Siebdruck mit Glitzereffekt: Tipps zum Thema Druckveredelungen

Ob Blindprägung, Heißfolie und Relieflack oder Glitzerlack im Siebdruck – in einer dreiteiligen Serie stellen wir die Besonderheiten unterschiedlicher Veredelungen vor und zeigen Step by Step, wie man den Druck vorbereitet und umsetzt.




Glitzerlack im Siebdruck als Druckveredelung

Veredelungen geben einem Printobjekt einen Extrakick – allerdings nur dann, wenn Sie am Ende auch wirklich so aussehen wie geplant. Damit Sie keine bö­sen Überraschungen erleben, haben wir uns mit der Designagentur Factor, der Druckerei Gallery Print und dem Papieranbieter Meta­paper zusammengetan und zwölf Sammelkarten ent­wickelt, die Mög­lichkeiten und Herstellung verschie­dener Veredelungen demonstrieren.  Drei davon stellen wir Ihnen exklusiv in PAGE vor.

Drei Karten exklusiv in PAGE

Im ersten Teil unserer Serie erklären wir, wie die Blindprägung auf der PAGE 08.2019 beiliegenden Veredelungskarten entstand. Teil zwei un­serer Serie erläutert, wie die goldene Heißfolienprä­gung für den Drachen, die weiße Heißfolie für das D und der transparente Relieflack auf PAGE 09.2019 beiliegende Karte gelangten. Im letzten Teil unserer Veredelungsserie zeigen wir, wie man eine Karte im Siebdruck mit selbst gemixtem bunten Glitter versieht. Die Sammelkarte dazu finden Sie in der PAGE 10.2019.

Inhaltsverzeichnis


12 Motive, 12 Veredelungen, 12 Papiere:
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12 Druckveredelungen, Papiere und Motive: Als Set bestellbar

Welche Druckveredelungen gibt es und wie fühlen sie sich an? Um die Möglichkeiten aus Druckergebnis, Design und Haptik zu vermitteln, gibt es nun 12 Karten auf 12 unterschiedlichen Papieren – gestaltet von der Agentur Factor, gedruckt und veredelt von Gallery Print.

  • Für wen? Agenturen, Designer und alle Print- und Papierliebhaber
  • Warum? Inspiration und wichtiges Know-how stets griffbereit
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Glitzerlack im Siebdruck Schritt für Schritt erklärt

Siebdruck ist ein Klassiker der Druckkunst. Aber auch hier lassen sich mit einigen Tricks tolle Extra-Effekte erzielen. Im dritten Teil unserer Serie erklären wir, wie der Glitzerlack im Siebdruck auf die dieser Ausgabe beiliegende Karte kam.

So funktioniert die Druckveredelung mit Glitzerlack

1. Motiv in InDesign reinzeichnen

Der bunte Glitzerlack soll später auf die grünen Elemente des Motivs (Pan­tone 361 U) gedruckt werden. Eine Extraebene in InDesign war dafür jedoch nicht erforder­lich, Gallery Print verwendete einfach noch einmal die Vorlage für den Offsetdruck. Die wei­ßen Formen sind übrigens nicht gedruckt – hier scheint die Papierfarbe durch. Bei der Reinzeichnung weist man ihnen entsprechend das Farbfeld »Papier« zu.

2. Siebdruckschablone fertigen

Zunächst stellte Gallery Print einen Film her, auf dem die grünen Motivelemente des Motivs schwarz sind. Dann trug das Team eine lichtempfindliche Emulsion auf das Sieb, einen mit Gewebe bespannten Rahmen, auf und belichtete da­rauf den zuvor angefertigten Film. Auf diese Weise entsteht die Schablone für den Druck. An den Stellen, die Licht bekommen, härtet die Emulsion nämlich aus, das heißt, das Sieb lässt dort später keine Farbe durch. Durch die schwarzen Elemente auf dem Film fällt kein Licht, diese Bereiche bleiben also offen – nach dem Ausspülen des Siebs sind sie als weiße For­men zu erkennen. Hier wird dann später der Glitzer­lack hindurchgedrückt. In diesem Fall kam ein recht grobes Sieb aus textilem Material mit einer Maschenweite von 36 Fäden pro Zentimeter zum Einsatz.

