ScientifiCreation Teil 2

Teil 2 des Artikels »ScientifiCreation« aus PAGE 10.2001 über Infografiken, die keine sind
 

Die Ästhetik von www.motiontheory.com soll die Schönheit der Mathematik widerspiegeln und damit etwas über Stil und Arbeitsweise der kalifornischen Agentur aussagen

Die enge Verbindung der Kreativen zu der Technologie, die sie nutzen, sieht auch Mathew Cullen als einen der Gründe für

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Teil 2 des Artikels »ScientifiCreation« aus PAGE 10.2001 über Infografiken, die keine sind

Die Ästhetik von www.motiontheory.com soll die Schönheit der Mathematik widerspiegeln und damit etwas über Stil und Arbeitsweise der kalifornischen Agentur aussagen


Die enge Verbindung der Kreativen zu der Technologie, die sie nutzen, sieht auch Mathew Cullen als einen der Gründe für den Trend zu einem wissenschaftlichen Look. »Leuten, die großes Programmiertalent mit einer großen visuellen Begabung vereinen, begegnet man selten«, sagt der Kreativ-Direktor und Mitinhaber der kalifornischen Agentur Motion Theory [schon interessant, wie ganz anders die Websites heute aussehen!]. »Aber sie sind es, die gegenwärtig unsere Wahrnehmung von Design ändern und Bilder schaffen, die Neugier wecken. Ihre Arbeit ist sowohl funktional als auch visuell.«

Andere Ursachen könnten seiner Meinung nach ganz schlicht die Allgegenwart von Charts und Diagrammen im Zeitalter von Infomagazinen und PowerPoint-Präsentationen sein sowie die Tatsache, dass schematische Darstellungen keine allzu großen Dateien erzeugen und sich darum fürs Web eignen. Als Wegbereiter sieht Cullen Autoren wie Edward R. Tufte, der mit seinen berühmten Bü­chern »Envisioning Information«, »Visual and Statistical Thinking«, »Visual Explanations« schon vor Jahren den Geschmack an der Schönheit von Statistiken weckte, sowie in jüngerer Zeit John Maeda (siehe PAGE 02.2001, Seite 36 ff.), dessen computergenerierte Grafiken viele Designer prägten.

Was ihn selbst betrifft, so ist Mathew Cullen familiär vorbelastet: Sein Vater war ein berühmter Mathematiker. »Ich bin in einer Welt groß geworden, die von in der Mathematik begründeten ästhetischen Ideen inspiriert war«, berichtet er. »Wissenschaftler und Mathematiker suchen nach den simpelsten Methoden, komplizierte Sachverhalte zu beschreiben. Das versuche ich künstlerisch umzusetzen. Die Designprojekte unserer Firma basieren zu einem großen Teil auf Programmierung und somit auf Mathematik. Unser Erscheinungsbild spiegelt das wider.«

Ein Mathe-Fan ist auch Arnaud Mercier, doch diese Vorliebe schlägt sich bei ihm in ganz anders gearteten Kreationen nieder. »In der Schule war ich wirklich gut in Mathema­tik und Physik«, erzählt er. »Es gefiel mir, die Natur anhand von konkreten Konzepten zu analysieren.« Genau dies tut er heute als Gestalter unter www.elixirstudio.com [Arnaud Mercier ist heute unter http://www.area17.com zu finden]. Der Name rührt von dem Studio her, das er bis vor kurzem mit großem Erfolg in Marseille betrieb. Inzwischen arbeitet er in Vancouver bei Blastradius und benutzt die Site als Experimentierfeld. Unter den Titeln »Up« und »Journey« präsentiert er hier Fotos und Videos, die er mit Infografiken versieht, um ihnen einen Look von »urbaner Analyse« zu verleihen, wie er es formuliert.

Dabei geht es um mehr als den puren Anschein. »Meine Arbeit beschäftigt sich vor allem mit alltäglichen Gegenständen oder Situationen, die man üblicherweise nicht wahrnimmt. Indem ich die Bilder, die ich von ihnen schie­ße, mit Infografiken versehe, versuche ich ihnen eine andere Bedeutungsebene zu geben.« So enthält »Up« eine Sze­ne, wo ein Mädchen in einer U-Bahn neben einem anderen sitzt und raucht. »Als Betrachter fällt einem erst mal nichts auf, wenigstens nicht als Europäer. Legt man darüber eine Ebene, die den Rauch und die Lungen des anderen Mäd­chens darstellen, beginnt man etwas auszusagen.« Natürlich gäbe es eine Menge Gestalter, die nur eye candy produzieren, schöne Oberflächen ohne Inhalt. »Aber ob Sie es glauben oder nicht, ich versuche Design in jeder meiner Arbeiten als eine Art grafische Sprache zu nutzen, um ohne Worte etwas auszudrücken.«

Arnaud Mercier verleiht Filmen und Fotos zusätzliche Bedeutungsebenen, indem er Infografiken darüber legt, wobei der Humor nicht zu kurz kommt

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