»Unser Tool ist nichts für faule Designer«

Tobias van Schneider ist Co-Founder des Portfolio-Tools Semplice. Im Interview erzählt er, wie das Tool entstanden ist – und wieso es Gestaltern hilft, an gute Jobs zu kommen.



Tobias van Schneider Interview
Foto: © Noah Kalina

Tobias van Schneider ist in Deutschland geboren, in Österreich aufgewachsen und lebt seit Jahren in New York, wo er unter anderem als Art Director bei Spotify arbeitete. Seine Design-Skills hat er sich nach seinem Schulabbruch im Alter von 15 Jahren komplett selbst beigebracht. Mittlerweile bloggt er zu allen Themen des Gestalteralltags und hat einen eigenen Design-Podcast. Sein größtes Projekt ist Semplice – ein speziell auf die Bedürfnisse von Gestaltern ausgerichtetes Online-Portfolio-Tool. Semplice basiert auf WordPress und ist speziell auf die Bedürfnisse von Designern ausgelegt. Es kommt ohne Vorlagen aus und bietet sehr viel Gestaltungsfreiraum. Wir haben Tobias van Schneider ein paar Fragen zu Semplice gestellt.

Wie ist die Idee zu Semplice entstanden?
Tobias van Schneider: Eigentlich aus purem Zufall – und zwar schon 2008. Damals wollte ich mein eigenes Portfolio redesignen. Mein jetziger Co-Founder Mike hat mir mit der technischen Umsetzung geholfen, während ich mich auf den gestalterischen Part konzentriert habe. Mir war es wichtig, jedes Projekt sehr ausführlich zu dokumentieren. Das war zu dieser Zeit noch recht unüblich. Es gab dementsprechend kein Portfolio-System, das mir hätte helfen können. Wir probierten einiges aus und so entstand die allererste Version von Semplice, gebaut von Mike und mir. Uns wurde sehr schnell klar, dass dieses Tool auch nützlich für andere Designer sein könnte. Ein paar Jahre und sehr viele gescheiterte Versuche später launchten wir 2014 die erste offizielle Version von Semplice.

Was hat dir damals neben der Möglichkeit, Projekte detailliert vorzustellen, außerdem gefehlt?
Früher sahen alle Online-Portfolios gleich aus: Mit den meisten Tools konnte man nur eine begrenzte Anzahl Fotos hochladen und eine kurze Beschreibung hinzufügen. Ich wollte einen Baukasten mit vielseitigen Branding- und Individualisierungsmöglichkeiten. Mir schwebte vor, die Navigation für jede Projektseite in unterschiedlichen Farben und Schriftarten zu gestalten, genau abgestimmt auf die jeweilige Arbeit. Außerdem wollte ich gern auch komplexere Layouts gestalten können, um jedes Projekt wie eine ausführliche Case Study aufzubereiten. Das Ergebnis sollte sich wie ein Magazin anfühlen.

Inwiefern unterscheidet sich Semplice von anderen Portfolio-Tools?
Mit Semplice ist man nicht auf Templates angewiesen, eigentlich kann man jedes Layout bauen, das man sich vorstellen kann. Das ist toll für alle, die viel ausprobieren und vielleicht sogar mit Code experimentieren wollen. Und nicht so toll für faule Designer, die einfach nur ein Template suchen. Semplice ist von Designern für Designer konzipiert – nicht von Geschäftsmännern oder Investoren, die selbst keine Ahnung haben. Außerdem bieten wir kein Abomodell an, man zahlt nur einmal.

Semplice Online Portfolio Tool Designer
Das Interface von Semplice 4.

Was ratet ihr Gestaltern, die Semplice nutzen?
Am meisten Spaß macht unser Tool, wenn man nicht einfach loslegt, sondern sich vorher überlegt, wie das Ergebnis aussehen soll, sei es eine grobe Skizze oder ein in Photoshop oder Sketch angelegtes Layout. Das kann man dann mit Semplice nachbauen. Ich würde zudem dazu raten, bei der Gestaltung des Portfolios in Systemen zu denken, die für mehrere Projekte funktionieren. Das erleichtert regelmäßige Aktualisierungen.

Was war früher euer erstes Ziel mit Semplice – und wie sich dieses mit der Zeit verändert?
Früher kam es sehr auf die technische Umsetzung an, auf das Bauen von Tools, die bestimmte Probleme lösen. Diese stehen jetzt. Mittlerweile ist unser Ziel, Designern mit Semplice dabei zu helfen, an gute Jobs zu kommen. Wenn wir neue Features entwickeln, denken wir nicht mehr nur an den Gestalter, der damit sein Portfolio darstellt, sondern auch an denjenigen, der das Portfolio ansehen und bewerten wird, also etwa Recruiter oder Art Buyer. Auch aus dieser Perspektive entscheiden wir, ob bestimmte neue Funktionen sinnvoll sind.


Eine kürzere Version des Interviews ist in PAGE 04.18 erschienen. In der Ausgabe stellen wir Semplice und andere Portfolio-Tools für Kreative im Detail vor – sie ist hier als Download erhältlich. Und hier gibt es eine Übersicht einiger Online-Portfolio-Tools.


Weitere Interviews mit deutschen Kreativen, die in den USA erfolgreich sind: Wir haben mit Alexander Nowak und Felix Richter gesprochen, Executive Creative Directors bei Droga5 in New York. Und Sabina Hesse, Kreativdirektorin bei Crispin Porter + Bogusky in Los Angeles, hat uns ebenfalls von ihren Erfahrungen erzählt.

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