DIN Text Arabic

Parachute versucht das Arabische zu normieren.



Unter den alphabetisch orientierten Schriften dieser Welt nimmt die arabische Schrift eine Sonderstellung ein: Mehr als bei anderen Schriftsystemen sticht ihr kalligrafischer Ansatz hervor. Das kann man trefflich beobachten auf Packungen, die vielsprachig beschriftet sind und wo der arabische Pflichttext deutlich »aus der Norm« fällt. Warum also nicht auch das Arabische normieren? In den letzten Jahren hat es immer wieder Versuche gegeben, populäre westliche Schriften ins Arabische zu übertragen. Die Idee ist nachvollziehbar, die Ergebnisse sind jedoch nicht immer unumstritten – vor allem in der arabischen Welt selbst.

Die Frage, ob es einer arabischen Variante der DIN bedarf, sollte nicht nur nach kommerziellen Gesichtspunkten beurteilt werden. Wenn es um eine solch populäre Schrift wie die Deutsche Normschrift geht, die einen der »unkalligrafischen« Ansätze überhaupt darstellt, mag ein solches Unterfangen im ersten Moment verwundern. Aber man sollte sich auch vor Augen halten, dass in der arabisch-islamischen Kultur aufgrund des Bilderverbots seitens des Korans das Ornament außerordentliche Blüten getrieben hat. Manchmal sind die Formen organisch verschlungen, manchmal geometrisch reduziert. Die Vielfalt ist groß, der Abstraktionsgrad häufig auch. Im Alltag waren allerdings lange Zeit nicht immer die besten Fonts digital verfügbar. Schrift Designer wie Tarek Atrissi (PAGE 01.05) oder Pascal Zhogbi sind seit einigen Jahren dabei, die arabische Typokultur zu modernisieren. Die griechische Foundry Parachute von Panos Vassiliou hat sich nun zusammen mit dem Designer Hasan Abu Afash aus Gaza der DIN 1451 angenommen.

Das Ergebnis ist aus westlicher Sicht spannend: Tatsächlich ist das Formrepertoire aufgenommen. Aber natürlich musste es etwas erweitert werden, denn die arabische Schrift funktioniert nicht in den sehr reduzierten Lettern-Standards des lateinischen Alphabets. Zudem hat sie einen eher kursiven Einschlag, die Schreibrichtung entgegengesetzt. Für die DIN Text Arabic gilt natürlich Letzteres ebenso, aber die Buchstaben sind senkrecht ausgerichtet. Anders als im Lateinischen sind normalerweise nicht die Vertikalen, sondern die Horizontalen betont. Bei einer kontrastlosen Form wie der DIN fällt auch dieses Merkmal weitgehend weg. Neben den wenigen identischen Formen sowie obligatorisch entstandenen Spazierstöcken, Hockeyschlägern oder Bügeleisengriffen enthält die Transformation eine Reihe von Schrägen und offenen Schlingen, welche die kulturelle Identität des Arabischen fortführen. Ein Übriges tun die »Akzentzeichen« für die Vokale, die viel häufiger auftauchen als im gewohnten DIN-Sprachraum.

So entsteht mit der DIN Text Arabic ein Schriftbild, das formal gut zur westlichen Variante passt, dennoch einen unverwechselbar eigenen Charakter entwickelt. Dies macht sie sicherlich nicht nur als Textschrift, sondern auch als Ausgangspunkt für Brandings in der Logoentwicklung interessant. Besonders elegant wirkt sie als Hairline, als Extra Black teilt sie das Schicksal der unförmigen Steifheit ob der zugelaufenen Binnenformen mit der westlichen Schwester. Der Font deckt alle Sprachvarianten des Arabischen wie des persischen Urdu und Paschtu ab, in der weit ausgebauten »Superfamilie« DIN Text Universal ist auch die DIN Text Pro für alle lateinischen Varianten sowie Kyrillisch und Griechisch enthalten.

Links

www.parachute.gr
http://new.myfonts.com/fonts/parachute/pf-din-text-arabic


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