Editorial Design: Alive & Kicking

Von der Druckmaschine in die digitalen Kanäle und auf die Bühne: Editorial Design ist heute in allen Medien zu Hause. Gestaltern verlangt das große Konzeptionsstärke ab – und es gibt ihnen die Möglichkeit, tolle Magazine für eine breite Leserschaft oder eine ganz spitze Zielgruppe zu machen.



Foto: Malte HM Spindler

Der Verlag Die Brueder Publishing ist vor allem für die Organisation des Independent Publishing Festivals Indiecon (dieses Jahr am 7. und 8. September) und für das Hamburger Stadtmagazin »Gentle Rain« bekannt. Wir befragten Mitgründer Malte Brenneisen zur aktuellen Lage am Indiemag-Markt und nach den Herausforderungen des unabhängigen Publizierens.

 

Ist der Indiemag-Hype etwas abgeklungen oder ungebrochen?

Malte Brenneisen: Wir können uns vor Anfragen für einen Messestand auf der Indiecon kaum retten. 70 bis 80 Stände waren geplant, jetzt haben wir über 100 zugesagt. Zudem haben wir täglich den Briefkasten voll mit neuen Magazinen. Nur ist die Frage immer: Wie viele Ausgaben des jeweiligen Hefts wird es geben?

Wie lang ist denn die Halbwertszeit eines Indiemags?

Das wäre ein tolles Thema für eine Masterarbeit. Nach unserer Wahrnehmung gibt es meist zwei oder drei Ausgaben, aber dass ein Magazin auch die fünfte erlebt, ist selten. Dahinter stecken oft Kollektive. Dennoch: Auch wenn es nur zwei oder drei Ausgaben sind, kann man an ihnen sehr gut Gestaltungstrends und Bildsprachen ablesen.

Einzelkämpfer haben es schwer?

Kollektive haben definitiv mehr Überlebenschancen als One-Man-Shows. Die Zutrittsschwelle zu diesem Markt ist sehr niedrig. Drucken wird immer billiger, die Creative Cloud kann man mieten. Die Herausforderung liegt darin, sich durchzusetzen. Viele unterschätzen den Aufwand von Konzeption, Gestaltung, Druck, Vertrieb und Vermarktung eines Magazins.

Was macht ein Indiemag erfolgreich, auch finanziell?

Zunächst kann es nicht schaden, via Crowdfunding zu schauen, ob Interesse an dem Thema besteht, und sich so vielleicht schon die ersten Abonnenten zu sichern. Ich kenne Magazine, die finanzieren sich durch Events wie Releasepartys. Und man kann Sponsoren und Förderer finden. Mittlerweile gibt es einige Unternehmen und Marken, die es fast schon als gesellschaftlichen Auftrag sehen, Indiemag-Macher zu unterstützen. Vor allem aber braucht es einen guten Zugang zu einer besonderen Zielgruppe, wie es zum Beispiel Tristan Rodgers mit seinem Magazin »MC1R« für Rothaarige gelungen ist. Aber nur die Nische zu finden, reicht nicht aus, man muss dort auch überzeugend sein. Die Leser wollen immer mehr Authentizität, eine Person, die mit dem Magazin verbunden ist. Es kommt wahrscheinlich aus der Social- Media- Welt, dass viele Menschen eher Fan als Leser sein wollen.

Was ist der bessere Weg, von Print zu Digital oder andersrum?

Die meisten Indie-Magazine werden gedruckt. Aber es gibt auch welche, die den Weg genau andersherum gehen. »C/O Vienna« zum Beispiel, ein richtig tolles Magazin, das seit 2015 wöchentlich online erscheint und im Frühjahr erstmalig eine Printausgabe realisiert hat. »Anxy« und »Transform« haben zunächst ein Crowdfunding gestartet, und »Block« wird nur dann gedruckt, wenn mindestens 1300 Vorbestellungen eingegangen sind.

Das ganze Interview sowie noch viel mehr Informationen, Einschätzungen und natürlich inspirierende Beispiel rund ums Editorial Design finden Sie in der Titelgeschichte der PAGE 09.2019. Das Heft können Sie hier bestellen.


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