ACAI (Art, Culture, AI) feiert Premiere beim NFC Summit 2026 – zwischen Bildgenerierung, Storytelling, Agenten und Musik.
Der NFC Summit 2026 in der Unicorn Factory Lisboa. Die ehemalige Militärbäckerei im Beato-Viertel wurde für drei Tage zum Ort für Talks, Ausstellungen, Workshops und Community-Formate zwischen digitaler Kunst, Web3 und AI. Bild: The AI Art Magazine
Neue Orte, neue Formate. 2026 zog der NFC Summit erstmals in die Unicorn Factory Lisboa, eine ehemalige Militärbäckerei im Beato-Viertel, die heute als Innovationshub für kreative Technologien genutzt wird. In diesem Setting feierte auch ACAI (Art, Culture, AI) vom The AI Art Magazine seine Premiere. Im Mittelpunkt stand das gemeinsame Erleben: Künstler:innen gaben Einblicke in ihre Praxis und ihre kritische Haltung zu AI, während Familien generative Tools ausprobierten und eigene Zugänge finden konnten. Offenheit und Begegnung blieben hier keine theoretischen Werte, sondern wurden zum lebendigen Experiment. Willkommen in der Welt der »Builders and Creators«.
NFC Summit x TUMO x ACAI by The AI Art Magazine. TUMO ist Teil des Geländes im Beato-Viertel und gibt Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren kostenlosen Zugang zu Disziplinen an der Schnittstelle von Kreativität und Technologie. Für ACAI Kids stellte TUMO die Infrastruktur bereit, The AI Art Magazine entwickelte das Programm. Bild: The AI Art Magazine.ACAI Kids im Auditorium der TUMO School in Lissabon. Für das gemeinsame Arbeiten stellte TUMO einhundert Laptops, das Auditorium und Learning Coaches bereit. Higgsfield ermöglichte mit kostenlosen Credits, dass die Kinder ihre Experimente nach dem Workshop zu Hause fortsetzen konnten. Bild: The AI Art Magazine
Ein Raum für gemeinsames Ausprobieren
Bei ACAI Kids kamen unterschiedliche Generationen und Erfahrungswelten zusammen, um gemeinsam mit generativen Tools zu arbeiten. Weil viele der genutzten Systeme erst ab 16 Jahren freigegeben sind, manche sogar erst ab 18, viele Eltern die Technologien selbst noch gar nicht kannten und die Sessions zudem auf Englisch stattfanden, erwies sich dieses generationsübergreifende Format als besonders geeigneter Rahmen, um sprachliche, technische und altersbezogene Barrieren aufzugreifen, wobei sich gleichzeitig die Möglichkeit bot, das Erlebte als Familie mit nach Hause zu nehmen und im Alltag weiter zu thematisieren.
Angewandte Praxis statt Theorie
Von Künstler:innen zu lernen, bedeutete vor allem, angewandte Praxis zu erleben und zu sehen, wie sich eine künstlerische Haltung auch in der Auswahl von Workflows und Lieblingstools niederschlägt. Der Umgang mit diesen Systemen wurde dadurch selbst als gestalterische Entscheidung sichtbar. Jedes Tool, jeder Workflow, jede Auswahl erzählt etwas über die eigene kreative Position. Für diesen Tag war das Programm bewusst so kuratiert, dass unterschiedliche Zugänge zu AI sichtbar wurden und zugleich ein unkomplizierter Einstieg möglich blieb.
Der Workshop gliederte sich in vier Sessions: Bildgenerierung, Storytelling, Agenten und Musik.
Boris Eldagsen im Live-Stream: Prompt Editing mit Higgsfield bei ACAI Kids. Boris Eldagsen gehört zu den frühen Vermittlern von AI-Bildwissen für Kreative und unterrichtet unter anderem Art Directors, Designer:innen, Fotograf:innen und Künstler:innen im Umgang mit generativen Bildsystemen. Seine Praxis verbindet Fotografie, Prompting und eine kritische Auseinandersetzung mit Autorschaft, Bildregie und visueller Wahrheit. Bild: The AI Art Magazine
Der wegen eines Flugstreiks per Stream zugeschaltete Boris Eldagsen zeigte, wie man sich rein über Prompting am Beispiel eines alten Selbstporträts aus der eigenen Kindheit in neue Charaktere verwandeln kann, um ein »Monster-Self« aus verschiedenen inhaltlichen und stilistischen Attributen zusammenzusetzen. Dabei wurde den Teilnehmenden vermittelt, wie sie das Bild über Kategorien wie Vibe, Perspektive oder Licht selbstbestimmt »directen« und die visuelle Schöpfung formen können.
