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Jetzt im Kino: Das umwerfende Animationsabenteuer Suzume

Gleich zwei Animationsfilme sind im Wettbewerb der Berlinale gelaufen. Einer von ihnen ist das wilde, umjubelte und melancholische Abenteuer »Suzume«, das heute in den deutschen Kinos startet.

Kinoplakat für den Film Suzume
©2022SNTFP

Auf der 73. Berlinale (16.-26.2.) haben 19 Wettbewerbsfilme um einen der Goldenen oder Silbernen Bären konkurriert.

Und dabei waren überraschenderweise gleich zwei Animationsfilme.

Darunter der Blockbuster Suzume, der in Japan bereits Rekorde gebrochen hat – und Art College 1994, ein handgezeichneter, chinesischer Film über eine Gruppe von Kunststudierenden.

Berlinale 2023: Nominierter Animationsfilm »Art College 1994«, Filmstill (Zwei Personen zeichnen an einem großen Bild)
©Nezha Bros. Pictures Company Limited, Beijing Modern Sky Culture Development Co. LTD

An der Chinese Southern Academy of Arts ringen sie mit ihrer Malerei und damit, was Schönheit eigentlich ist, wo das Können in Fluxus und der Konzeptkunst bleibt und was Meisterwerke zu Meisterwerken macht. Haben sie sich so lange gehalten, weil sie Meisterwerke sind? Oder sind sie nur Meisterwerke, weil sie immer noch da sind?

Der Regisseur und Maler Liu Jian, der an der China Academy of Art Animationsfilm unterrichtet, war vor Art College 1994 bereits 2017 mit Have a Nice Day im Wettbewerb der Berlinale.

Handgezeichnet sind seine Filme, mit feinen Linien und in satten Farben. Seine Bilder sind oft statisch, kommen mit minimalen Bewegungen aus – und überraschen immer wieder mit wunderbaren Close-ups von Orchideen oder Schmetterlingen, mit flammenden Sonnenuntergängen und rauschenden Bäumen.

Berlinale 2023: Nominierter Animationsfilm »Art College 1994«, Filmstill (Zwei Personen auf einer Brücke vor Sonnenuntergang)
©Nezha Bros. Pictures Company Limited, Beijing Modern Sky Culture Development Co. LTD

Während die Bilder stillstehen, sorgen die Dialoge für Bewegung. Und da muss man zuhören können. Denn man folgt dem Ringen der jungen Studierenden Wort für Wort, Satz für Satz. Sie reden viel und meist ganz in Ruhe.

Und gleichzeitig spürt (und weiß) man, dass sich ihre Sehnsüchte nicht erfüllen werden.

Denn auch wenn sie in einem China der 1990er, das sich langsam dem Westen öffnet, Nirvana hören, vor MacDonalds sitzen und Michael-Jackson-Plakate in ihre Schlafräume pinnen, ist nicht nur das Regelwerk der Kunsthochschule streng.

»Was wird aus unserem Leben wenn wir nicht den Mut finden, Neues auszuprobieren?«, lässt Liu Jian einen der Studenten fragen. Und er spielt damit auf die Entwicklungen der folgenden Jahre an. Denn die Freiheit, nach der sie sich sehnen, wird es nicht geben.

Berlinale 2023: Nominierter Animationsfilm »Art College 1994«, Filmstill (Zwei Personen liegen auf einer grünen Wiese und schauen in den Himmel)
©Nezha Bros. Pictures Company Limited, Beijing Modern Sky Culture Development Co. LTD

Anime im Marvel-Stil

Unterschiedlicher könnte Suzume des Regisseurs Makoto Shinkainicht nicht sein. Sein Anime-Abenteuer beginnt mit Trümmerlandschaften und Alpträumen, bald wird eines von vielen Erdbeben Japan heimsuchen und dazu kämpft ein Riesenwurm sich durch geheime Türen in das Land hinaus, um alles zu zerstören.

Und es gibt nur zwei Menschen, die ihn überhaupt sehen können – und die sich ihm entgegenstellen: Ein junger Mann namens Souta, der aus einer Familie von Tür-Schließern stammt – und die 17-jährige Suzume, die ihn auf ihrem Schulweg kennenlernt.

Gespickt mit wunderbaren Anspielen auf Pop-Kultur und Cat Content und gezeichnet im Stil des großen Hayao Miyazaki (»Chihiros Reise ins Zauberland«), machen sich die beiden auf eine atemlose Reise quer durch Japan, auf Berge hinauf und in Vergnügungspark und immer wieder sind das trostlos verlorene Orte, die an Fukushima und andere Katastrophen erinnern, die das Land heimgesucht haben.

Filmstill aus Suzume: Eine weibliche Person mit einem Stuhl in der Hand steht vor einem postapokalyptischen Szenerie
©2022SNTFP

Sie laufen einem Kätzchen hinterher, das sich vor jede Smartphone-Kamera schmeißt, Souta in einen dreibeinigen Kinderhocker verhext und Suzume über sich hinauswachsen lässt.

Und sie folgen der Spur der Zerstörung, die der Wurm rot glühend hinterlässt und versuchen ihn zurück hinter die Türen zu drängen.

Suzume ist Überwältigungskino, wild und explosiv wie ein Marvel-Film, mitreißend und melancholisch – und ein großer unterhaltsamer Spaß.

 

 

 

 

 

 

 

 

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