Wie KI-Nutzung die kreative Meeting- und Arbeitskultur verändert oder verändern kann, lässt sich bereits beobachten. Die Message: Auch wenn es bequemer ist, etwas mit KI zu machen, führt es noch lange nicht zum besten Ergebnis. Und es ist nicht immer zielführend.
Ben Cyprian Sindram Mueller, Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur Silberpuls
Auf die Frage, ob KI-Nutzung uns jetzt alle fauler macht, gibt es keine ganz eindeutige Antwort, aber sehr wohl eine richtungsweisende. Wir haben das am Beispiel von Meeting- oder Gesprächsmitschriften in der Kreativbranche angeschaut. Das ließe sich sicher ebenso auf andere Bereiche übertragen.
Ben Cyprian Sindram Mueller, Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur Silberpuls, nutzt Künstliche Intelligenz wie viele andere auch tagtäglich. Für ihn ist aber klar, wofür er es eben nicht einsetzen will: zum Beispiel für Mitschriften.
»Natürlich ist das bequemer«
Er hat bislang beobachtet, dass bei erhöhter KI-Nutzung die eigene Aufmerksamkeit abnimmt, also dass wir dann weniger zuhören und Dinge hinterfragen. Nach dem Motto »das macht ja schon die KI«.
Da sollte was Wahres dran sein, denn leztlich lagert man an der einen oder anderen Stelle eben doch aus und macht selbst genau in diesen Momenten eine kleine »Denkpause«, wenn auch möglicherweise unbewusst.
Für Ben Cyprian Sindram Mueller sind diese Situationen aber ein No-Go, weil er lieber selbst mitschreibt, anstatt die KI diese Aufgabe übernehmen zu lassen. Er begründet sein Vorgehen damit:
»Natürlich ist es bequemer, wenn die KI alles mitschneidet und mir danach eine perfekte Summary liefert. Aber ich beobachte auch, dass wir dadurch weniger aktiv zuhören und weniger über das Gesagte reflektieren.«
Dafür braucht es in der Regel aber mehr Zeit. Und die fehlt oft. Zeitmanagement ist momentan – unter anderem bei PAGE Live Design the AI Age – ein viel diskutiertes Thema. Denn viele Kreative sind täglich noch dabei auszuloten, für welche Aufgabenbreiche und Projekte sich KI-Tools überhaupt eignen und für welche weniger. Man verspricht sich während der KI-Nutzung Zeitersparnis, wobei sich manchmal herausstellt, dass sich die Erwartungen dahingehend nicht erfüllt haben.
Was wird genau gebraucht?! Und was nicht
Es geht aber zusätztlich noch um anderes, um das Ergebnis. Denn manchmal sei eben der KI-Output nicht genauso gut wie ein menschlicher Gedanke, der etwas reflektiert hat, meint Mueller. Denn wenn wir etwas selber mitschreiben und im Nachgang kurz darüber nachdenken, ergibt sich daraus vielleicht sofort ein neuer Gedankenmoment, der sonst nicht entstanden wäre. Eben aus der Situation heraus.
Hinzu kommt auch der Ressourcenverbrauch! Je mehr KI-Mitschriften gemacht werden, umso höhere Rechenleistunden wurden schließlich erbracht. Diese Thematik rückte in der letzten Zeit leider ein wenig in den Hintergrund. Umso wichtiger, das wieder mehr zu reflektieren.
Letztlich sei es laut Mueller heutzutage besonders wichtig, erstmal das Problem zu besprechen und die Aufgabe zu analysieren, bevor halbgare Ergebnisse in den Raum gestellt werden. Denn wie wir alle mittlerweile wissen, sind die Outputs immer da, sofern man die KI etwas fragt.
Es geht demnach darum, nicht erst einen Chatbot oder Avatar zu programmieren, bevor überhaupt klar ist, ob diese Kommunikationsart für das Markenprodukt eigentlich zielführend ist.
Im UX-Design, so Mueller, könne KI aber beispielsweise sehr gut dabei helfen, die eigene Arbeit nach Schwachstellen zu durchforsten oder erweiterte Fragen zu stellen, mit denen man weiter arbeiten kann.