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Vandalismus: Making-of Cover und Single-Release

Zur Veröffentlichung von »Alle Toten Dichter« mit dem Making-of-Video zum Album-Cover von »Gloria & Schwefel« sprechen Rap-Musiker Vandalismus und Cover-Gestalter UNgleich über die Entstehung des Artworks.

Wimmelbild Coverartwork Gloria und Schwefel Am 4. September erscheint das neue Album »Gloria & Schwefel« von Vandalismus beim Hamburger Label Audiolith. Für das Cover-Artwork engagierte er Grafikdesigner Fabian Hotz, den Gründer von UNgleich Design, der den Gestaltungsprozess in ProCreate in einem Zeitraffervideo festhielt. Heute veröffentlichen sie es vorab mit dem Track »Alle toten Dichter« und einem Interview auf PAGE-Online.

Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Vandalismus: Den Fabian habe ich über einen Kumpel auf Instagram kennengelernt, für den er auch ein Cover gestaltet hat. Ich fand seine Sachen sehr geil, sehr umfangreich und so sind wir in Kontakt gekommen und geblieben.

Fabian: Vandalismus hatte damals gesagt, dass er sich beim nächsten Projekt melden würde und das geschah dann auch, als »Gloria & Schwefel« in den Startlöchern stand. Ich habe mich sehr gefreut, weil ich sein Schaffen schon seit einigen Jahre verfolge und seine Musik selbst höre. Vandalismus hatte außerdem eine klare Vision für das Cover, die ich nur noch in Form bringen musste.

Wie ist diese Vision zum Cover denn entstanden?

Vandalismus: Ich bin gelernter Mediengestalter und total Cover-, Artwork- und Produkt-affin. Wenn ich ein Cover mache, kucke ich mir einfach vieles an und sammle Moodbilder, ich kucke, was ich gerade mag, was mir gerade gefällt und was ich noch nicht gemacht habe. Und weil ich vor Kurzem in Korea war, war ich wieder total im Spielzeug- und Anime-Fieber und es sollte kawaii sein, also niedlich und süß.

Skizze

Wir haben zuerst einfach ausprobiert – es sollte anfangs ganz anders aussehen – aber ich kam für das Album nicht auf ein krasses Hauptthema oder ein Mainvisual – wie beim Vorgängeralbum, da wollte ich eine starke Frau – das war eine klare Idee. Hier haben wir dann gesagt, lass uns ein Wimmelbild machen, in dem es ganz viel zu entdecken gibt. Ich mag so überladenen Bilder, die man sich lange anschaut, weil man immer wieder etwas Neues findet. 2017 habe ich ein ähnliches Cover gemacht und jetzt versucht, es nicht ganz so ähnlich zu machen. Dann habe ich angefangen zu sammeln; alles was mir wichtig ist, was cool ist, was mir etwas bedeutet und alles in das Bild soll.

Fabian: Die Devise war – mehr ist mehr! Je bunter, chaotischer und abgedrehter, desto besser! Es sollten ikonische Anspielungen und Charaktere aus verschiedenen Filmen und Serien ihren Platz im bunten Gewimmel finden. Skeletor oder die niedlichen Waldgeister aus »Prinzessin Mononoke« von Studio Ghibli. Vandalismus hat mir noch eine Bleistiftskizze mit Anmerkungen geschickt und ich habe angefangen das Artwork zu skizzieren.

Wie lief eure Zusammenarbeit und das Feedback?

Vandalismus: Wir haben die Motive Stück für Stück durchgearbeitet, Fabian hat gezeichnet und ich habe gesagt: »Das kann gern anders aussehen« oder: »Oh ja, das ist mega.« Die Vogelscheuche wollte ich unbedingt haben.

Was hat die zu bedeuten?

Vandalismus: Die ist düster, ein bisschen dreckig, nicht böse, nicht depri, sie ist einfach ein Klassiker, Grusel aber kein Horror. Diese Spannung wollte ich, Heftigkeit, aber immer charmant, diesen Disney Horror, der sich generell durch meine Sachen zieht. Der kindliche und der raue Teil, das bin ich halt, das passt zu mir, das ist kein Widerspruch, das ist alles ständig da.

Fabian: die Vogelscheuche habe ich auch zuerst illustriert, und dann nach und nach das Bild mit allerlei lustigen Figuren, Süßigkeiten und Elemente der japanischen Kultur gefüllt. Zu meiner großen Freude, denn wir sind beide Japan-Fans, deshalb auch das hohe Tempelgebäude oder japanische Spezialitäten.

Vandalismus: Die Winkekatze war mir aber ein bisschen zu standardjapanmäßig, die musste weg. Ich zeichne selber viel, wenn man jemanden beauftragt, hat man immer diesen Tada-Effekt und es ist cool, wenn sich noch mal komplett alles ändern kann, so wie bei den Pflanzen. Wir haben mit den Figuren angefangen und das war dann alles irgendwie noch ein bisschen zu kalt und ich hab gesagt: »Mach doch mal alles voll mit Blumen, Pflanzen, geilen Scheiß.« und Fabian hat das auch alles gemacht, aber mir haben die alle nicht gefallen, komplett nicht.

