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Ausprobiert: Ko-Kreation mit ChatGPT und Adobe Firefly

KI-generierte Motividee, Moods zur Inspiration und Mockups mit Generative Fill. Wir testen die neuen Tools in einem Workflow für Illustration

Ein Mockup eines Buches, das in einer Sanddüne liegt
Mit Generative Fill kann man gewöhnliche Mockups zu ungewöhnlichen Visualisierungen für Produkte machen. Ein neuer Hintergrund, oder Details im Vordergrund lassen das Bild realistisch wirken – manchmal erweitert Generative Fill auch optisch das Motiv selbst

Für Illustrator:innen bedeutet KI einen rasanten Wandel. Die Sorge um Arbeitsplätze, künftige Aufträge und menschengemachtes Design ist groß. Künstliche Intelligenz kann aber auch in der Ko-Kreation zur Inspiration genutzt werden, und die menschliche Kreativität beflügeln.

Einige Möglichkeiten für die kollaborative Zusammenarbeit mit KI hat unsere Redakteurin Anne Kaiser an einer ihrer eigenen Illustrationen getestet – Step by Step von der Motividee bis zum Mockup.

1. Motividee mit ChatGPT

Ich starte mit einem fiktiven Briefing: Es geht um die Gestaltung eines Covers für Frank Herberts SciFi-Klassiker »Dune«. Dazu lasse ich mir von ChatGPT eine Zusammenfassung des Buches geben, Hauptcharaktere und die Szenerie beschreiben.

Besonders auffallend sind dabei die Kontraste zwischen der rauen Umgebung und der besonderen Ästhetik, die damit einhergeht. Also instruiere ich ChatGPT, sich wie ein:e Illustrator:in zu verhalten und aus dieser Perspektive eine Szene aus dem Buch vorzuschlagen, in der der Planet gut zur Geltung kommt. Am besten funktioniert die Interaktion mit der KI immer noch auf Englisch – man kommt aber auch auf Deutsch relativ weit.

Auf den Prompt: »act as a seasoned illustrator. propose a scene from dune that would be suitable to showcase the planet as well as some beautiful aspects like flora and fauna«, schlägt ChatGPT eine Szene mit Details zu Bildkomposition, Lichtstimmung und Umsetzung vor. Ich verfeinere sie mit Fragen und Stichworten weiter. Zum Beispiel frage ich nach Vorschlägen mit und ohne Charakteren im Zentrum, oder nach bestimmten Details.

Zum Schluss lässt sich die Bildidee in Stichworten ausgeben, die wir wiederum für eine Text-zu-Bild KI verwenden können.

Ein Screenshot aus Chat GPT mit einer Beschreibung einer Szene

2. Bildgenerierung mit Adobe Firefly

Ich entscheide mich für Firefly, da die Adobe KI noch etwas abstraktere Bilder generiert als beispielsweise Midjourney. Das eröffnet Spielraum für meine eigene Kreativität und erlaubt mir, mich von einzelnen Details inspirieren zu lassen, ohne gleich das finale Bild vor Augen zu haben.

Ich arbeite vor allem mit kurzen, einfachen Prompts, die in Firefly aktuell besser funktionieren als ausführliche. Das Bildformat ist auf Portrait eingestellt, um möglichst nah an ein Buchcover-Format zu kommen.

Vier von Adobe Firefly generierte Bilder von einer Sandlandschaft unter einem Nachthimmel mit Mons
Firefly macht vier Vorschläge für einen Prompt. Bei der Verfeinerung helfen Voreinstellungen wie »Concept Art« oder »Dramatic Lighting«, um einen semi-realistischen Stil zu erzeugen.

Mit kleinen Änderungen am Prompt und Experimenten mit der »Show Similar« Funktion von Firefly taste ich mich an die Bildkomposition heran. Spannend sind auch die vorprogrammierten Bildstile: »Science Fiction«, »Concept Art« und »Dramatic Lighting« bringen stilisierte, aber realistisch wirkende Ergebnisse. So entstehen mehrere Bilder, die ich als Favoriten abspeichere, um sie später mit der Generative Fill Funktion weiterzubearbeiten, Details einzufügen und mich an eine Komposition heranzutasten, mit der ich zufrieden bin.

drei Bilder aus Adobe Firefly, die zeigen, wie bestimmt ebIldbereiche mit neuen Motiven bestückt werden
In Firefly lassen sich mit Generative Fill Details einfügen

3. Procreate für den eigenen Stil

Anschließend wechsle ich zum iPad und öffne in Procreate ein neues Projekt. Darin sammle ich die KI-generierten Bilder, maskiere Teile und füge für bestimmte Details Fotoreferenzen hinzu.