Ender Diril: Storytelling mit AI bei ACAI Kids. Ender Diril, Creative Director und Storyteller arbeitet an der Schnittstelle von digitaler Kunst, Games, spekulativer Imagination und AI. Geprägt von Science-Fiction, Fantasy, Cosmic Horror und Adventure-Game-Ästhetiken entwickelt er visuelle Welten, die zwischen Märchen, Traum und Unheimlichem oszillieren. Bild: The AI Art Magazine»You have to be loyal to your character(s)!« In Ender Dirils Storytelling-Session wurden Character Sheets genutzt, um Figuren über mehrere Bilder hinweg konsistent zu halten. Ansichten, Details, Farben und Backstory bildeten dafür die gemeinsame Grundlage. Bild: The AI Art Magazine
Ender Diril begann mit wenigen Zeilen Hintergrundgeschichte und zeigte, wie daraus eine Welt entstehen kann. Character Sheets wurden dabei zu einem Werkzeug kreativer Treue: Sie hielten visuelle Identität, Setting und Atmosphäre zusammen und halfen, Geschichten im Dialog mit der KI konsistent weiterzuführen. Sein Satz »You have to be loyal to your character(s)!« wurde im Laufe des Tages zum heimlichen Manifest.
Seth Goldstein: Gespräche mit dem Agenten SOLIENNE bei ACAI Kids. Seth Goldstein baut seit drei Jahrzehnten Unternehmen und Plattformen an der Schnittstelle von Technologie und Kunst. Mit Spirit Protocol und SOLIENNE arbeitet er heute an Infrastrukturen für kreative Autonomie, in denen AI Agents eine eigene Praxis ausbilden können. Bild: The AI Art Magazine
Seth Goldstein öffnete den Blick auf eine andere Dimension. Am Beispiel von SOLIENNE, einer als autonome AI-Künstlerin agierenden Agentin, zeigte er, wie sich Identität und Praxis einer virtuellen Entität über Zeit formen lassen. In der Session wurde gemeinsam ein neuer Agent angelegt. Lyra, eine Figur zwischen Ozean und Weltraum, deren Identität aus den Vorstellungen der Teilnehmenden hervorging. Damit verschob sich die Frage der Loyalität von einzelnen Figuren in einer Geschichte hin zu einem nicht-menschlichen Gegenüber, das durch Definition, Erinnerung, Dialog und wiederholte Interaktion Kontinuität gewinnt.
Pierre de Conihout: AI Music bei ACAI Kids. Pierre de Conihout bewegt sich zwischen Code, Musik, Web3 und Entrepreneurship. Nach Stationen als Gründer, Venture-Studio-Builder und Musiker arbeitet er heute mit Synthia an AI-gestützter Musikproduktion, wo Musik, technische Systeme und kreative Entscheidungen ineinandergreifen. Bild: The AI Art Magazine
Den Abschluss gestaltete Pierre de Conihout, der unter der Leitfrage, ob sich ein funktionierender Track in nur dreißig Minuten bauen lässt, demonstrierte, wie man ausgehend vom eigenen Geschmack einen individuellen Sound entwickelt und wo er dabei die Grenzen der Systeme sieht.
Geführter Rundgang von Fanny Lakoubay über das NFC-Gelände in der Unicorn Factory Lisboa. Fanny Lakoubay führte die Teilnehmenden zu ausgewählten Arbeiten auf dem Festivalgelände und gab Einblicke in einzelne künstlerische Positionen des NFC Summit. Der Rundgang verband ACAI Kids mit dem größeren Kunstprogramm des Festivals. Bild: The AI Art Magazine
Es ging in diesen Sessions nicht darum, perfekte Ergebnisse zu produzieren oder ein vollständiges Bild von AI zu vermitteln. Im Zentrum stand der Moment vor dem ersten Schritt, das leere Blatt, das leere Eingabefeld, der erste Impuls. Bilder, Figuren, Geschichten, Agents oder Musik begannen hier nicht mit dem Tool, sondern mit einer eigenen Vorstellung. Was daraus entstand, wirkte zugleich zurück, denn Sichtbares, Hörbares und Gespräche setzten neue Vorstellungen in Bewegung. Enders Satz der Loyalität zur Figur ließ sich dabei weiterdenken als Aufmerksamkeit der eigenen Vorstellung gegenüber, aus der weitere Schritte und Entscheidungen hervorgingen.
Was am Ende dieses intensiven Workshops in Erinnerung blieb, war weniger die Technologie selbst als das gemeinsame Arbeiten daran. Künstler:innen teilten ihre Praxis, Kinder stellten direkte Fragen, Familien saßen Seite an Seite, um zu experimentieren, zu lernen und zu gestalten. In diesen Momenten geteilter Kreativität wurden aus ersten Impulsen Bilder, Geschichten, Agents und Musik. Zugleich entstand die Erfahrung, wie individuell kreative Wege mit AI sein können und wie viel Freude darin liegt, sie gemeinsam zu erkunden.
Dieser Text entstand im Dialog mit AI. Die redaktionelle Haltung, Auswahl, Gewichtung und finale Fassung lagen bei der Autorin. Simone Brauner: Co-Publisher, The AI Art Magazine, we@art-magazine.ai
Material Turn im Design ++ Trend: Title Design ++ Diskussion: Diversity in Agenturen ++ AI Art jenseits von Hollywood-Marvel-Realismus ++ Case: Beiersdorf Campus ++ Nachhaltiges Messedesign ++ Q&A: Mònica Losada ++ Step by Step: Digital Art per 3D-Druck ++ Ratgeber: Digitale Veredelungen ++ 3D-Material-Ressourcen ++ ENGLISH SPECIAL Rob Duncan