Vandalismus Pressefoto
Und ich habe ihm ehrlich gesagt: »Finde ich alles nicht gut, ich brauch so richtig geilen Scheiß, kleiner Horrorladen, richtig abgedrehte Spacepflanzen.« Und dann hat Fabian alles neu gemacht, und bams, mega geil. Erst denkt man, ist ja doch ganz schön schwierig mit einem anderen Künstler zusammen zu arbeiten und dann läuft es plötzlich. Die lila Pflanze links habe ich mega gefeiert.

Fabian: Ja meistens war er begeistert und die Dinge, die ihm nicht gefallen haben, habe ich eben entfernt und durch andere bunte oder süße Dinge ersetzt. Ich hatte aber immer alle Freiheiten, um ungezwungen kreativ zu sein und als das Cover dann gefüllt und abgesegnet war, habe ich die Outlines gezogen. Anschließend nochmal ein finales »Okay« eingeholt und dann ging es los mit kolorieren.

Den Hintergrund hattet ihr zuerst dunkler, was war denn das Briefing zu den Farben?

Vandalismus: Beim Hintergrund hatte ich erst Lila im Kopf, ein bisschen gedeckter, weil eh alles so knallig ist, aber dann wollte ich mehr Pink, das Sensibilität und eine feminine Seite von mir ausstrahlt. Insgesamt wollte ich, dass das Cover beim Ankucken fast Zahnschmerzen macht, so knatschi, so schön, liebevoll und hart.

Fabian: Ich habe Vandalismus eine Farbpalette geschickt, mit den Farben, die ich mir überlegt hatte. Sehr viel Rosa, Pink und Blau, weil das einen guten, knalligen Kontrast ergibt. Die Neonfarben sind zeitgemäß und gefielen mir einfach gut.

Vandalismus: Die Farbpalette ist so schön, die habe ich als Bildschirmhintergrund auf dem Handy. Ich kann als Teampartner, glaube ich, ganz schön stressig und akribisch sein, oder leidenschaftlich und das kann anstrengend sein, aber Fabian war der Gechillteste. Und er hat mir einen sehr kollegialen Preis für das Artwork gemacht und dann noch die völlige Kür geliefert und mir für die Labels auf der Rückseite extra etwas gezeichnet.

Fabian: Ja, eine Sushirolle und ein Katzenschwanz, der sich kringelt wie bei der Grinsekatze aus Alice im Wunderland.

Vandalismus: De luxe! Ich wollte sofort eine Flatrate.

Fabian: Ich habe am Schluss noch Licht und Schatten gesetzt, für Plastizität und Räumlichkeit, und Vandalismus hat noch den Albumtitel eingesetzt.

Wieso hast du das selbst gemacht?

Vandalismus: Schrift würde ich nie abgeben, ich bin schon immer schriftfixiert und entwerfe sehr gerne Buchstaben. Entweder zeichne ich sie von Anfang an selbst, oder ich baue fertige Fonts aus. Für ein Cover erstelle ich immer eine Fontliste. Ich sammle alle Fonts in einem Dokument, kombiniere dann Schriften, baue sie aus, oder mache die Konturen selber, aber hier habe ich ausnahmsweise nichts verändert.

Apropos, was bedeuten eigentlich die japanischen Zeichen oben links?

Vandalismus: Die beschreiben einen japanischen Brauch, bei dem es um das Schenken von Schokolade geht. Normalerweise verschenken Frauen und Mädchen am Valentinstag Schokolade. Da gibt es zwei Sorten, die hochwertige, oft selbstgemachte, teure Liebesschokolade und die gekaufte, nicht so teure Höflichkeitsschokolade für den Chef oder die Eltern. Irgendwann kam dann die Gegenschokolade, die Männer zurück schenken durften, und dann gab es die Entwicklung, dass jetzt Männern den Frauen zuerst Schokolade schenken dürfen. Die Zeichen bedeuten Gyaku choko, Gegenschokolade. Feminismus, Gleichberechtigung in Kombination mit Schokolade, das passt perfekt!

Zu guter Letzt ist das aktuelle Cover auch als Wendecover einer Doppel-CD mit dem Vorgängeralbum »Freunde Lügen nicht« zu haben, wie kam es dazu?

Vandalismus: Von dem Album haben wir damals keine CD gemacht und wollten das jetzt für ein Bundel nachholen. Aber es sollte nicht einfach eine Extra-CD sein oder beide Alben auf einer CD, sondern es sollte ein cooles Gimmick sein. Aus VHS-Zeiten – ich habe früher sehr viel in Videotheken gearbeitet  – kannte ich die englischsprachigen VHS. Die hatten ein kleineres Format, und ein ganz anderes Cover-Artwork, als die deutschen Titel. Große Prints, viel kleinere Schrift, ganz andere Gewichtung – das fand ich schon immer mega geil – und die hatten auch oft Wendecover. Du konntest sie aufmachen, das Papier rausnehmen und umdrehen. Das fand ich geil und habe das Booklet so gestaltet, dass man es wenden kann. Mit allen Texten und allen Grüßen, die find ich bei anderen ja auch spannend.

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wow, danke

  2. Sehr interessant zu lesen, macht mal mehr davon, gerade bei Musikern und deren Verbindung zu Grafik. Vandalismus ist n dufter Typ, sensibel und rauh, nicht so Poprap und sinnloses Markennamenscrabble. Gerne in Ruhe zuhören und denken.

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