3.  Sieb einrichten

Damit Druckbogen und Sieb genau übereinanderliegen, führt man das Papier mittig in die Maschine, das Sieb lässt sich dann bis zu 4 Millimeter nach links und rechts sowie nach oben und unten rücken. Bis es 100-prozentig passt, muss der Siebdrucker die Position meist einige Male von Hand korrigieren.

4.  Druckbogen in die Siebdruckmaschine einlaufen lassen

Die zuvor im Offset bedruckten Bogen liegen auf einem Papierstapel. Ein Sauger saugt den obersten an und übergibt ihn an den An­lagetisch. Dort liegen die Bogen leicht übereinander und laufen auch so in die Siebdruckmaschine ein, die sie an einer Zielmarke ausrichtet. Während der erste Bogen noch justiert wird, rutscht der zweite bereits Stück für Stück nach. Die hier eingesetzte SPS Vitessa VX 2 schafft etwa 1600 Bogen in der Stunde, das heißt, bei unserer Auf­lage von 4000 Stück brauchte sie weniger als drei Stunden. Gallery Print druckte den Stapel zunächst bis zum eingelegten »Achtung Macke«-Zettel (siehe oben) – dabei handelt es sich um die Makulaturbogen, die zwar passgerecht sind, also vom Stand her stimmten, aber nicht 100-prozentig die gewünschte Farbe haben. Mit ihnen testet der Siebdrucker die Farbe, damit möglichst wenig der guten, zur Auflage zählenden Bogen verloren gehen.

5.  Glitzerlack anmischen

Bei dem Lack handelt es sich um einem Mix aus je einem Liter Relief- und seidenglänzendem UV-Lack. In diese zwei Liter rührte Gallery Print nacheinander vier Sorten Glitzerpartikel (klein geschnittene Folien): 300 Gramm Silber, je 50 Gramm Gold und Rot sowie 70 Gramm Grün. Damit der Lack über die ganze Auflage gleich bleibt, muss er dieses spezielle Mischungsverhältnis aufweisen (470 Gramm Glitzer auf zwei Liter Lack). Einfacher ist es natürlich, fertigen Glitzerlack zu kaufen. Gallery Print wollte aber selbst mischen, um den Effekt genau steuern zu können. Nach dem Hinzufügen der Glitterpartikel muss man den Lack gut durchrühren, damit sie sich gleichmäßig verteilen.

6.  Auflage drucken

Glitzerlack im Siebdruck als DruckveredelungDen Glitzerlack gießt der Siebdrucker gleichmäßig von links nach rechts als Streifen auf das Sieb. Nach dem Start fährt die Maschine vor und zurück. Über dem Sieb befinden sich zwei Rakel, die eine verteilt den Lack, die andere drückt ihn durch das Sieb. Auf diesem Bild sieht man die Position, in der das Sieb vorgefahren ist und die eine Rakel den Lack verteilt hat. Fährt das Sieb zurück, kommt die zweite Rakel zum Einsatz, die die Farbe durch­drückt und so den Glitzerlack auf die grünen Stellen des Motivs verteilt.

 

7. Druckbogen trocknen

Bevor die Bogen zur Auslage transportiert werden, laufen sie durch die Trocknung. UV-Licht härtet den Lack blitzschnell aus, sodass sie trocken aus der Maschine kommen und sich gleich stapeln lassen.


