Im Tutorial von Design Evangelist Marcus Rentsch zeigt er, wie sich mithilfe von Adobe Fireflys KI-Assistent und weiteren Creative-Cloud-Tools eine komplette Markenidentität entwickeln lässt – von der ersten Idee bis zum fertigen Brandboard. Wir haben den Workflow rund um den KI-Assistent, Adobe Firefly Boards, Adobe Illustrator und Adobe Fresco zusammengefasst.
Der kreative Prozess bei der Entwicklung einer neuen Marke beginnt meist mit einer vagen Idee: Wofür soll die Marke stehen, wie soll sie wirken, welche Geschichte steckt dahinter? Diese frühe Phase ist oft die zeitaufwändigste, da Stimmung, Werte und visuelle Sprache erst gefunden werden müssen, bevor überhaupt an Logo oder Farben gedacht werden kann.
Das Tutorial zeigt, wie sich gerade dieser frühe Ideenfindungsprozess durch den Firefly KI-Assistenten deutlich beschleunigen lässt. Marcus zeigt das anhand der fiktiven Marke »Soléa«, die für die sizilianische Süßspeise Granita steht, und die von einer Mischung aus San Francisco und Sizilien inspiriert ist. Im Fokus steht dabei nicht nur die Bildgenerierung, sondern das gesamte Zusammenspiel vom Brainstorming im Chat über das Sammeln erster Ideen in Moodboards bis zur finalen Umsetzung in Illustrator und Fresco.
Besonders relevant ist dieser Ansatz, weil sich zeigt, dass KI-Tools zwar Ideen und Ausgangsmaterial liefern können, die eigentliche Markenentwicklung aber weiterhin gestalterisches Wissen erfordert. Genau hier setzt der gezeigte Workflow an und verbindet den Input des Firefly KI-Assistenten mit klassischer Design-Praxis in Illustrator und Fresco.
In rund 20 Minuten lernst du:
00:00–04:03: wie du mit dem Firefly KI-Assistent im Chat eine Markenidee entwickelst. Von der Backstory über die Namensfindung bis zur Markenpersönlichkeit und einer ersten Farbpalette aus KI-generierten Bildern.
04:30–13:14: wie du die Ergebnisse in Firefly Boards zu einem Moodboard zusammenführst und anschließend in Illustrator mit Farbpalette, Typografie, Logo-Varianten, Signet, Mustern und Rundlogo ein vollständiges Markensystem entwickelst.
13:59–15:06: wie du mit Adobe Fresco auf dem iPad eigene Illustrationen zur Marke zeichnest und diese direkt in Illustrator weiterverwendest.
16:00–17:47: wie du alle Elemente – Logo, Farben, Muster, Illustrationen – in Firefly Boards zu einem finalen Brandboard zusammenführst, inklusive Anwendungsbeispielen wie Gläsern mit Logo.
18:08–19:50: worauf du bei KI-generierten Bildern in Kundenprojekten urheberrechtlich achten musst und welche Rolle der Designer beim Schutz von Logo und Marke weiterhin spielt.
Die wichtigsten Learnings aus dem Tutorial
1. Vom weißen Blatt zur ersten Idee, aber mit Grenzen
Zu Beginn nutzt Marcus den Firefly KI-Assistent, um im Chat eine erste Markenidee für die fiktive Granita-Marke »Solea« zu entwickeln, von der Backstory (halb San Francisco, halb Sizilien) bis zur Markenpersönlichkeit. Für die Angst vor dem leeren Blatt ist das ein cleverer Einstieg: Firefly KI-Assistent liefert schnell ein paar allgemeine Ideen, mit denen sich weiterarbeiten lässt.
Auffällig ist, dass die ersten Vorschläge der KI noch recht generisch ausfallen, das räumt Marcus im Video selbst ein. Nach zwei bis drei präzisen Anpassungen nähern sich die Ergebnisse allerdings dem an, was er sich tatsächlich vorstellt. Das zeigt, was der Firefly KI-Assistant an dieser Stelle wirklich leistet: Er ersetzt den kreativen Prozess nicht, sondern unterstützt ihn – indem er eine vage Grundidee in Sekunden ausformuliert und direkt in fünf ersten Visualisierungen greifbar macht.
Aus den generierten Bildern schlägt die KI acht Marken-Farben vor, die sich direkt als Set in der Creative Cloud speichern lassen. Dazu liefert der KI-Assistent eine Art Prompt-Bibel, konkrete Vorgaben zu Stimmung, Hintergründen und visueller Sprache der Marke. Für den weiteren Workflow ist das eine solide, sofort nutzbare Grundlage.
