Juli Gudehus über den »neuen« Designpreis

Die Berliner Gestalterin und »Lesikon«-Autorin Juli Gudehus ist eine der schärfsten Kritikerinnen des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland. Auch von der diesjährigen Reform ist sie enttäuscht. Zeit für einen Gegenentwurf, meint Gudehus.



Die Berliner Gestalterin und »Lesikon«-Autorin Juli Gudehus ist eine der schärfsten Kritikerinnen des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland. Auch von der diesjährigen Reform ist sie enttäuscht. Zeit für einen Gegenentwurf, meint Gudehus.

2006 sorgte Juli Gudehus mit einem offenen Brief an den Wirtschaftsminister für Aufregung in der Szene und brachte die Causa Designpreis auch jenseits der Fachmedien ins Gespräch (hier lässt sich der Brief noch einmal nachlesen). Sie empörte sich damals unter anderem darüber, dass der Staat Teilnahmegebühren verlangt und die Gewinner außerdem mit einer weiteren Zahlung »bestraft«.

In diesem Jahr wird der Preis erstmals vom DMY Berlin ausgerichtet statt vom Rat für Formgebung, was eine Reformierung bestimmter Punkte mit sich brachte. So wurde etwa die Einreichgebühr von 180 auf 350 Euro erhöht, dafür fallen aber sämtliche Folgekosten für Gewinner weg. Das ist nicht genug, findet Gudehus: »Nach wie vor handelt es sich um einen Wettbewerb. Warum? Und nach wie vor kostet er die Teilnehmer Geld. Warum werden die Gewinner nicht mit Preisgeldern gefördert?« Zudem findet sie falsch, dass an dem nationalen Preis weiterhin internationale Designer teilnehmen dürfen. Dass nur Arbeiten eingereicht werden dürfen, die bereits einen Preis gewonnen haben, moniert die Gestalterin, weil die Teilnahme an allen hierbei anerkannten Designpreisen ebenfalls Geld kostet – und das nicht zu knapp. »Auch die Auffassung von Design bleibt willkürlich: Arbeiten können nur in den Kategorien Produkt- und Kommunikationsdesign eingereicht werden. Damit bleiben viele andere gestalterische Disziplinen außen vor.«

Ein weiterer Kritikpunkt ist für Gudehus, dass »die Förderung durch das Wirtschaftsministerium in Wahrheit minimal ist.« Der Organisator führt den Preis auf eigenes wirtschaftliches Risiko durch – das Ministerium springt nur im Notfall ein. »Wenn das kein Etikettenschwindel ist! Auf diesem Preis steht zwar ‹Staat› drauf, ist aber nur noch in homöopatischer Dosierung ‹Staat› drin. Unserem Land war und ist sein eigener Designpreis weder finanziell noch ideell viel wert. Es bleibt eine zweifelhafte Ehre.«

Darum ruft Gudehus nun einen Preis ins Leben, »den zu erhalten wirklich eine Ehre ist«. Das Konzept: »Die Veranstalter nehmen von den Preisträgern kein Geld, sondern bemühen sich um deren konkrete Förderung. Gestalterpersönlichkeiten recherchieren als unabhängige Scouts, wer einer Ehrung würdig sein könnte.« Auf das »Schubladendenken« anderer Designpreise will Gudehus verzichten und stattdessen Kategorien wie Mut, Zartgefühl, Engagement, Eigenständigkeit oder Humor ausloben. Gudehus hatte das Konzept für den »Ehrenpreis« im Wesentlichen schon 2009 entwickelt – wurde allerdings vom Finale des »Lesikon«-Projekts unterbrochen. Wenn alles läuft wie geplant, könnte der »Ehrenpreis« schon in diesem Herbst an den Start gehen und im Frühjahr vergeben werden, sagt die Gestalterin. 


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