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Siebdruck: Farbe durchdrücken

Merkmale: Beim Siebdruck druckt man die Farbe mit einer Gummirakel durch einen mit Gewebe bespannten Rahmen auf das Material. Auf dem Sieb befindet sich eine Schablone, meist belichtete Filmemulsion, sodass die Farbe nur durch die nicht belichteten, offenen Stellen auf den Untergrund gelangt. Das kann manuell geschehen, etwa bei der Produktion künstlerischer Arbeiten und kleiner Auflagen, oder maschinell, zum Beispiel um ein schwieriges Covermaterial zu bedrucken. Die Druckgeschwindigkeit ist relativ gering.

Materialien: Im Siebdruck lassen sich nahezu alle Materialien und Formen verarbeiten. Allerdings müssen sie zur verwendeten Farbe passen. Wählt man zum Beispiel eine auf Wasserbasis, muss das Papier saugfähig sein, etwa aus Baumwolle.

Umweltfreundlichkeit: Die Fotoemulsion sowie der Entschichter, um diese wieder aus dem Sieb zu lösen, enthalten Chemikalien. Ansonsten kann der Siebdruck je nach ge­nutz­ter Farbe und Druckmaterial mehr oder weniger umweltfreundlich sein. Wasserbasierte Siebdruckfarben etwa sind umweltfreundlicher als Plastisolfarben oder Lacke.

Anwendungen: Die Einsatzgebiete von Siebdruck sind so vielfältig wie die möglichen Materialien. Neben Kunst- und Grafik-
projekten findet er oft auch im Textildruck Verwendung.


PROJEKT PAGE-Veredelungskarte: Tierkreiszeichen Pferd
DESIGN Factor, Hamburg
ILLUSTRATION Tatiana Lyubimova, Moskau
DRUCK Gallery Print, Berlin
FARBEN Schwarz, Sonderfarben Pantone 361 U, 805 U, 915 U
VEREDELUNG Siebdruck mit UV-Glitzerlack
PAPIER Metapaper Extrasmooth, Warmwhite, 350 Gramm

 

 



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Heißfolienprägung und Relieflack: Tipps zur Druckveredelung

 

Heißfolienprägung und Relieflack: So geht`s

Der Drache glänzt golden dank speziellem Hochdruckverfahren, aber auch der Relieflack, der unter UV-Licht aushärtet, veredelt Haptik und Aussehen des Drucks. Welche Schritte hier genau passieren müssen, um eine Karte mit Heißfolie und Relieflack zu veredeln, erklären wir Schritt für Schritt. Außerdem haben wir die Besonderheiten von Heißfolienprägung und Relieflack auf die wichigsten Merkmale/Punkte für Sie zusammengefasst?

Schritt für Schritt zur Heißfolienprägung mit Relieflack

1. Prägemotiv reinzeichnen

Bei der Reinzeichnung in InDesign muss man daran denken, für die zu veredelnden Motive jeweils eine eigene Ebene als Volltonfarbe an­zulegen. In diesem Fall mussten drei zusätzliche Ebe­nen angelegt werden: für den Drachen in Gold, das kleine d in Weiß sowie das große D in transparentem Relieflack. Alle Motive müssen auf überdrucken angelegt sein, und es darf darunter nichts ausgespart werden. Die Linien des D sind 0,5 Millimeter breit, feiner sollten sie auf diesem Material nach Möglichkeit nicht sein.

2. Prägestempel erstellen

Für die Heißfolienprägung benötigt man einen Prägestempel. In diesem Fall sogar zwei, weil neben dem Drachen auch noch das große D mit Heißfolie veredelt werden sollte. Den Prägestempel ließ Gallery Print bei dem Graveurbetrieb Berneisch in Oberbayern mit einer CNC-Fräse in Messing gravieren. Es können allerdings auch andere Materialien wie Kupfer oder Magne­sium verwendet werden – wobei Prägestempel aus Magnesium zwar weitaus kostengünstiger, aber auch weniger haltbar sind.

