Schrift des Monats: MeM

MeM von Elena Schädel und Jakob Runge lässt die Grenzen zwischen Schriftgestaltung und Grafikdesign verschwimmen.



 

 

Ende 2011 beschäftigte sich Elena Schädel mit Gesellschaftstrends und deren visueller Konservierung durch die Formensprache der Schrift. Eine Richtung, die die Designerin, die zurzeit ihren Master of Arts in Informationsdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg macht, entdeckte, war die Selfness-Bewegung, die sich durch extrem unterschiedliche, teils auch unentschlossene Zeichen ausdrückt. Elena Schädel übersetzte diese Zeichen in expressive Vektorgrafiken, deren visuelle Kraft und Fülle an Varianten auf den Typedesigner Jakob Runge solchen Eindruck machten, dass er der Designerin vorschlug, ein gemeinsames Schriftprojekt anzugehen: Die Entwicklung einer experimentellen Schrift mit programmierter Zeichenmischung.

Entstanden ist das experimentelle Versalalphabet MeM, das die Formen von vier Schnitten in einem Font zusammenführt, die Lesbarkeit in den Hintergrund rückt und die Grenzen zwischen Grafikdesign und Schriftgestaltung verschwimmen lässt. In etlichen Skypekonferenzen – Jakob Runge macht an der Muthesius Schule in Kiel seinen Master – wählten sie Varianten aus, glichen Formen an, bauten Sonderzeichen aus und stellten Zeichenabstände ein.

Die vielen Alternativzeichen der Schrift und die extremen Stile der einzelnen Glyphen erzeugen eine lebendige Spannung aus geometrischer Anmutung und verspielten Formen, wie eine kontrastreiche Vermischung von ausdrucksstarken und feinteiligen Elementen – jeder Buchstabe ist ein kleines Stück Grafik für sich (siehe Galerie).

Was wie eine Aneinanderreihung von Vektorformen wirkt, ist jedoch ein durchdachtes Schriftsystem: Ein automatisches Shuffle-Prinzip mixt in den gängigen Designprogrammen die ohnehin verteilten Schriftgewichte und verhindert die Wiederholung gleicher Zeichen. Im gleichen Maße wie die Schrift durch OpenType-Features aufgemischt wird, ist sie auch gezielt anwendbar: Durch Stylistic Alternates lassen sich kräftige und leichte Zeichen voneinander trennen oder auch komplett in einen einzelnen der vier Schriftschnitte zerlegen.

Ein Video auf vimeo gibt ebenso eine Einführung in den Gebrauch der Schrift, wie die eigens angelegte Website. MeM unterstützt mit über 300 Zeichen die gängigen lateinischen Zeichensätze aus West-, Mittel- und Südosteuropa, mit den abwechslungsreichen Alternativzeichen drehen sich knapp 630 Glyphen im OpenType-Karussell. Die Schrift ist für 40 Dollar über YouWorkForThem, HypeForType und MyFonts erhältlich.


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