Eine simple Skizze in einer neuen Ebene festigt schließlich die Komposition. Dabei habe ich einige Bildbereiche stark vereinfacht, um der Illustration den Charakter eines futuristischen SciFi-Filmplakats zu geben.

Eine Skizze einer Wüstenlandschaft neben einem Screenshot mit einer blau-gelben Farbpalette
Eine Skizze liegt unter der Illustration. Die Farben entstehen aus einer Palette, die Procreate aus einem der KI Bilder generiert

Die blau-gelbe Farbpalette erstelle ich über eine in Procreate integrierte Funktion aus einem der KI-generierten Bilder. Mit großen, groben Brushes lassen sich die Grundformen im Bild blocken. Anschließend nutze ich den gleichen Pinsel, um die Formen der Dünen zu verfeinern. Im nächsten Schritt füge ich Schnittmasken zu den Flächen hinzu, in denen Schatten und Lichtpunkte mit den Procreate Airbrushes gesetzt werden können.

Die großen Disteln im Vordergrund entstehen auf Basis einer Fotoreferenz und werden anschließend der Lichtsituation im Bild angepasst. Das Hauptmotiv steht!

Drei Bilder von einer Illustration in verschiedenen Stadien
Aus groben Formen entsteht die Grundlage für Licht, Schatten und Texturen

4. Texturen, Type und Finishing

Anschließend setze ich mit einem großen, texturierten Pinsel Akzente. So entsteht ein natürlicherer Look, der besser zur rauen Ästhetik des Planeten passt.

Den Dune Schriftzug zeichne ich von Hand. Für die kleineren Schriftzüge in Autorennamen, Jahreszahl und Buchtitel ziehe ich die Illustration in Photoshop für iPad und füge separate Textfelder ein.

Die finalen Anpassungen mache ich wieder in Procreate, und lege über die Schrift einen leicht texturierten Verlauf, um sie in den Hintergrund zu integrieren. Eine leichte Körnung auf der gesamten Illustration gibt ihr zusätzlich ein haptisches Gefühl. Zum Schluss passe ich noch einmal den Kontrast und die Farbwerte an.

Eine Illustration mit handgezeichneter Schrift neben einem Screenshot in Photoshop mit mehr Schrift
Eine Mischung aus handgezeichneten Schriften und Freefonts entsteht in Procreate und Photoshop
Eine Illustration mehrerer Sanddünen mit blauen Disteln im Vordergrund und einem Schriftzug »Dune«

5. Mockup mit Generative Fill in Photoshop

Um mir ein Bild zu machen, wie das Endprodukt aussehen kann, erstelle ich ein Mockup. Dazu könnte man komplett KI nutzen, müsste dann aber noch in Photoshop das Cover einfügen. Stattdessen arbeite ich mit einem vorgefertigten Mockup von mockups-design.com. Die simplen, cleanen Bilder stammen von dem Vollzeit-Mockup-Designer Andrzej Gdula, den wir in PAGE 12.22 vorgestellt haben, und sind kostenfrei und ohne Lizenz verwendbar.

Das Cover setze ich in der Photoshop Beta am Desktop als Smart Object ein und bearbeite anschließend nur den Hintergrund mit Generative Fill. Dazu wähle ich den Hintergrund aus und gebe dann thematisch passende Prompts ein. So liegt unser Buch am Ende nicht auf einem blanken Hintergrund, sondern halb begraben unter einer Düne – bereit für Social Media oder die Kundenpräsentation.

drei Bilder nebeneinander zeigen, wie ein Mockuphintergrund mit Ki ausgetauscht wird

Ein Mockup eines Buches, das in einer Sanddüne liegt
Besonders spannend wird es, wenn Generation Fill den Hintergrund an die Illustration anpasst

 

Dieser Beitrag ist erstmals am 7. Juni 2023 erschienen. 

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