Prägestempel erstellen für Druckveredelung

3. Heißfolienprägung mit Metallicfolie in Gold

Der Prägestempel wird in der Prägemaschine PZ 90 erhitzt. PZ steht für Prägezylinder, 90 für das Format, die Maschine verarbeitet also Bogen bis 90 Zentimeter Breite. Über dem Prägestempel läuft die Metallicfolie. Durch Druck und Hitze löst sich die Farbe von der Folie und wird auf den Karton gedruckt. In diesem Fall erwärmte Gallery Print den Prägestempel auf 125 Grad. Es gibt aber auch Folien, die abhängig von ihrer Beschichtung 160 oder sogar 180 Grad benötigen. Für unser Beispiel ist ein hoher Druck erforderlich. Bei diesem Motiv schafft die Prägemaschine 800 bis 1000 Bogen in der Stunde, es brauchte also rund fünf Stunden, bis die gesamte Auflage von 4000 Stück mit der Metallicfolie veredelt war.

4. Druck durch Zurichten ausgleichen

Der Kontrollblick nach einigen mit der goldenen Metallicfolie veredelten Bogen zeigte, dass der Druck an einigen Stellen des Mo­tivs nicht gleichmäßig war. Um den Druck auszuglei­chen, klebt man auf die Elemente, die zu wenig Druck bekommen haben, Stücke aus sehr dünnem Seiden- oder Dünndruckpapier auf – eins oder auch mehrere übereinander. Seidenpapier ist etwa 0,02 Millimeter stark, Dünndruckpapier etwa 0,04 Millimeter. Hier das richtige Maß zu finden, braucht viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung.

5. Heißfolienprägung mit Farbfolie in Weiß

Nachdem alle 4000 Bogen mit der goldenen Heißfolie versehen waren, ging es wieder von vorne los: Das D in der Mitte der Karte sollte eine weiße Heißfolienprägung bekommen. Zwischen den einzelnen Prägedurchgängen braucht es keine Pause – es konnte gleich mit der weißen ­Folie los­gehen. Dabei war das Vorgehen genau das gleiche: Auch hier wurde das Messingwerkzeug in der Prägemaschine erhitzt. Da das Motiv kleiner ist als der gol­dene Drache, konnte Gallery Print die Ma­schine bei diesem Durchlauf etwas schneller laufen lassen. Generell werden sämtliche Folienarten iden­tisch behandelt, allerdings haben Farbfolien etwas größere Pigmente als Metallicfolien und sind daher etwas weniger randscharf.

6. Relieflack auftragen

Der Bogen kann nach dem Prägen direkt wei­terverarbeitet werden. Gallery Print druckte auf die goldene und die weiße Heißfolie das großformatige Fraktur-D mit einem transparenten Relieflack, einem UV-Lack, der zähflüssiger ist als die normale Variante. Dadurch erscheinen ein­zelne Formen des Drachens haptisch, ja fast dreidimensional. Der Lack wird in der Lackiermachine im Siebdruckverfahren aufgetragen. Das Sieb ist etwas gröber, sodass mehr Lack aufs Papier kommt, was zusammen mit der zähflüssigen Beschaffenheit für den dreidimensionalen Effekt sorgt. Anschließend laufen die Bogen weiter in die UV-Trocknung, der Lack ist sofort trocken.
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Besonderheiten der Heißfolienprägung

 

Heißfolienprägung: Mit Hitze und Druck

Merkmale: Bei diesem Hochdruckverfahren presst ein erhitzter Stempel unter hohem Druck Teile der Folienbeschichtung auf den Bedruckstoff. So entstehen optisch und haptisch eindrucksvolle Effekte, die keine Trocken- oder Aushärtezeit benötigen.

Werkzeug: Vor der Heißfolienprägung lässt man einen Stempel aus Messing oder
anderen Metallen anfertigen. Die Verarbeitung des Stempels spielt eine entscheidende Rolle und hat einen direkten Einfluss auf die Qualität der Prägung.