Eine vorgeschlagene Farbpalette basierend auf dem Input zur Marke, vom Adobe Firefly KI-Assistent Bild: Adobe
2. Firefly Boards als zentrale Anlaufstelle
Alle bisherigen Ergebnisse (Name, Prompt-Bibel, Farben, Bilder) führt Marcus anschließend in Firefly Boards zusammen. Als Whiteboard- und Moodboard-Tool eignet sich Firefly Boards besonders gut dafür, verschiedene Creative-Cloud-Werkzeuge an einem Ort zu bündeln und im Blick zu behalten. Der Im- und Export zwischen den Programmen läuft dabei unkompliziert und genau dieses Zusammenspiel ist einer der stärksten Aspekte des gezeigten Workflows.
Die Moodboard-Übersicht in Firefly Boards mit der Prompt-Bibel und ersten Bildern. Bild: Adobe
3. Design-Expertise in Illustrator: wo die KI aufhört
In Illustrator zeigt sich am deutlichsten, wo die eigentliche Designarbeit beginnt. Zwar übernimmt Marcus die von der KI vorgeschlagene Farbpalette, entwickelt daraus aber eine eigene Schrift und die Idee, ein Blatt als Akzent über dem Buchstaben »e« zu platzieren. Beim Ausprobieren entstehen daraus immer neue Ansätze: ein Muster, das sich auch für To-Go-Verpackungen eignet, ein Rundlogo, eine reduzierte Version nur mit Blatt und Buchstabe.
Keine dieser Ideen kommt von der KI. Genau hier wird sichtbar, dass eine KI zwar gestalten kann, ein Designer im eigenen kreativen Prozess aber deutlich weiterdenkt und dabei Dinge entdeckt, die beim reinen KI-Output verloren gehen, weil man dort nur das fertige Ergebnis sieht, aber kein Trial-and-Error auf dem Weg dorthin.
Logo-Varianten und Muster der imaginären Marke in Illustrator. Bild: Adobe
Als zusätzlichen Schritt zeichnet Marcus in Adobe Fresco auf dem iPad eigene Illustrationen auf Basis der generierten Bilder und Moodboards und exportiert diese direkt zurück in Firefly Boards. Auch das ist ein gutes Beispiel dafür, wie reibungslos die Creative-Cloud-Programme ineinandergreifen.
4. Finales Brandboard und der Umgang mit Urheberrecht
Am Ende führt Marcus alle Elemente (Name, Logo, Farben, Muster, Illustrationen) in Firefly Boards zu einem vollständigen Brandboard zusammen, inklusive Mockups auf Gläsern und Verpackungen.
Finales Brandboard in Firefly Boards mit Mockups, Logo und Stimmungsbildern. Bild: Adobe
Im Video selbst spricht Marcus auch noch über Urheberrecht: Das Logo hat er zu 100 Prozent selbst gestaltet, dafür besteht also Urheberrecht. Rein KI-generierte Bilder und Partnermodelle lassen sich für Logo oder Markenkern zwar ebenfalls einsetzen – allerdings auf eigene Gefahr. Denn ohne eigenes Urheberrecht an der Gestaltung droht im Zweifel ein unbestrafter Diebstahl der eigenen Marke: Wer sein Logo komplett von der KI generieren lässt, kann sich im Ernstfall nicht dagegen wehren, wenn andere dieselbe Gestaltung übernehmen. Für Kundenprojekte heißt das: KI eignet sich vor allem für das initiale Brainstorming, nicht aber für die finale, rechtlich geschützte Erstellung von Logo oder Markenkern.
Unser PAGE-Fazit
Das Tutorial zeigt vor allem eines sehr deutlich: Wie gut die Programme der Adobe Creative Cloud ineinandergreifen. Der einfache Im- und Export von Visuals, Farben und Assets zwischen Firefly KI-Assistent, Firefly Boards, Illustrator und Fresco ist letztlich einer der größten Vorteile der Creative Cloud insgesamt und wird hier am Beispiel eines kompletten Branding-Workflows sehr anschaulich vorgeführt.
Gleichzeitig macht das Video deutlich, dass KI zwar beim Brainstorming und bei ersten Ideen hilfreich sein kann, gestalterisches Können aber weiterhin unverzichtbar bleibt. Gerade im Illustrator-Teil zeigt sich, wie viel mehr ein Designer im eigenen Prozess entdecken und entwickeln kann – Ideen, die aus reinem KI-Output so nicht entstehen würden. Am Ende lässt sich Design-Expertise eben auch am Ergebnis vom reinen KI-Output unterscheiden.
Nicht zuletzt liefert das Tutorial auch einen wichtigen rechtlichen Hinweis: Wer mit KI-generierten Inhalten in Kundenprojekten arbeitet, sollte genau wissen, wo die eigenen Urheberrechte enden und wo Design-Arbeit anfängt, die tatsächlich geschützt ist.
Über Marcus
Marcus ist Grafikdesigner und hat eine Leidenschaft für mutige Ideen und verspielte visuelle Gestaltung. In seiner Rolle als »Design Evangelist« bei Adobe vermittelt er in Vorträgen, Videos und bei Live-Events Inspiration und kreative Techniken – stets mit dem Ziel, in der Design-Community neue Denkansätze anzustoßen.