KTF Prima: Vom Bleisatz bis heute
Prima ist die moderne Interpretation einer klassischen Allzweckschrift, entworfen vom Typedesigner Yevgen Anfalov.

Schon vor mehr als zehn Jahren begann Yevgen Anfalov, der in Hannover ein Gestaltungsbüro und die Kyiv Type Foundry betreibt, mit der Gestaltung der KTF Prima. Damals studierte Yevgen Anfalov noch an der École cantonale d’art de Lausanne (ECAL) und interessierte sich sehr für die Schrift Forma – eine modernistische serifenlose Schrift, die aufgrund ihrer Proportionen und ihres zurückhaltenden Kontrasts als wärmer empfunden wurde als ihre Zeitgenossinnen. Die Geschichte der Forma, geprägt vom Übergang von der Bleisatztechnik zum Fotosatz in der italienischen Schriftgießerei Nebiolo in den späten 1960er- und 1970er-Jahren, warf Fragen zu Urheberschaft, Herstellung und Langlebigkeit auf, die dann in die Prima einflossen.

Yevgen Anfalovs Schriftfamilie ist eher auf Vielseitigkeit als auf Spektakuläres ausgelegt. Prima folgt dem Prinzip »ein Stil für alle«. Anstatt sich auf eine einzige Stärke zu konzentrieren, ist sie als kohärentes System angelegt, das von skelettartigen, ultradünnen bis hin zu ultrafetten Schnitten im Plakatformat reicht, die alle einer einheitlichen inneren Logik folgen. Prima richtet sich an Designer, die Wert auf Zuverlässigkeit und Konsistenz über alle Schriftstärken hinweg legen und eine kompakte Familie bevorzugen, die sich gleichermaßen gut für Text und Display eignet.


Die Flexibilität von Prima beruht eher auf ihren Proportionen als auf starken stilistischen Unterschieden. Ein subtiles Wechselspiel der Breiten sorgt für Klarheit, während eine hohe x-Höhe die Lesbarkeit verbessert. So bleibt die Schrift in Fließtexten und auf Displays ruhig und gut lesbar, wirkt aber in größeren Schriftgrößen dennoch selbstbewusst und ausdrucksstark. Die Prima von vor zehn Jahren hat Yevgen Anfalov jetzt von Grund auf neu entworfen. Keine Designentscheidung wird nun mehr durch veraltete Technologien bestimmt: es gibt keine sich verjüngenden Striche und keine abgerundeten Ecken. Prima passt sich dem Kontext an – dezent in im Schnitt Regular für textlastige Layouts und kompakter in Ultra Black, wo der Zeichenabstand für Überschriften und Plakate enger wird.

Insgesamt umfasst die Familie sieben Schnitte von Thin bis Ultra. Ein Einzelschnitt kostet 90 Euro, alle sieben rund 300 Euro. Erhältlich idst Prima über Yevgen Anfalovs Kyiv Type Foundry.


Die Schriftfamilie umfasst einen bewusst begrenzten Satz von Alternativen – flexibel, ohne überladen zu wirken –, darunter ein rundes Forma a, ein j mit Schwung, ein humanistisches R, ein rundes Forma G, abgerundete Satzzeichen, alternative Л/л-Varianten sowie Ziffern und Pfeile in Kreisen und Quadraten. Lateinische und kyrillische Schriftzeichen entstanden parallel, der Typedesigner konzipierte das Kyrillische als natürliche Erweiterung des lateinischen Systems und nicht als separate stilistische Übung.


Prima positioniert sich als moderne Interpretation einer klassischen Allzweckschrift – entworfen, um in redaktionellen, Branding- und UI-Kontexten zuverlässig zu funktionieren.

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