Materialien: Es eignen sich Papiere sowie lackierte, folienkaschierte und textile Bedruckstoffe, die eine gewisse Hitzebeständigkeit aufweisen. Heißfolienprägung ist auch für die meisten Kunststoffe gut geeignet. Die Prägefolien gibt es in vielen Farben, metallisiert sowie mit Hologramm. Farbfolien haben etwas größere Pigmente als Metallicfolien und sind daher etwas weniger randscharf als Metallicfolien mit ihrer feineren Körnung.

Umweltfreundlichkeit: Heißfolienprägung ist keine besonders umweltfreundliche Ver­edelung, allerdings werden nur extrem dünne Farb- oder Aluminiumschichten auf das Produkt übertragen. Die lack-, farb-, oder metallicbeschichtete PET-Folie, die um­weltfreundlicher als PVC-Folie ist, dient hier als Träger für die zu übertragenden Ele­men­te und wird nach dem Applikationsprozess
vom Produkt wieder abgelöst. Heiß geprägte Produkte lassen sich recyceln. Zusätzlich entsteht Energie- und Materialaufwand für die Herstellung des Prägewerkzeugs.

Anwendungen: Hochwertige Drucksachen wie Visitenkarten, Broschürencover oder Etiketten, aber auch Verpackungen oder Kunststoffteile, etwa in Autos.
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Relieflack: Schicht auf Schicht

Merkmale: Relieflacke sind spezielle, trans­pa­rente oder farbige UV-Lacke, die im Siebdruck in sehr hohen Schichten aufgetragen werden. Die abrupte Aushärtung unter UV-Licht führt dazu, dass sich hohe Schichtdicken übertragen lassen. So kann man Motive dreidimensional hervorheben, ohne – wie etwa bei der Blindprägung – den Bedruckstoff zu verformen.

Materialien: Relieflacke lassen sich am einfachsten auf gestrichenen und glatten Papieren sowie auf nicht saugfähigen Oberflächen wie Folien oder Kaschierungen verarbeiten. Aber auch auf Naturpapieren ist Relieflack kein Problem. Weil er etwas stärker ins Papier einsinkt, erscheint er etwas weniger erhaben.

Umweltfreundlichkeit: UV-Lack ist mittels UV-Wellen gehärteter, flüssiger Kunststoff und nicht umweltfreundlich. Beim Härten unter UV-Licht entsteht eine hauchzarte Kunststoff­folie, die beim Recyceln in kleine Schnipsel zerreißt – ungünstig fürs spätere Deinking. Mit UV-Lack veredelte Druckprodukte gehören in den Restmüll, nicht ins Altpapier.

Anwendungen: Zum Hervorheben einzelner Elemente, etwa von Überschriften oder Titeln auf Bucheinbänden, aber auch für Blindenschrift. Sehr feine Schriften lassen sich nicht optimal darstellen. Relieflack sollte nicht im Anschnitt und nicht innerhalb von Nut- und Rilllinien stehen.
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Sammelkarte "Drache": Heißfolienprägung und Relieflack

PROJEKT PAGE-Veredelungskarte: Tierkreiszeichen Drache
DESIGN Factor, Hamburg
ILLUSTRATION Tatiana Lyubimova, Moskau
DRUCK Gallery Print, Berlin
FARBEN Schwarz, Sonderfarbe Pantone 871 U
VEREDELUNG Heißfolienprägung Gold glänzend, Heißfolienprägung Weiß, Relieflack
PAPIER Meta­paper Extrarough, Warmwhite, 430 Gramm

Originalkarte liegt der PAGE 09.2019 bei
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Blindprägung: So geht’s!

Ob Prägemotiv, Stempel oder das Einrichten der Prägemaschine – wir verraten, wie Sie Ihren Druck per Blindprägung veredeln können und worauf Sie dabei achten sollten. Doch was ist eine Blindprägung überhaupt und für welche Materialien oder Papierstärken eignet sich diese Veredelung?

