»Einzelkämpfer werden von Chefs nicht bevorzugt!«

Vor allem in der Kreativbranche ist Teamwork das A und O. Mit seiner Firma Rexer und Roth begleitet Thorsten Rexer Veränderungen in Organisatio­nen, unterstützt beim Umgang mit Kon­flikten und gibt Teamentwicklungsseminare (http://rexerundroth.de).



Vor allem in der Kreativbranche ist Teamwork das A und O. Mit seiner Firma Rexer und Roth begleitet Thorsten Rexer Veränderungen in Organisatio­nen, unterstützt beim Umgang mit Kon­flikten und gibt Teamentwicklungsseminare (http://rexerundroth.de).

Wenn Sie von einem Unternehmen eingeladen werden, drückt dort offenbar der Schuh. Was sind die häufigsten Probleme?
Thorsten Rexer: Meistens geht es da­rum, Prozesse, die auf dem Papier exis­tieren, auch in der Praxis zu verankern. Dabei spielen wir aber nicht Feuerwehr – die meisten Verantwortlichen sind sich darüber bewusst, dass sie bereits zu Beginn von Organisationsveränderungen professionelle Unterstützung brauchen. Liegt es denn eher an den Chefs oder an den Mitarbeitern, wenn Strukturen nicht funktionieren? Das bedingt sich  gegenseitig. Wenn es etwa um Veränderungen geht, rücken Führungskräfte nicht ger­ne mit Informationen heraus. Das führt dazu, dass Mitarbeiter sich eigene Gedanken machen und es zu Unmut kommen kann.

Apropos Unmut: Häufig stehen sich die Harmonie im Team und der Hunger nach Erfolg Einzelner im Wege. Wie erarbeite ich mir eine Position, ohne dass dies auf Kosten anderer geht?
Wer auf die Karriereleiter klettern will, sollte wissen, dass man als Einzelkämpfer nicht weit kommt. Darüber ist man sich heute auch in den Führungsetagen einig. Einzelkämpfer werden von Chefs nicht bevorzugt!
Auch nicht, wenn sie in ihrem Job sehr gut sind? Große Fachexpertise ist natürlich ein dicker Bonus im Job. Aber man sollte sich nicht auf seinem Wissen und seinen beruflichen Fähigkeiten ausruhen.

Sondern?
Gute Beziehungen sind heute von entscheidender Bedeutung, und man muss an ihnen arbeiten. Suchen Sie Kontakt zu Kollegen, helfen und unterstützen Sie sich gegenseitig. Dabei geht es nicht darum, den Gutmenschen zu spielen, sondern darum, Verbindlichkeiten zu schaffen. Frei nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir.“

Sich ein gutes Standing zu erarbeiten, ist eine Sache. Es zu behalten eine andere.
Richtig. Deswegen sollte man sein Beziehungsmanagement auch ständig fortführen und sich weiterentwickeln. Wenn Sie das Gefühl haben, etabliert zu sein, übernehmen Sie ruhig mal die Sprecherrolle für Ihr Team, ergreifen Sie im Meeting das Wort für die Belange der Kollegen. So stechen Sie aus der Masse heraus und arbeiten an Ihrem Erfolg.

Überstunden und Wochenendarbeit sind in der Kreativbranche normal. Wie kann ich Grenzen ziehen und diese vor dem Chef und den Kollegen verteidigen?
Das Problem ist, dass die meisten ihre Grenzen nicht kennen. Der erste Schritt besteht darin, sich selbst klar zu machen, was einem wichtig ist. Betreiben Sie Ihr eigenes Erwartungsmanagement. Das heißt: Machen Sie sich Ihre Erwartungen bewusst und legen Sie fest, wie Sie mit denen von Chefs und Kollegen umgehen. Denn glaubwürdig argumentieren können Sie nur, wenn sie sich selbst sicher sind.

Gut. Aber wie setze ich meine Vorhaben im Arbeitsalltag um?
Soziale Kompetenz kann man lernen und trainieren. Ein Beispiel dafür ist ei­ne vierstufige Strategie für gewaltfreie Kommunikation, die Sie nutzen können, wenn sich die Erwartungshaltung eines Kollegen nicht mit Ihrer deckt.

Wie sieht das konkret aus?
Erstens: Wiederholen Sie die Forderung des Kollegen und schildern Sie, wie diese bei Ihnen angekommen ist. Zweitens: Beschreiben Sie, wie Sie sich damit fühlen. Drittens: Formulieren Sie Ihre eigenen Bedürf­nisse. Viertens: Schlagen Sie sinnvolle Lösungen vor. Denn mit Ausreden kommen Sie auf keinen Fall weiter.


Das klingt ein bisschen nach Therapie. Im stressigen Agenturalltag fehlt dafür wohl die Zeit.

Das höre ich oft bei dieser Methode. Sie ist aber keineswegs ein therapeutisches Gespräch. Wir reden hier über zwei, drei Sätze, die, wenn man sie richtig anbringt, die Schärfe und das Tempo aus einer potenziellen Konfliktsituation nehmen.

Was raten Sie Arbeitnehmern, denen es trotzdem noch besonders schwer fällt, Nein zu sagen?
Meiner Erfahrung nach haben Mitarbeiter, die im Job keine Bitte ausschlagen können, im Privatleben oft dasselbe Problem. Üben Sie, Nein zu sagen, und zwar nicht erst im Ernstfall. Probieren Sie es gegenüber Ihrem Partner oder anderen vertrauten Personen aus und beobachten Sie, was passiert.

Im Strudel der Arbeitswelt geben Rituale Halt. Können Sie eines empfehlen?
Gerade wenn in Teams gearbeitet wird, halte ich eine regelmäßige Morgenrunde zu einem festen Zeitpunkt für sinnvoll. Diese soll nicht die Konferenz oder das Meeting ersetzen, sondern ist ein Fixpunkt im Arbeitsalltag. Fünf Minuten täglich reichen aus, um sich über anstehende Aufgaben auszutauschen oder um etwa neue Kollegen vorzustellen. Besonders in der Kommunikationsbranche wechseln die Konstellationen häufig, da kann eine solche Morgenrunde das Arbeitsklima extrem verbessern. jf

Die komplette Titelgeschichte »Geld oder Leben« lesen Sie in der Printausgabe PAGE 01.2011.


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2 Kommentare


  1. Tom

    Tja da kann ich nur Zustimmen. Anders funktioniert ein Arbeiten auf Dauer nicht. Irgendwann geht der Spaß und die Motivation verloren.


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