Wie man Tattoo-Artist wird

Heute kommt PAGE 03.2012 an den Kiosk, mit einem großen Artikel über Tattoo-Trends. Zu den vorgestellten Artists gehört Miriam Schiran, die in diesem Online-Beitrag erzählt, wie man vom Studium an der Kunstakademie zum Tätowieren kommt.



Heute kommt PAGE 03.2012 an den Kiosk, mit einem großen Artikel über Tattoo-Trends. Zu den vorgestellten Artists gehört Miriam Schiran, die in diesem Online-Beitrag erzählt, wie man von Studium an der Kunstakademie zum Tätowieren kommt.

Ursprünglich habe ich an der Akademie der Bildenden Künste in München Bildhauerei studiert, da auch 2006 ganz brav mit Meisterschülerdiplom bei Magdalena Jetelova abgeschlossen und durchaus die eine oder andere Ausstellung bestritten (auch zwei Einzelausstellungen in der Galerie Sima in Nürnberg und bei Scotty Enterprises, Berlin). Aber die Kunstszene hat mich zunehmend irritiert. Ich wusste nicht ganz, was die von mir wollen, und noch viel weniger, was ich eigentlich will. Außerdem hat meine Anarchoseele nach mehr Abenteuer verlangt und nach Kontakt zu anderen Menschen außerhalb der ja doch irgendwie weltweit ziemlich homogenen Kunst-Szene.

Zum Tätowieren bin ich ursprünglich durch das Buch »Zeichen auf der Haut. Die Geschichte der Tätowierung in Europa« von Stephan Oettermann gekommen, schon zu Anfang meines Studiums meine »Bibel«. Dass ich selbst mal tätowieren würde, habe ich da noch nicht vermutet. Doch nach dem Studium musste irgendwas – auch finanziell – passieren. Ich war aber überhaupt nicht in der Tattoo-Szene drin und hatte zu viel Respekt davor, einfach loszulegen. Deshalb habe ich erstmal (in der Tattooszene ein no go) einen zweiwöchigen Tattoo-Kurs in London absolviert. Danach an Freunden und Freundinnen ausprobiert, um dann doch in einem klassischen Tattoostudio in Berlin als Lehrling anzuheuern. Das ging nur acht Monate gut; Rocker und »Künstlerseele« passen offensichtlich wie die Faust aufs Auge. Aber ich bin ungemein froh über diese Zeit, denn ich habe viel gelernt – auch menschlich – und Heike Ebert kennen gelernt, mit der ich dann 2009 Chorus Tattoo gegründet habe, unser eigenes Studio in Berlin-Neukölln.

Im Moment zieht es mich wieder mehr Richtung Kunst (Video/Fotografie und Zeichnung) und Illustration. Aber freier, da finanziell unabhängig und weil ich nicht mehr so große Unterscheidungen mache(n muss) zwischen Lobrow- und Highbrow-Kunst. Deshalb arbeite ich vorerst nur noch ein, zwei Wochen im Monat als Tätowiererin, davon eine in meinem Stammstudio Chorus Tattoo.

Meinen Stil würde ich unter »art brut« oder »raw art style« einordnen. Das umfasst eigentlich alle Tattoo-Künstler, die wie ich anders als die klassischen Tätowierer arbeiten, zum Beispiel grafisch, krakelig, aquarellig oder collagenartig; ein Stil, der sich eher von der freien Kunst als vom Tattoohandwerk (und dem damit verbundenen klassischen Rocker- oder Hilly-Billy-Stil) inspirieren lässt. Dieser Stil verbreitet sich, vor allem in Europa und speziell in Frankreich und Belgien, immer mehr. 

Mehr zum Thema unter www.pageonline.de/tattoos!


Schlagworte:





10 Kommentare


  1. Anna Weilberg

    Im zugehörigen Heft-Artikel wird deutlicher, warum sich unsere Autorin gerade diese Tattoos ausgesucht hat.


  2. Deetmar

    Das erste Motiv finde ich schon ok. Das letzte sieht aus wie ein mieses Japan-Schriftzeichen mit Haus-vom-Nikolaus übermalt. Vielleicht war das Schriftzeichen alt und sollte übertüncht werden? Aber natürlich gibt es Trends die weggehen vom bisherigen, ewigen Segelschiff-Retro und diversen Fußballer-Tatoos (Kindernamen in Killer-Typo) oder Totenschädel mit tollen Schatteneffekten und…so.


  3. victoria blocksdorf

    kann ich mich leider nur anschließen – selbst ich als jemand, der sich nicht besonders gut in der materie “tattoo” auskennt, kann nur sagen, dass mich die meisten hier gezeigten motive weder von der idee noch von der machart überzeugen. Das sollen Tattoo-Trends sein?


  4. lolli

    sorry aber das hat mit Tätowierungen so viele zu tun wie Hulk hogan mit ballet. 1. sind die tattoos echt mies. schlechte outlines, mieses shading, keine erkennbare Technik. das als tätowierkunst zu bezeichnen ist schon fast beleidigend. zum tätowieren gehört jahrelange Erfahrung und die richtigen Kenntnisse. man kauft sich doch kein dokubuch über tattoos und macht ein kurz und schimpft sich dann tätowierer ohne nicht mindestens zwei komplette sailor jerry flashsets komplett nachgemacht zu haben.


Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *