigkeitsaspekten sind Sonderfarben, vor allem metallische und Neon-Farben nie eine gute Wahl.«

Klute sieht die Sache also gelassen, zumal die zuletzt verfügbaren Bibliotheken schon längst nicht mehr dem aktuellen Stand von Pantone entsprachen und damit als obsolet gelten können. »Pantone hat in den letzten zehn Jahren, in denen die Bibliotheken bei Adobe nicht aktualisiert wurden, ständig etwas an den Rezepturen verändert, mal ein Prozent mehr hiervon und mal ein Prozent weniger davon«, erklärt Klute.

Jedenfalls ein Mittel, um regelmäßig neue Farbmatching-Utensilien an die Kreativen zu bringen, die damit arbeiten müssen. Aus unternehmerischer Sicht sind da Abo-Modelle natürlich absolut sinnvoll, fraglich ist eher der Nutzen der Sonderfarben. Wie unserer Art Direktorin Christine Krawinkel anmerkt: »sind Sonderfarben, vor allem metallische und Neon-Farben unter Nachhaltigkeitsaspekten nie eine gute Wahl.«

Alternativen zu Pantone-Bibliotheken

Und natürlich gibt es Alternativen zu Pantone, vor allem im europäischen Raum RAL oder das von Adobe unterstützte HKS. In den USA und global ist Pantone hingegen marktführend und mache Kreative müssen wohl auf den Standard zurückgreifen, um ein konsistentes Farbmanagment in der physischen Welt zu gewährleisten.

Sollten sie dies bisher mit den veralteten Bibliotheken in Adobe realisiert haben, erscheint das zwar nicht sehr valide, aber es besteht immerhin die Möglichkeit, diese Bibliotheken – es sind zehn .acb-Dateien – aus älteren Software-Versionen heraus zu kopieren/ speichern und in den neuen Versionen am gleichen Ort wieder zu hinterlegen.

Unter Programme >Adobe InDesign >Presets >Swatch Libraries finden sich die zehn Dateien. Einfach Kopieren und in der neuen Version am gleichen Ort ablegen. Screenshot 7.11.22

Darüber hinaus bietet Pantone eine eigene Lösung an, um mit den aktuellen Farbdaten in Adobe zu gestalten. Dazu müssen wir uns bei Pantone Connect registrieren und können sieben Tage lang das Pantone Connect Plug-in für Adobe testen, bevor es mit rund 15 Euro im Monat oder 90 Euro im Jahr kräftig zu Buche schlägt. Vorrausgesetzt wir arbeiten nicht mit einem neuen Mac mit M1-Prozessor, denn auf diesem läuft die Software nicht nativ in Photoshop.

In der Gratis-Testversion kann man nach Farben suchen. Für alle weiteren Funktionen, wie Farbinformationen oder Vollbildansicht muss man auf die kostenpflichtige Version umsteigen. Screenshot 8.11.22

Ein aufwändiger Workaround bestünde noch darin, die besonderen Lab-Werte für jede Farbe händisch in den Adobe-Softwares anzulegen. Es gibt allerdings mit Freetone bereits eine kostenlose Bibliothek im Web, die man installieren kann und die vorgibt, möglichst nah an Pantones Farbtöne heranzureichen.

Was denkt ihr? Sind die Vorwürfe einiger Prominenter wie Stuart Semple oder Cory Doctorow gerechtfertigt oder muss Pantone schließlich auch von etwas leben? Hätte Adobe anders reagieren können/sollen? Werdet ihr das Plug-in nutzen?

Fest steht, dass Pantone ohne Adobe heute nicht so verbreitet wäre, Pantone verliert mit diesem Schritt möglicherweise seinen großen Einfluss, wenn Nutzer:innen schon heute auf andere und gegebenenfalls genauere Farbsysteme zugreifen können.

Wer ist der Buhmann?

 

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Wer sich zu den Pantone-Bibliotheken tiefer einlesen möchte, findet hier eine Liste von Rainer Klute und uns mit fundierten Artikeln zum Thema.

Produkt: eDossier: »Pflicht und Kür im Etikettendesign«
eDossier: »Pflicht und Kür im Etikettendesign«
Aufkleber und Etiketten gestalten und drucken – Grafikdesign und Typografie, Papiersorten und Papierveredelung, Pro & Contra Digitaldruck / Offsetdruck

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Danke für all die interessanten Kommentare! Die Idee, dass Adobe ein eigenes Farbsystem entwickelt, finde ich am besten. Zu den “simplen Farbbaukästen”: neben den europäischen HKS und RAL sind bei Adobe noch ANAP, TOYO und DIC installiert…letzterem gehört immerhin der weltweit größte Tintenhersteller Sun Chemical & sie bieten mit dem DIC Digital Color Guide auch eine kostenlose! App an.

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