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»Die Nachfrage an den Hochschulen für Lehrende am Schnittpunkt von Design und Coding wächst«

Für Katharina Nejdl sind Design und Development untrennbar miteinander verbunden. Sie gibt Codingkurse an Gestaltungshochschulen und erkundet in ei­nem einzigartigen Onlineliteraturmagazin neue Verbindungen von Text und Interaktion.

Portraitbild Katharina NejdlBild: Nora Hollstein

Wie und warum hast du Programmieren gelernt?
Katharina Nejdl: Interaktive Designkonzepte fand ich schon im Bachelorstudium an der UdK Berlin spannend und habe lieber Websites als Plakate gestaltet. Um meine Ideen umzusetzen, musste ich das lernen. Es gab Co­ding­kurse an der Uni, aber ich habe mir viel selbst beigebracht, hatte Freunde, die helfen konnten.

 

Du hast zudem an der Zürcher Hochschule der Künste studiert und den Master am Sandberg Instituut in Amsterdam gemacht. Wie sah es dort mit dem Programmieren aus?
In Zürich gab es einen Fokus auf digitales Publizieren, aber wir haben meist Tools ohne Code genutzt. An dem von Anja Groten geleiteten Design Department des Sandberg Instituut war das anders. Sie ist Mitgründerin des Kollektivs Hackers & Designers – in Amsterdam gibt es eine sehr aktive Creative-Coding-Szene.

Inzwischen unterrichtest du selbst Coding.
Ja, bei einem Lehrauftrag an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle oder Workshops an der Fachhochschule Potsdam und dieses Semester an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Die Nachfrage an den Hochschulen für Lehrende am Schnittpunkt von Design und Coding wächst. Es geht erst mal darum, Hemmschwellen abzubauen und durch kreative Projekte fürs Coding zu ­begeistern. Klassische HTML-Kurse, bei denen alle die gleiche Website programmieren sollen, sind sehr trocken. Kann man eigene Ideen umsetzen, ist die Moti­vation plötzlich sehr hoch.

Euer Magazin »& SHY« setzt ein komplett neues Denken beim Gestalten von Text um.
Mit Sophia Rohwetter, Chris Möller und Victor Kümel vom Editorial-Team untersuchen wir, wie sich im Digitalen die Beziehung von Leser:in und Screen verändert. Dabei arbeiten wir eng mit den Autor:innen zusammen. Mal gibt es die Texte schon, mal werden sie für uns geschrieben, mal entstehen sie zeitgleich mit der Programmierung. Am Anfang steht immer die Frage, wie die Leserinteraktion aussehen könnte. Dann probiere ich funktionierende Prototypen aus und erst am Ende wird dann gestaltet.

Du benutzt im Kontext deiner Arbeit öfters den Begriff Materialität. Was heißt das für dich?
An digitalen Medien hängen immer Geräte. Wir arbeiten Mobile first, 40 Prozent lesen »&SHY« auf dem Handy. Aber Smartphone oder Mousepad machen den virtuellen Raum anders auf. Da gibt es spannende Unterschiede etwa bei der Art, zu scrollen, sich Texte vorlesen zu lassen oder ein Gyroskop im Browser umzusetzen. Wir versuchen, das eintrainierte Leseverhalten im Netz aufzubrechen – wie bei einem Buch, das man ungewohnt anders binden kann.

Design and Code: Beim Literatur­magazin »&SHY« ist jeder Text anders gecodet Design and Code: Beim Literatur­magazin »&SHY« ist jeder Text anders gecodet

Design and Code: Beim Literatur­magazin »&SHY« ist jeder Text anders gecodet
Jeder Text anders gecodet
Beim Literatur­magazin »&SHY« fließen Design, Program­mierung und Inhalte ungewöhnlich gleichberechtigt ineinander – unbedingt unter https://andshymagazine.com anschauen.

 

Der Einstieg ins Coding…

…fällt leichter, wenn man Anleitung und eine supportbereite Community im Rücken hat. Wir haben für euch eine kleine Übersicht zusammengestellt.

  • Do it yourself
    Github ist eine großartige Community und Quelle für Coding-Ressourcen.
  • Das von Zach Lieberman gestartete openFrameworks ist ein Open-Source-Toolkit für kreative Experimente auf Basis von C++ und wird von der Community permanent weiterentwickelt.
  • Die p5.js-Website bietet simple Beispiele, Tutorials und Anleitun­gen für den Start ins Java-Script-basierte Creative Coding.
  • YouTube glänzt mit kostenlosen Tutorial-Serien wie zum Beispiel The Coding Train von Daniel Shiffman, der die Grundlagen von p5.js erklärt, oder den Creative-Coding-Einführungen von Tim Rodenbröker.
  • Von Profis lernen
    Superhi.com ist eine Online-Lernplattform mit kostenpflichtigen Kursen, Ressourcen und Tutorials für Designer:innen, die sich in angewandten Coding-Themen weiterbilden wollen.
  • Auf Domestika gibt es immer wieder gute Angebote für Einsteiger:innen, aber auch Kurse für Fortgeschrittene, die einzelne Coding-Projekte Schritt für Schritt erklären.
  • Skillshare bietet ein großes Angebot für alle Lerngrade und Zeitfenster: vom fünfstündigen Einstieg in generative Kunst bis zur halben Stunde Animieren mit CSS.
  • Udemy eignet sich vor allem für Anfänger:innen mit Angeboten zu den Grundlagen der Programmiersprachen und unterschiedlichsten Coding-Anwendungsgebieten.
  • In der Ausbildung
    Code & Context ist ein interdis­ziplinärer Bachelorstudiengang der TH Köln, der Coding- und Designkenntnisse für die Ent­wicklung digitaler Produkte vermittelt.
  • Die CODE University of Applied Science in Berlin setzt auf die Verzahnung von digitaler Kompetenz, Code und Design. Besonders im Bachelorstudiengang Interaction Design lernen Kreative, Code als Gestaltungstool zu nutzen.
  • In den Creative Code Labs der FH St. Pölten können Studierende der Studiengänge Creative Computing und Informatik am Ende jedes Semesters zwei Wochen mit ihren neu erworbenen Codingkenntnissen experi­mentieren und gestalterische Anwendungen kennenlernen.
  • An der Zürcher Hochschule der Künste gibt es im Wintersemester 2023 den Kurs »CAS – Coding for the Arts«, in dem Studierende nicht nur lernen, wie man programmiert, sondern auch, wie man digitale Projekte launcht und mit Programmierer:innen zusammenarbeitet.
  • Der Studiengang Creative Technologies der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf lehrt neben Motion Design auch Softwareentwicklung und Creative Coding für VR, Interaction Design und Physical Computing.

Dieser Artikel ist in PAGE 06.2023 erschienen. Die komplette Ausgabe können Sie hier runterladen.

PAGE 06.2023

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