Blindprägung – Step by step

1. Prägemotiv reinzeichnen

Damit die Druckerei die Partien, die veredelt werden sollen (in diesem Fall hier mit einer Blindprägung), unabhängig von den einzelnen Farbauszügen ansteuern kann, muss man sie in Illustrator in einer Sonderfarbe (Vollton) anlegen. Später in InDesign sollte das Prägemotiv auf einer eigenen Ebene liegen und auf Überdrucken gestellt sein. Mit der Separationsvorschau in Acrobat kann man noch einmal überprüfen, ob es den Untergrund wirklich überdruckt und nicht etwa ausspart. Für eine erhabene Blindprägung sollte das Motiv keine allzu feinen Elemente aufweisen. Denn diese lassen sich, je nach Materialstärke und Volumen des eingesetzten Bedruckstoffs, unter Umständen nicht mehr darstellen. Als Faustregel kann man bei der Strichstärke vom Ein- bis Anderthalbfachen der Ma­terialstärke ausgehen. Ansonsten kann es vorkommen, dass die erhabene Blindprägung auf der Rückseite gut und auf der Vorderseite kaum zu erkennen ist. In unserem Fall sind die Linien des Buchstaben H 0,5 Millimeter breit.

2. Prägestempel erstellen

Die geprägten Teile des Hahns sind auf der Vorderseite erhaben, auf der Rückseite vertieft. Für diese Prägung benötigt man ein Werkzeug, das aus zwei Komponenten besteht: der Matrize, die ins Material hineingeht (im Bild links auf der rechten Seite), und der Patrize (linke Seite), die von hinten dagegenhält. Zwischen diesen beiden wird der Karton mittels Druck verformt. Gallery Print lässt die Werkzeuge bei spezialisierten Herstellern fertigen, in diesem Fall beim ober­bay­rischen Graveurbetrieb Berneisch, der die Matrize mit einer CNC-Fräse in Messing graviert hat. Es können allerdings auch andere Materialien wie Magnesium oder Kupfer zum Einsatz kommen, die meist günstiger, aber weniger haltbar sind. Die Patrize besteht hier aus einer Gewebeplatte mit einem Gießharz, das der Matrize genau angepasst ist. Für diesen Arbeitsschritt sollte man genug Zeit einplanen. Die Erstellung des Prägestempels dauert in der Regel zwei bis fünf Werktage. Bei höherem Aufwand oder je nach Auftragslage kann es aber auch mal etwas länger dauern.

3. Prägemaschine einrichten

Knackpunkt bei einer Blindprägung ist die Passergenauigkeit. Das bereits im Offset ge­­druckte Prägemotiv und der im Schließrahmen mit den Schließwerkzeugen (mittleres Bild) befestigte Prägestempel müssen genau zueinander­passen. Dazu misst man die Position des Hahns mittels Lineal von der Bogenkante bis zum Anfang des Motivs und überträgt das Ergebnis auf das Fundament der Maschine, auf der das Prägewerkzeug anschließend befestigt wird. Bis die Passergenauigkeit annähernd 100 Prozent beträgt, sind in der Regel einige Probeprägungen und manuelle Nachjustierungen erforderlich.

4. Papierfasern schonen

Gerade bei Papieren mit kürzeren Fasern, einer spröden Oberfläche oder viel Füllstoffen wie Kreide, kann es passieren, dass die Oberfläche vom Papier aufplatzt oder reißt, was zu einem unschönen Ergebnis führt. Um das zu verhindern, verwendet Gallery Print oft eine spezielle Folie, die über Matrize und Patrize gespannt wird und der Papierfaser hilft, stabil zu bleiben. Die Randschärfe der Prägung lässt dadurch zwar etwas nach, dafür er­reicht man eine bessere Prägetiefe. Um die Schärfe zu erhöhen, kann man vorsichtig mit ein wenig mehr Druck arbeiten. Alternativ lässt sich auch Papier mit hohem Baumwollanteil einsetzen, das sich durch seine Flexibilität und Langfaserigkeit normalerweise gut verarbeiten lässt.

