VW-Werbung für ein Produkt, das es nicht mehr gibt

Volkswagen verabschiedet sich mit emotionalem, anspielungsreichem Animationsfilm vom VW Käfer



Im Juli 2019 ist der letzte VW-Käfer in Mexiko vom Band gerollt, zum Jahreswechsel holte Volkswagen nochmal zu einer großen Hommage an sein kultigstes Modell aus.

Diverse popkulturelle Anspielungen stecken in dem Animationsfilm »The Last Mile«, der die Geschichte eines Jungen erzählt, den der Käfer ein Leben lang begleitete – als Auto der Eltern, beim Fahrenlernen, in der Hippie-Zeit und als älterer Mann. Die Idee kommt von der derzeit äusserst angesagten Agentur Johannes Leonardo aus New York, vom Branchenblatt »Adweek« zur Breakthrough Agency of the Year gekürt.

Musikalisch wird das Filmchen von einer textlich dem Zweck angepassten Version des Beatles-Songs »Let it be«, gesungen vom Kinderchor Pro Musica Youth Chorus aus Chicago. Bekanntlich ist ein VW-Käfer auf dem legendären Cover des Beatles-Albums »Abbey Road« zu sehen.

Wer genau hinschaut (und zwar bei Minute 1:01), wird auch Andy Warhol entdecken, der den Käfer auf einem berühmten Siebdruck verewigte. Auch Schauspieler Kevin Bacon taucht in seiner Rolle als Beetle-fahrender Ren aus dem Film »Footloose« von 1984 auf. Die ganz oben gezeigte Szene zeigt natürlich Woodstock.

Außerdem gibt es nicht auf Anspielungen auf klassische DDB-Kampagnen wie »Think Small«, sondern auch auf die erste Arbeit von Johannes Leonardo für Volkswagen, die Kampagne »Drive Bigger«. Überhaupt weist der Spot am Ende natürlich in die Elektro-Zukunft – so fährt das Auto durch einen Windpark und verwandelt sich ganz zum Schluss in einen Leuchtkäfer, der in den Himmel fliegt …

 

Cover »Abbey Road« von 1969

 

VW-Werbung von Doyle Dane Bernbach, Art-director Helmut Krone, 1959
»Lemon« heisst im amerikanischen Englisch Schrottkarre …

 

Rotoskop-Animationstechnik

Für die Produktion tat sich Johannes Leonardo mit den Londoner Nexus Studios und dem in London lebenden französischen Regisseur Fx Goby zusammen. Das gesamte Geschichte wurde also als Realfilm gedreht und per Rotoscoping mit Handzeichnungen übermalt in eine Animation umgewandelt.

Dabei nutzten die Filmemacher eine reduzierte Farbpalette von warmen Tönen, die die die emotionale Verbindung der Käferfahrer zu ihrem Auto widerspiegeln sollte. Aus dem gleichen Grund wählte man einen Look in der Anmutung von Papier, als »ob jedes Bild ein Druck gewesen wäre«, so Fx Goby.

Die lebenslange Verbindung zu einem Käfer ist übrigens ein durchaus realistisches Szenario: Man schaue sich das sympathische, ebenfalls von VW produzierte Filmchen über Annie an, den Käfer, der seine Besitzerin über 50 Jahre begleitete.


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