Absolut absurdes Gender-Marketing

Der Goldene Zaunpfahl 2018 wurde verliehen und Gewinner des Negativ-Preises ist …



© Till Laßmann

Insgesamt fünf Produkte waren für den Goldenen Zaunpfahl 2018 – Negativ-Preis für Gender-Marketing – nominiert. Zum zweiten Mal kürte jetzt die Jury das absurdeste Produkt der letzten Zeit. Es ist eines, das unheimlich tief in die Geschlechter-Klischeekiste gegriffen hat: Gewinner ist der Kosmos Verlag mit dem Barbie Experimentierbaukasten.

Auch wenn Unternehmen mit ihren Produkten zuweilen versuchen möchten, so etwas wie gutes Gender-Marketing zu betreiben und mit Klischees aufzuräumen beziehungsweise sie zu thematisieren, dabei heraus kommt leider äußerst häufig das genaue Gegenteil. Dies zeigen jüngste Beispiele. Einige wurden für den Goldenen Zaunpfahl 2018 nominiert – mit dabei die Edeka-Werbekampagne für die Grillsaison 2017, in der Fleisch als männlich und Gemüse als weiblich konnotierte Nahrungsmittel dargestellt werden, auf den Verpackungen lesen Verbraucher die Worte »Männergrillen« und »Frauengrillen«. Auch nominiert war der JAKO-O Herbstkatalog 2017, in dem Nähmaschinen für Mädchen und eine Werkbank für Jungen angepriesen werden, anstatt beides für alle Kinder vorzustellen.

Kein Wunder, dass diese Beispiele für den Negativ-Preis des schlechtesten Gender-Marketings nominiert wurden. Andere eingereichte Produkte standen diesen in Sachen Geschlechter-Klischees übrigens in nichts nach. Beim Goldenen Zaunpfahl reichen die Verbraucher/innen und Konsumenten/innen selbst Produkte und Werbekampagnen ein, in diesem Jahr waren es insgesamt 140.

Screenshot www.kosmos.de

Letztlich entschied sich die Jury allerdings für den Barbie Experimentierbaukasten (siehe Abbildung), der junge Mädchen dazu ermuntern soll, sich mit Naturwissenschaften zu beschäftigen. So weit, so gut. Doch schon beim ersten Hinschauen und weiteren Öffnen der Verpackung wird schnell klar, dass dieses Produkt herzlich wenig mit naturwissenschaftlichen Themen zu tun hat. Der Inhalt besteht aus einem drehbaren Kleiderständer, einer Waschmaschine, einem sich drehenden Schuhregal, einem Schmuckkarrussell, einem Designgestell, einem Gewächshaus sowie einer Hängematte. Mehr Rollenstereotype geht eigentlich kaum, Kindern wird so ein Rollenbild vermittelt, mit dem eigentlich längst hätte aufgeräumt werden sollen.
So sehen das auch die drei Initiatoren/innen (Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan), die den Goldenen Zaunpfahl ins Leben gerufen haben, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und zum Dialog anzuregen. Mehr Infos kann man hier lesen.

Dass gendersensible Arbeiten aus dem Designbereich derzeit sehr gefragt sind und das öffentliche Interesse wecken, zeigt auch der Gender Design Award, über den wir im Herbst 2017 berichteten – hier geht’s zum Beitrag. Auch in 2018 werden wieder herausragende Arbeiten gekürt. Allerdings ist die Einreichungsfrist schon Mitte März abgelaufen. Wer sich trotzdem für die Preisverleihung interessiert, sie findet am 8. November 2018 im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) statt. Mehr dazu auf der Webseite von genderdesign-org.

 


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