5. Auflage prägen

Sind alle Werkzeuge fertig eingerichtet, kann es mit der Prägung der Auflage losgehen. Der Druck in der bei Gallery Print eingesetzten Prägemaschine IMG Brausse betrug bei unserem Auftrag etwa 90 Tonnen, die Geschwindig­keit lag bei rund 4000 Bogen pro Stunde. Druck und Geschwindigkeit richten sich nach dem verwendeten Material und dem Motiv. Bei den ersten 100 Bogen ist es sinnvoll, häufiger mal einen Kontrollblick auf das Ergebnis zu werfen, um gegebenenfalls den Druck der Prägemaschine zu verändern, danach haben sich Papier, Werkzeuge und Maschine meist aufeinander eingependelt. Wobei bei den ersten 20 bis 100 Bogen die Passergenauigkeit in der Regel nicht vollends zufriedenstellend ist, da die obersten Bogen auf dem Stapel am stärksten auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit reagieren und sich dadurch etwas verziehens. Damit muss man leben.

 

Ohne Farbe oder Folie – das macht Blindprägung aus

Merkmale: Bei dieser Veredelung wird der Bedruckstoff verformt, ohne dass dabei eine Folie oder Farbe aufgetragen wird. Eine Variante der Blindprägung ist die Reliefprägung, bei der zwei- bis mehrstufig hochgeprägt wird. Innerhalb eines Motivs gibt es dann verschiedene Höhen und Tiefen und es lassen sich fast bildhauerische Effekte erzielen.

Werkzeug: Zunächst muss ein aus Matrize und Patrize bestehender Stempel erstellt werden. Erstere ist meist aus Messing gefertigt, während für die Patrize in der Regel Kunststoff verwendet wird. Je hochwertiger der Stempel, desto besser die Qualität der Prägung.

Materialien: Für eine wirkungsvolle Prägung braucht man passendes Papier. Zu stark strukturierte oder zu dünne Sorten lassen sich nicht gut verarbeiten, es können unsaubere Kanten oder gar Risse entstehen. Grammaturen von 170 Gramm sollten es schon sein, gerne auch stärker. Kurzfaserige Papiere – darunter fallen viele Recyclingsorten, aber auch Papiere mit einem hohen Anteil von Birken-, Pappel- oder Eukalyptuszellstoff – sind ebenfalls problematisch, weil die Fasern beim Prägen aufplatzen können. Weiche Papiere, zum Beispiel mit einem hohen Anteil an Baumwollfasern, eignen sich besonders, da sich das Motiv tief hineinprägen lässt.

Umweltfreundlichkeit: Da es sich um ein rein mechanisches Verfahren ohne Farben, Metallfolien oder Chemikalien handelt, ist sie nicht so umweltschädlich wie andere Veredelungen. Allerdings ist die Herstellung des Prägewerkzeugs mit Energie- und Materialaufwand verbunden.
Einsatzbereich: Hochwertige Drucksachen wie Visitenkarten, Briefpapier oder Broschüren­cover, aber auch praktikable Anwendungen wie mit Brailleschrift versehene Medikamenten­ver­packungen.


PROJEKT PAGE-Veredelungskarte: Tierkreiszeichen Hahn
DESIGN Factor, Hamburg
ILLUSTRATION Tatiana Lyubimova, Moskau
DRUCK Gallery Print, Berlin
FARBEN Schwarz, Sonderfarben Pantone 801 U, 805 U, 810 U
VEREDELUNG Blindprägung
PAPIER Meta­paper Extrarough Recycling, White, 350 Gramm

Originalkarte liegt der PAGE 08.2019 bei

 

 

 



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