Hörzu Heimat – Expertencheck von Johannes Erler

Seit vergangenem Mittwoch liegt die neue Line Extension der »Hörzu« am Kiosk. Mit »Hörzu Heimat« bietet der Axel Springer Verlag seinen Lesern ab sofort alle zwei Monate ein 124-Seiten starkes und 3,50 Euro teures Magazin an. 



Seit vergangenem Mittwoch liegt die neue Line Extension der »Hörzu« am Kiosk. Mit »Hörzu Heimat« bietet der Axel Springer Verlag seinen Lesern ab sofort alle zwei Monate ein 124-Seiten starkes und 3,50 Euro teures Magazin an.

Inhaltlich gliedert sich der Titel in die  Rubriken Natur, Leben, Haus & Garten, Genuss, Land & Leute sowie Heimatkunde – opulent bebildert und gefüllt mit Reportagen und anderen Stücken. Die Auflage liegt vorerst bei 300.000 gedruckten, die Hoffnung bei 150.000 verkauften Exemplaren. Soweit die Eckdaten. Wir prüfen »Hörzu Heimat« auf seine Gestaltung hin und haben Johannes Erler gebeten, den Experten-Check zu machen. Der Inhaber der Designagentur Factor Design ist frisch gewählter Fachvorstand Editorial beim Art Directors Club für Deutschland.

Titeldesign: Sehr süß(lich). Der Titelschriftzug wirkt ein bisschen hingehauen und hat noch keinen echten Markencharakter. Das Papier fasst sich (im Gegensatz zum Innenteil) nicht schön an. Es wirkt ein bisschen wie
günstiger Digitaldruck. Der Fokus auf dem Titel fehlt. Da muss man mehr draus machen!

Layouts: Routiniert. Gut und liebevoll gemacht. Gute Dramaturgie, souveräner Umgang mit Bild- und Textstrecken. Schöner Einsatz von Illustration. Immer wieder Tips. Vielleicht etwas zu viele Details. Das Heft wirkt, gemessen am Thema und der mutmaßlichen Zielgruppe, durchaus frisch und modern – und dabei fast schon zu perfekt.

Fotografien: Eine Gratwanderung. Vieles wirkt sehr »stocky«. Besonders hier: keine Brüche. Alles ist perfekt, strahlend, bunt. Sieht so Heimat wirklich aus?

Typo: Prima! Schöne Typen, gute Mischung und fast immer ein guter Satz. Bisweilen zu wenig Abstand zwischen den Buchstaben und dadurch schwer zu lesen. Aber das ist fast schon Feinkost.

Fazit: Nach dem Erfolg von »Landlust« scheint der Trend zu Heimatmagazinen ungebrochen. Scheinbar immer noch eine echte Marktlücke (es gibt mittlerweile vier oder fünf ähnliche Titel am Kiosk). »Heimat« spielt unverhohlen mit diesem Image und hebt die Zeile »Lust aufs Land« sogar auf den Titel. Überhaupt der Titel: ein Schwelgen in Superlativen (»So schön ist Deutschland«, »Der leckerste Apfelkuchen«, »Die 33 schönsten
Wanderwege«, »So toll wird unser Herbst«). Und so setzt es sich dann auch durch das ganze Heft hindurch fort. Alles ist perfekt und großartig. Die Menschen strahlen. Obst und Gemüse sind frisch und  knackig und die Tiere sind glücklich. In »Heimat« gibt es keine  Probleme, das Heft ist gedruckter Eskapismus und mir wird das ehrlich gesagt ziemlich schnell zu viel. Soviel Glück halte ich einfach nicht aus! Trotzdem: das Heft ist gut gemacht, daran gibt es keinen Zweifel. Könnte also funktionieren, wenn es wirklich so viele Menschen gibt, die mal eine 100-prozentige Auszeit von der Realität brauchen. Das allerdings wäre ja fast schon ein wenig erschreckend …


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