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New Now: Radikale Renaissance

In PAGE 12.2021 beleuchten wir Gestaltungsansätze für eine Zeit, in der das Schlimmste noch vor uns liegt, sofern wir uns nicht von alten Denkmustern verabschieden // Create forward!

Die Cover-Illustration zeigt den Kreativspace, den der Designer und Künstler Jerszy Seymour 2020 für (Zukunfts-)Visionen im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eingerichtet hatte (New Cosmological Environment #1 aka Orsimanirana)

 

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Surreale Stadtansichten à la Giorgio de Chirico, Klorollen à la Gerhard Richter . . . neue Zeiten, neue Ansätze? – Nun, wie wir Krisen wahrnehmen und sich unsere Wirklichkeiten wandeln, hat immer auch mit Bildern zu tun. Sprich damit, wie und über welche Symbole unsere Erfahrungen und Erlebnisse in das kulturelle Gedächtnis übergehen, wo sie dann in ­einem fort neu bewertet und interpretiert werden. Von der Spanischen Grippe in der Zeit nach dem Ers­ten Weltkrieg gibt es nicht zuletzt zensurbedingt relativ wenige Lichtbilder und auch kaum Darstellun­gen in der Kunst. So hat sich diese Pandemie tatsäch­lich nur sehr vage in unsere Erinnerung gegraben. Die Schwarzweißfotografien der dicht an dicht gedrängten Krankenbetten mussten uns die Medien erst wieder vor Augen führen.

Auch die Schnabelmaske war in ihrer Zeit eher eine Randerscheinung. Ihr bizarres Aussehen wurde jedoch in Zeichnungen festgehalten und retrospektiv (seit dem 19. Jahrhundert) im öffentlichen Bewusst­sein zum Sinnbild der Pest. Ja, rückwirkend, genauso wie auch die im 18. Jahrhundert aufkeimende Abnei­gung gegen körperliche Nähe erst im Nachhinein mit gesundheitlichen Notwendigkeiten untermauert wur­de: Das Physical Distancing der Aufklärungszeit ist das Ergebnis einer von medizinischen Maßnahmen losgelösten Entwicklung, nämlich das einer sich verschärfenden gesellschaftlichen Distinktion.

Wie wird man wohl auf heute zurückblicken? Auf Instagram werden Tag für Tag 100 Millionen Fotos und Videos geteilt, auf Facebook soll der Tages-Upload sogar bei 350 Millionen liegen. Welche Bilder werden unsere Wahrnehmung prägen? All die Mona-­Lisa-mit-Mundschutz-Memes und Abstandswah­rer, die uns trotz Distanz verbinden sollten, haben längst ihren Reiz verloren. Auch die Leere und Sterilität im öffentlichen Raum waren zu schnell zur Normalität geworden, als dass sie noch für interessante Bilder herhalten könnten. In der Kunst galten bald schon wieder Nähe und Körperkontakt als Mittel der Wahl.

Provokation? Nostalgie? In PAGE 12.2021 richten wir den Blick nach vorn: Wir antizipieren Denkmodelle für eine Zeit, in der uns das Schlimmste noch bevorsteht, sofern wir uns nicht von alten Vorstellungen und Gewohnheiten trennen und die aktuellen Ungewissheiten als Gestaltungsauftrag verstehen. Wir reflektieren die transformative Kraft von Design und verhandeln, welch zentrale Rolle Radikalität beim Imaginieren und Formen neuer, erstrebenswerter Welten spielen. – Create forward!

 

PAGE 12.2021

New Now: Radikale Renaissance ++ Ratgeber: Ausbildungsberuf Designer:in ++ Indie Mags: Print & Politics ++ SPECIAL GMUNK ++ Making-of: Das Bubbleversum von JvM ++ Sans Serif Capitana ++ ++ Tablet statt Grafiktablett & Laptop ++ Extra-Booklet Print, Paper, Finishing

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Surreal cityscapes in the style of Giorgio de Chirico, toilet paper rolls in the style of Gerhard Richter . . . new era, new approach? – Well, the way crises are perceived and our realities change, also always depends on pictures. That is to say, how and by what symbols our experiences are shaped into cultural and collective memory, where they get perpetually rated and interpreted. Not many photographs and artistic depictions exist of the years of the Spanish Flu after World War I, in no small part due to censorship. That pandemic only established itself vaguely in our memory. The media had to remind us of the existing black and white photos of the densely packed rows of sickbeds.

The beaked mask, too, was more of a peripheral phenomenon at the time. But its bizarre look was put on record by drawings, and in retrospect (since the 19th century) it became a symbol of the plague in the collective conscience. Yes, retroactively, just like the emerging aversion against physical proximity in the 18th century was backed by public health needs after the fact: in the Age of Enlightenment, physical distancing was the result of a development irrespective of health measures, namely, that of an intensi­fying social distinction.

How will people look back on today? On Instagram, hundreds of millions of pictures and videos are being shared every day, the daily upload on Facebook is estimated to be 350 million. Which images will affect our perception? The masked Mona Lisa memes and the distance minders, that were meant to connect us while being apart, all lost their appeal already. Emptiness and sterility in the public space have become normal too fast to be considered interesting images. In the arts, closeness and physical contact soon were their tools of choice.

Provocation? Nostalgia? In PAGE 12.2021 we will look ahead: we anticipate hypotheses for a time when the worst will be yet to come, if we don’t let go of old conceptions and habits, and don’t take current insecurities as the order to create. We reflect on the transformative power of design and negotiate the crucial role of radicalness when it comes to imagining and shaping new, desirable worlds. – Create forward!

 

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