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Kompromisslos nah: Nan Goldin in Berlin

In den 90ern war Nan Goldin der Pop-Star der Fotografie. Jetzt kehrt sie wieder ins Scheinwerferlicht zurück.


In den 90ern war Nan Goldin der Pop-Star der Fotografie. Jetzt kehrt sie wieder ins Scheinwerferlicht zurück.


Das hatte man bis dato noch nicht gesehen. Zumindest nicht mit so liebevollem und intimem Blick. Transvestiten, Stricher, Drag-Queens, Junkies und allerlei Paradiesvögel des New Yorker Nachtlebens hielt Nan Goldin (*1953) mit ihrer Kamera fest. Sie hievte die Subkultur in die Museen, ihr zerschlagenes Gesicht nachdem sie sich mit dem falschen Lover eingelassen hat, zeigte Parties und die Morgende danach, begleitete ihre Freunde beim Sterben an Aids oder ließ ihr Leben in der unsäglich melancholischen Dia-Show »All By Myself« Revue passieren. Zu dem gleichnamigen Song von Eartha Kitt erzählte sie von ihrem strengen Elternhaus, dem Selbstmord ihrer Schwester, vom Ersticken in der Provinz, von ihrem Aufbruch – und der Einsamkeit, die alles durchzog.

Selten war jemand näher dran am leben. Sie fotografierte ihre Freunde beim Küssen, beim Streiten, nach dem Sex oder sogar dabei, beim Verzweifeln, beim Glücklichsein oder in der Selbstvergessenheit. »Meine Fotos entstehen aus Beziehungen, nicht aus Beobachtungen«, hat Nan Goldin einmal gesagt.

Dann wurde es ruhig um sie. Sie schwenkte zu Landschaften, Kindern, Stillleben aber konnte damit an ihren Erfolg nicht anknüpfen. Ihr Stil war nicht war unique, wurde in Modezeitschriften, Lifestyle-Magazinen kopiert, der Freundschaftsgedanke durch Communities abgelöst.

Dass Fotografie sie nicht mehr interessiert hat sie im letzten Jahr gesagt. Dennoch kehrte sie wieder zurück – mit neuen Fotografien, Arbeiten für den Modekatalog von »Scanlan & Theodore« und Ausstellungen.

In der Berlinischen Galerie sind jetzt 80 Arbeiten von ihr zu sehen, die zwischen 1984 bis 2009 in Berlin entstanden: Fotografien aus dem Kreuzberger Nachtleben, schrammeligen Pensionen, Schöneberger Festen, der Nachwende-Stadt und heutigen Hauptstadt und Porträts von Freunden wie Piotr Nathan zu sehen. Darunter bisher unveröffentlichtes Material.

Nan Goldin, Bea with the blue drink, O-Bar, West-Berlin, 1984, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Bloody bedroom in a squatted house Berlin, 1984, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Hafen Bar Berlin, 1991, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Kathe and Edda, Berlin, 1992, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Piotr at breakfast, Berlin 1995, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Suzanne in the green bathroom, Pergamon Museum, East Berlin 1984, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Wedding Bed, Pension Nurenberger Eck, Berlin 1996 © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Nan Goldin, Self-Portait in my Blue Bathroom, Berlin 1991, Cibachrome, 56 x 90 cm, Sammlung Berlinische Galerie © Nan Goldin
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Nan Goldin, Amanda on my Fortuny Berlin, 1993, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York
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Produkt: PAGE 02.2020
PAGE 02.2020
Fotografie: Comeback in Kommunikation, Branding und UX Design ++ Behavioural Design: Wie wir mit Design Verhalten gezielt verändern können ++ Vegan drucken – so geht’s ++ Creative Coding für Designer ++ Framing als Kreativmethode ++ Dos & Don’ts: Mit UX an die Spitze ++ John Maeda im Interview

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