Darauf sollten UX und UI Designer bei ihrer Portfolio-Website achten

Was ist notwendig und welche absoluten No-Gos gibt es? Interface-Experte Martin Oberhäuser teilt seine Tipps im Interview.



Martin Oberhäuser UX & Interface Design

Martin Oberhäuser entwickelt mit seinem Hamburger Bureau Oberhaeuser Interfaces und Informationsgrafiken. Auf der Website des Büros werden ausgewählte Projekte mit vielen Details präsentiert, Interfaces immer auch in animierter Form. Im Interview berichtet Martin Oberhäuser, wie UI und UX Designer ihre Website so gestalten, dass sie bei potenziellen Kunden gut ankommt.

Wie seid ihr bei der Konzeption eurer Website vorgegangen?
Martin Oberhäuser: Die Arbeiten sollten im Vordergrund stehen, das war direkt klar. Wir entschieden uns für ein großes Headerbild, das regelmäßig ausgetauscht wird. Dieses stellt die Arbeit vor, die wir momentan als unsere beste oder interessanteste ansehen. Darauf folgt eine kurze Erklärung, wie wir Projekte angehen, bevor es mit der klassischen Aufbereitung des Portfolios weitergeht. Dort sind unsere Arbeiten in einem Grid angeordnet. Da Grids Standard für Portfolio-Seiten sind, war mir Abwechslung wichtig. Wir haben verschieden große Boxen verwendet und zudem zwischen den Projekten »Störerboxen« integriert, die zu Social-Media-Quellen oder zum Blog verlinken. Es ist ein repräsentatives Bild unserer Arbeit entstanden, das Lust auf mehr macht.

Worauf habt ihr besonders viel Wert gelegt? 
Die Preview-Bilder auf Portfolio-Seiten sollten ein großes Ganzes ergeben, damit sie nicht wild zusammengewürfelt wirken. Unsere Arbeiten sind aus diesem Grund alle auf dem gleichfarbigen grauen Hintergrund zu sehen. Wichtig war uns auch ein erkennbarer roter Faden, damit man direkt sieht, wofür wir stehen und wie wir arbeiten. Auf die Reihenfolge der vorgestellten Arbeiten ist ebenfalls zu achten. Wir zeigen zwischendurch auch mal eine Print-Informationsgrafik, selbst wenn sie etwas älter ist. So wird einfach erklärt, wo wir herkommen und wie wir Designprobleme angehen: diese Informationsdesign-Denkweise, die wir ins Digitale übertragen haben. Das hat auch schon Kunden überzeugt, mit uns zu sprechen. Weil es zeigt, dass wir nicht nur ein paar hübsche Interfaces basteln, sondern konzeptionell tief in Themen einsteigen, bevor wir diese optisch ansprechend aufbereiten.

Worauf sollten UX und Interface Designer bei der Gestaltung der eigenen Seite ansonsten achten? 
Ich sehe häufig, dass Designer auf ihren Websites nicht wirklich erkennen lassen, was sie machen und einfach alles ins Portfolio werfen. Dann fällt es schwer zu sagen: Wofür steht die Person? Wo liegen ihre Stärken? Ich würde daher immer empfehlen, stattdessen nur vier oder fünf sehr gute Arbeiten zu präsentieren, die eine klare Richtung erkennen lassen. Mir fällt außerdem auf, dass manchmal nicht genügend Zeit in die Aufbereitung der Projekte gesteckt wird. Gerade bei Interfaces ist es wichtig, das Ganze auch mal in Bewegung zu sehen. Wir bauen deswegen immer Animationen oder Videos ein. Das ist zeitintensiv, lohnt sich aber.

Gibt es auch absolute No-Gos bei der Website-Gestaltung? 
Banal, aber weitverbreitet: Seiten, die nicht mobil-optimiert sind. Das geht auf jeden Fall gar nicht mehr. Erstaunlicherweise sieht man immer noch Websites, die auf dem Smartphone nicht gut aussehen oder schlecht bedienbar sind. Dabei müsste doch langsam wirklich jeder wissen, dass mittlerweile viel mehr Traffic von mobilen Geräten kommt. Außerdem: Eine reduzierte Website ist zwar nicht schlecht, aber ein wenig Tiefe in der Projektdokumentation muss trotzdem sein. Sonst schauen sich Auftraggeber woanders um.

Wie ist das Feedback von (potenziellen) Auftraggebern auf eure Website?
Das Feedback ist generell positiv – wir hören oft, dass man gut versteht, wie wir vorgehen, sodass kaum Fragen offen bleiben. Das freut uns natürlich. Und in Bezug auf Akquise spielt die Website sogar eine größere Rolle, als ich anfangs angenommen hatte. Behance ist extrem wichtig für uns. Wir sind auf der Plattform sehr aktiv und haben inzwischen über 150.000 Follower. Die meisten Auftraggeber melden sich allerdings nicht direkt dort. Sie besuchen unsere Website und kontaktieren uns dann per E-Mail oder telefonisch. Zusätzlich ist eine professionelle Website also essenziell – auch weil Behance keine individuellen Gestaltungsmöglichkeiten bietet.


Gelungene Websites von UX/UI Designern haben wir hier auf einer Linkliste gesammelt.


In PAGE 12.2017 gehen wir detailliert darauf ein, worauf es für Interface und UX Designer bei der Gestaltung ihrer Portfolio-Websites ankommt. Mit vielen weiteren Tipps. Die Ausgabe ist ab sofort im Shop erhältlich

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