Endlich! Paris ehrt Piero Fornasetti

Surreal, melancholisch und bildschön: Das Pariser Museum Les Arts Décoratifs ehrt den Mailänder Designer Piero Fornasetti, dessen Tassen, Teller, Stühle oder Tabletts in Designerwohnungen Hochkonjunktur haben.



www.fornasetti.com

Möchte man Piero Fornasetti (1913-1988) richtig übel mitspielen, nennt man ihn Dekorationskünstler, so wie es regelmäßig geschieht. Dabei war der Mailänder Designer weit mehr als das. Er war Maler, Bildhauer, ein eigensinniger, schwieeriger Geist und ein leidenschaftlicher Forscher, der sich mit neuesten Technologien ebenso beschäftige wie mit fernen Ländern, der nichts von Grenzen hielt und gleich auch die zwischen Kunst und Gebrauchsgegenstand aufhob.

Seine weltberühmten Teller, Tassen, Kissen, Zuckerdosen, Tabletts und vieles andere, was er entwarf, sind nicht unbedingt dazu da, um sie zu benutzen, sondern um sie zu bewundern und dabei in dem Gesicht der legendären Opernsängerin Lina Cavalieri zu versinken, das Fornasetti immer wieder variierte.

Mehr als 350 Porträts der Sopranisten, die Enrico Caruso so leidenschaftlich auf der Bühne küsste, dass dieser Kuss als erster der Bühnengeschichte gilt, malte Fornasetti und so abwechslungsreich wie ihr Porträt waren auch die Materialien, die Fornasetti verwandt. Holz, Stoff, Keramik, Glas und auch Papier gehören dazu und werden noch bis zum 14. Juni im Pariser Museum Les Arts Décoratifs auf mehr als 1000 Quadratmetern gezeigt. Eine überbordende Schau, opulent wie das Werk selbst, die ergänzt ist durch Arbeiten von Fornassetis Sohn Barbaba, der Lina Cavalieri augenzwinkernd mit Salvador-Dalí-Schnurrbart und mit Pilotenbrille zeigt.

Gleichzeitig gehen die Ausstellungsstücke bis 1933 zurück, als Fornasetti mit bemalten Seidenschals an der ersten Ausgabe der Designschau Mailänder Triennale teilnimmt, von dem Designer Gio Ponti entdeckt wird, sie später gemeinsam das berühmte Kreuzfahrtschiff Andrea Doria ausstatten und Fornasetti zudem zahlreiche Titel von Pontis Architekturzeitschrift Domus gestaltete.

Henry Miller und Pablo Neruda waren bekennende Fornasetti-Sammler, heute schmücken seine Arbeiten Designerwohnungen weltweit, ist Fornasetti selbst Kult geworden – und zur Marke, die sein Sohn Barnaba pflegt.

Mehr als 30 Mitarbeiter fertigen in Handarbeit die Originale an, zahlreiche Kooperationen, die bis zu Duftkerzen reichen, wurden abgeschlossen und natürlich ist auch der Museumsshop reich mit Fornasetti-Produkten bestückt. Doch trotz der Allgegenwärtigkeit sieht man sich einfach nicht satt an seinen Porträts, weil in ihnen immer auch ein Geheimnis mitschwingt.




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