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Coverdesignerin Sarah Pilger: »Unendliche kreative Vielseitigkeit«

Zeromedia-Artdirektorin Sarah Pilger im Gespräch über ihren Werdegang, ihren Gestaltungsprozess, Trends im Buchdesign und Tipps für angehende Buchgestalter:innen.

Faszinierendes Cover, schöner Umschlag, angenehmes Papier und Aufschlagverhalten: Nicht nur der Inhalt macht ein gutes Buch aus. Das wissen Gestalter natürlich. Für unseren Artikel über Buchdesign in PAGE 5.21 haben wir mit unterschiedlichen Buchdesignern gesprochen.

Unter anderem mit Sarah Pilger, Artdirektorin bei zeromedia in München.

Wie bist du zum Buchdesign gekommen?
Ich habe eine Ausbildung zur Schauwerbegestalterin gemacht (heute heißt das Gestalterin für visuelles Marketing) und danach an der Fachschule für Werbegestaltung in Stuttgart einen Abschluss als staatlich geprüfte Werbegestalterin gemacht. Da ich mich für die Gestaltung von Buchcovern interessiert habe, bewarb ich mich initiativ bei der Münchner Agentur zeromedia, die darauf spezialisiert ist. Mittlerweile arbeite ich dort seit 11 Jahren.

Was ist dein Schwerpunkt?
Wir machen Covergestaltung für Sachbücher und Belletristik. Für einige Verlage gestalten wir die kompletten Programme. Zu unseren Kunden gehören unter anderem der Aufbau Verlag, Ullstein, Rowohlt, und Goldmann. Ich persönlich mache gerne Sachbücher und Frauenliteratur. Ich schätze, dass ich pro halbjährlichem Programm zwischen 30 und 50 Titel gestalte, darunter sind aber auch Autorenausstattungen, bei denen der Look schon feststeht. Mein Traumprojekt wäre, mal ein Kochbuch zu gestalten – komplett von vorne bis hinten.

Was gefällt dir besonders am Buchdesign?
Ich mag vor allem die unendliche kreative Vielseitigkeit, die sich durch die Geschichten in den Büchern der verschiedenen Genres ergibt – historische Romane, Krimis, Thriller, Frauenunterhaltung, Fantasy, anspruchsvolle Literatur, Sachbücher und so weiter. Und es ist einfach schön, am Ende eines Gestaltungsprozesses ein so tolles Endprodukt wie ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten. Das Beste ist, es dann in der Lieblings-Buchhandlung um die Ecke im Schaufenster oder auf den Büchertischen zu sehen!

Wie gehst du an die Gestaltung heran?
Bei den Briefings von Verlagen bekommen wir eine Kurzfassung des Inhalts und Rahmeninformationen wie Zielgruppen und Konkurrenzumfeld. Unsere Aufgabe ist es, die Zuordnung zu einem Genre zu ermöglichen und gleichzeitig eine eigenständige Ansprache zu finden. Meine Ideen entstehen bei der Bildrecherche. Wenn das Buch zum Beispiel in einem bestimmten Land oder einer Region spielt, schaue ich mir an wie es dort aussieht und durchstöbere das Angebot von Bildagenturen. Ich fange immer schnell an zu machen und auszuprobieren. Dabei entstehen oft Ideen, die sich ein bisschen weiter vom Briefing entfernen. Die reiche ich dann bei den drei bis sechs Entwürfen mit ein, die wir dem Verlag vorlegen – und freue mich, wenn sich der Kunde auf ein innovativeres Cover einlässt.

Welche deiner Bücher magst du besonders (und warum)?
»Frida« von Maren Gottschalk (Goldmann): Das ist ein Beispiel für so ein innovativeres Cover. Die Künstlerin hatte ich schon vorher entdeckt und dieses Stickbild von Frida Kahlo war mir im Gedächtnis geblieben. Ich habe mich sehr gefreut, dass es genommen wurde, denn die Referenzen aus dem Briefing sahen ganz anders aus.


»Der Königsspiegel. Fahrten und Leben der alten Norweger« (Die Andere Bibliothek): Hier durfte ich den Schuber gestalten – ein Erkennungsmerkmal der Verlags – sowie die Vorsatzseiten.


»Die Erfindung des Dosenöffners« von Tarkan Bagci (Ullstein): Der Roman steht gerade auf der Bestsellerliste.
Tarkan Bagci war direkt in der ersten Woche nach Erscheinungstermin auf Platz 19 der Bestsellerliste. Und eine Platzierung unter den Top 20 ist schon eine Auszeichnung! ☺

> Mehr Bilder in der Galerie unter dem Interview

Gibt es andere Buchgestalter, die du bewunderst?
Ich mag den Instagram-Kanal @shedesignsbooks. Dort stellen Anne Twomey und Nicole Caputo die Arbeiten von tollen Buchdesignerinnen vor.

Welche Trends beobachtest du gerade im Buchdesign?
Das hängt stark vom Genre ab. Der Erfolg des Buchs »Die kleine Bäckerei am Strandweg« hat zum Beispiel in der Frauenliteratur einen Trend zu Fotomontagen mit idyllischen Szenerien losgetreten. Im Bereich Young Adult und Romance sind gerade Glitzer, Leuchtpunkte und ein metallischer Look sehr in. Allgemein habe ich das Gefühl, dass Cover wieder reduzierter werden. Außerdem übernehmen wir jetzt öfter Original-Cover aus den USA oder UK, auf denen die Typo häufig sehr groß und laut ist. Das hängt wohl damit zusammen, dass immer mehr Bücher online verkauft werden und die Vorschaubilder dort so klein sind.

Was sind deine Tipps für angehende Buchgestalter?
Bei den Vorstellungsgesprächen in unserer Agentur finde ich es immer gut, wenn Bewerber sich schon mal konkret mit Covergestaltung auseinandergesetzt haben. Das kann auch ganz frei sein, zum Beispiel ein Cover für ihr Lieblingsbuch. So merkt man nämlich, dass man in diesem Format sehr wenig Platz für relativ viele Informationen hat. Es zeigt sich schnell, ob jemand ein Gespür dafür hat oder nicht. Für viele unserer Aufträge braucht es außerdem großes Photoshop-Geschick. Die wenigsten Cover bestehen aus nur einem Bild, es geht viel um Composing, Freistellen und Montieren.

Maren Gottschalk – Frida
1/9
Tarkan Bagci – Die Erfindung des Dosenöffners
2/9
Stephen Frey – Was uns die Götter heute sagen
3/9
Emily Fridlund – Eine Geschichte der Wölfe
4/9
Walt Whitman – Jack Engles Leben und Abenteuer
5/9
Lukas Rietzschel – Mit der Faust in die Welt schlagen
6/9
Henriette Hell – Erst kommen, dann gehen
7/9
E. O. Chirovici – Das Buch der Spiegel
8/9
Der Königsspiegel – Fahrten und Leben der alten Norweger
9/9

In Kürze veröffentlichen wir weitere Interviews mit weiteren spannenden Buchdesigner:innen. Um nichts zu verpassen, meldet euch am besten für unseren Newsletter an!

Weitere Interviews:

Friedrich-W. Graf von Unfolded aus Zürich

Und hier geht es zu weiteren hilfreichen Quellen zum Thema Buchdesign

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PAGE 05.2021

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